Ich bin ja ganz, ganz großer Freund von Wortspielen. Mein Leben wird quasi bestimmt durch die witzigen Wendungen, die sämtliche von mir beherrschten Sprachen mit sich bringen. Der Titel des Spiels, um das sich dieser Beitrag dreht, ist ein solches Wortspiel. Eines, das ich – bis ich es letzte Woche zum ersten Mal aussprach – einfach nicht verstand. „Und? Was spielst du gerade so?“ – „Yooka-Layleeaaaaahhhh!“. Die Erleuchtung brach über mich herein wie Reiner Calmund über ein Gratis-Buffet. Denn die Ex-Rare-Entwickler – unter anderem verantwortlich für Donkey Kong Country und Banjo-Kazooie – bleiben den musikalischen Wurzeln bei der Betitelung ihrer Buddy-Games treu. Ihre Hommage an die Mitt-Neunziger Nintendo 64-Ära hangelt sich lose an der englischen Aussprache für „Ukulele“ entlang.

Das N64-Feeling

Bei ersten Start bereits erfasst mich das Retro-Feeling von 1998 wie ein wattebauschiger Schlag in die Magengrube. Comic-Schriften und hüpfende Objekte mit Glubschaugen lassen Bilder aus meiner späten Teenagerzeit vor meinem geistigen Auge aufblitzen. Damals, als die Fernseher noch Röhren hatten und die Controller aussahen wie außerirdische Rektalsonden. Doch statt Bär und Vogel gebieten fehlende Lizenzen den Entwicklern von Playtronic, dem Spieler eine Echse und eine Fledermaus als spielbares Duo zu präsentieren. Yooka, das grüne Chamäleon trägt dabei die niedliche, barfüßige Laylee auf seinem Kopf herum. Yooka schlüpft hier also in die Rolle der „Muskeln“, verantwortlich für Lauf- und Klopparbeit, während sein geflügelter Freund beispielsweise für kurze Schwebeeinlagen des ungleichen Duos sorgt. Neue Moves können bei einer Schlange in Khaki-Shorts (nur einer von vielen Charakteren, die nicht nur durch ihre häufigen Auftritte in Erinnerung bleiben) im Tausch gegen eine Ingame-Währung gekauft werden. Diese schalten dann indirekt zuvor unerreichbare Areale oder Collectibles frei.

Der Charme vergangener Zeit findet sich trotz des aufpolierten Looks an jeder Stelle von Yooka-Laylee wieder. Die farbenfrohe Welt, die sich in ihrer Mannigfaltigkeit in einzelne Zonen aufteilt, ganz wie man es vom inoffiziellen Vorgänger und anderen Spielen dieser Ära (beispielsweise Super Mario 64) gewohnt ist. Die Besonderheit, die Yooka-Laylee mit sich bringt ist die Möglichkeit, freigeschaltete Kapitel einzeln zu erweitern. Dabei wird nicht nur der geografische Umfang ausgebaut, sondern auch kleinere Veränderungen im Level selbst eingebaut. Um dies zu erreichen, müssen Yooka-Laylee erst in der Grundversion des Levels einige Aufgaben erledigen.

Bienen,Banjos, Bücherklau

Die Story lässt sich dabei wirklich einfach herunterbrechen: Die Bösewichtbiene Capital B saugt alle Bücher der Welt in sein Bösewichthauptquartier. Dabei ist auch Yookas und Laylees frisch erbeutetes Buch mit seinen goldenen Seiten. Diese Seiten müssen die beiden Kumpel in den einzelnen Welten sammeln und somit weitere Welten freischalten. Doch die Sammelwut beschränkt sich nicht auf sprechende Papierfetzen. Vielmehr hat Playtronic das Spiel derart vollgestopft mit Geheimnissen und Collectibles, dass selbst Ubisoft neidisch dreinblickt. Buchseiten, Federn, Geister, Moleküle, Spielmünzen… All das versteckt sich in den Spielwelten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Vom Dschungel über verschneite Höhlen bis hin zum gruseligen Sumpf ist hier fast alles dabei, was man sich wünscht. An die geschickte Verwinkelung eines Spukhauses (wie in Banjo-Kazooie) kommt Yooka-Laylee durch die Anpassung an die heutigen Spielerbedürfnisse allerdings nicht heran. Das Spiel ist zwar fordernd, wurde aber in seiner Wurzeln auf die einfachste Version seiner selbst marginalisiert um auch den Casual Gamer Anno 2017 anzusprechen. Wer allerdings die 100%-Marke knacken möchte, der muss etwas mehr als nur Zeit mitbringen. Denn trotz fehlender Schärfe ist das Spiel für Komplettionisten eine etwas größere Herausforderung.

