Die Zwischendurch-gamescom für den kleinen Hunger und ohne die Konkurrenz.

Wenn Microsoft einlädt, lass ich mich selbstverständlich nicht zweimal bitten. Derzeit tingeln die giftgrünen Frohnaturen aus Redmond mit dutzenden Konsolen unter dem Arm durchs Land, um kräftig die Werbetrommel für ihr am 22. November erscheinendes Next-Gen-Spielgerät zu rühren. Die ganze Geschichte nennt sich dann Xbox One Tour und macht aktuell in der Hauptstadt Station. Was gab es dort also neues zu sehen?

Einen Hinweis schiebe ich aus aktuellen Anlass noch fix vorneweg: Ich selbst war und bin PC-Spieler, werde es auch für die so oft propagierte „Next Gen“ bleiben, und beschreibe hier mehr oder minder unabhängig von der Seitenlinie meine Eindrücke zu eurem kleinen Konsolenkrieg. Etwaige Vergleiche oder Eindrücke der visuellen Pracht der Titel beziehen sich stets auf meine bisher auf dem PC durchlebten Spielerfahrungen und keinesfalls auf andere in naher Zukunft erscheinende Konsolen der Konkurrenz. Ihr findet also lediglich heraus, was passiert, wenn ein Anhänger der PC-Fraktion von der schönen, neuen Konsolenwelt überzeugt werden soll.

gamescom die Zweite

Xbone_LocationDie hippe Location in einem alten, entkernten Industriekomplex hätte das verlodderte Berlin nicht besser repräsentieren können. An 80 Screens konnten in Industrieloft-Atmosphäre nach Herzenslust (und vor allem ohne lange Warteschlangen oder Zeitlimit) die bereits auf der gamescom präsentierten Titeln angespielt werden. Selbstverständlich gab es dazu auch eine ordentliche Berliner Currywurst und lokale Brausen und es wurde wiederholt und mehrfach dazu aufgefordert, doch viele Fotos zu machen und sie in allen sozialen Netzwerken dieser Erde alsbald zur Schau zur stellen. „Zeigt euren Freunden, was die neue Xbox One so drauf hat!“

Aber was hat sie denn nun eigentlich drauf, diese Xbox One? Mir fiel sofort auf, dass hier gar nicht lange um den heißen Brei herumgeredet wurde. Es gab keine Begrüßung oder lange Präsentationen, keine Trailershow oder Zwangsvideos, es konnte sofort losgelegt werden. Gezockt werden konnten neben den Aushängeschildern Ryse, Forza, Battlefield 4 oder Fifa 14 und den Kinect-Hampeleien Kinect Sports Rivals und Just Dance 2014 auch eher kleinere und unbekanntere Titel wie Killer Instinct, Max: The Curse of the Brotherhood, Crimson Dragon, Zoo Tycoon, Loco Cycle und Spark. Ach ja … und Peggle 2, welches jedoch niemanden so recht interessieren wollte.

Wo war das „Wow!“?

Ryse_Schmyse

Ach was soll ich sagen, was nicht schon überall gesagt wurde? Das Gesehene und von mir Angezockte (und bereits von der gamescom Bekannte) war nicht viel mehr als grundsolide. Es gab kein „Wow!“, kein „Oh!“, kein „Krass!“, alles war viel eher „okay …“.

Ryse sieht für bisherige Konsolenverhältnisse zwar klasse aus und die Inszenierung, Cutscenes und vor allem die Sounduntermalung sind wirklich bombastisch, es muss jedoch auf spielerischer Ebene noch im Gesamtpaket zu überzeugen wissen. Gerade das Kampfsystem empfand ich als äußerst träge, aber vielleicht entfaltet es sein wahres Potential erst dann, wenn man sich mit allen Kniffen näher befasst hat und nicht einfach mitten in die Story hineingeworfen wird. 

Forza_Schmorza

Auch Forza sieht (erneut für Konsolenverhältnisse) unglaublich gut aus, langweilt mich jedoch zu Tode … ein ganz klassischer Fall von „not my cup of tea“, wie ich eingestehen muss. An der Grafik gibt es aber selbst für mich bis auf die vereinzelten Jaggies nichts auszusetzen. Die Fahrzeuge schieben sich butterweich um die Kurven und vor allem die Fahrzeuganpassung im Menü und die Ladebildschirme in Ingame-Grafik lassen das Herz eines jeden Pixelliebhabers wild buppern. Freunde der realistischen Rennspielunterhaltung werden monatelangen Spaß mit diesem Titel haben, wenn die Alleinstellungsmerkmale wie beispielsweise der Drivatar, der auch ohne euer Zutun durch die magische Kraft der Cloud weiterhin für euch Rennen bestreitet, zum Erscheinen des Spiels eingebaut und ausgereift sind.

Die beiden Kinect-Kracher Kinect Sports Rivals und Just Dance 2014 sind auch eher als Lückenfüller und/oder reine Partyspiele anzusehen, bei denen es schlicht und ergreifend darum geht, seinen Freunden und Feinden dabei zuzusehen, wie sie sich zum Gössel machen. Während ich mir schon vorstellen kann, dass Just Dance 2014 für eine Menge Spaß und Lacher sorgen kann, sehe ich Kinect Sports Rivals mit äußerst gemischten Gefühlen. Gerade bei diesem Spiel zeigte sich das für mich nicht tolerierbare Input-Lag des Kinect-Sensors mehr als deutlich. Versteht mich nicht falsch, die Eingaben werden wirklich sehr präzise umgesetzt und sind gefühlt sechshundertdreiundvierzig Mal genauer als noch auf der 360, aber ich kann und will mich verflucht nochmal einfach nicht damit anfreunden, dass alle Bewegungen mit einer solchen Verzögerung umgesetzt werden, dass ich meiner