Und was wäre ein inoffizieller Rare-Nachfolger ohne die entsprechende Musik? Yooka-Laylee ist voller wunderbarer Musikstücke, die das 98er-Feeling nur noch mehr unterstreichen. Hier wurde offenbar bewusst vermehrt auf den Einsatz der namensgebenden Ukulele gesetzt, aber auch die beliebte Tuba-Bassline, die man noch von damals kennt, findet häufig ihren Einsatz. Leider wird die Musik nicht sonderlich gezielt angewendet, weswegen die häufigen Wiederholungen der ewig gleichen Loops innerhalb der Level auf Dauer etwas nerven. Dafür sind sie derart catchy, dass man nach dem Spielen wohl nicht ohne Ohrwurm die Playstation 4 (Testsystem) ausschalten kann.

Plattformen, Performance und Probleme

Yooka-Laylee wurde durch Crowdfunding auf Kickstarter finanziert. Nach der Ankündigung im Februar 2015 konnte das Projekt mit über 2 Millionen Pfund (knapp 2.5 Millionen Euro) deutlich überfinanziert werden. Die damals versprochene WiiU-Version wurde zugunsten der Nintendo Switch allerdings gekippt, der Release steht hier aber noch aus. Bedient wurden bisher die Playstation 4, Xbox One und der PC. Der Releasepreis liegt weit unter dem, was normalerweise für frisch erschienene Vollpreistitel aufgerufen wird. Knapp 15 Stunden braucht man, um einen fixen Spielgang zu vollenden, wer allerdings die oben angesprochenen 100% erreichen möchte, muss einiges mehr dafür leisten.

Leider läuft Yooka-Laylee nicht immer gut, selbst die PS4 Pro liefert keine optimale Darstellung. Es scheint fast, als läge die Framerate des Spiels konstant unter der flüssigen Wahrnehmungsgrenze, was auf Dauer leider etwas Kopfschmerzen verursacht. Dafür entschädigt das vollständige Fehlen jedweder Weitsichtbeschränkungen, was den Erkundungsdrang des Spielers noch weiter fördert. Die Rätsel sind allesamt sehr einfach zu lösen, die Plattformereinlagen scheitern aber oft an der sehr gewöhnungsbedürftigen und eigensinnigen Kamerasteuerung und forcierten Einstellung selbiger. So muss ich beim ersten Boss eine Schräge mit mir entgegenkommenden Baumstämmen heraufhüpfen. Die Kameraposition hinter der Spielfigur zerstört an dieser Stelle allerdings jegliches Gefühl von Tiefe, weswegen ich viele digitale Tode sterbe, bis der Boss endlich liegt. So ist das an vielen Stellen im Spiel, aber vielleicht ist das auch alles Absicht, um erneut die Erinnerungen an vergangene Zeiten mit ähnlich hakeliger Steuerung wachzurufen. Wenn man möchte, kann man sich alles schön reden, genau wie die vermeintliche Eigensinnigkeit eines „lebendigen“ Wesens in The Last Guardian (die aber wahrscheinlich auf mangelhaftes Coding zurückzuführen ist).

Fazit

Unter dem Strich ist Yooka-Laylee, trotz meiner Meckerei, ein wahnsinnig tolles Spiel, das ich nicht nur alteingesessenen N64-Spielern empfehlen würde, sondern allen 3D-Plattform-Enthusiasten. Kinder bis 10 Jahre könnten hier aufgrund der erwähnten Steuerungsprobleme und der fordernden Sprungpassagen aber etwas zu gefrustet sein und den holden Titel frühzeitig abbrechen.

Auch interessant

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.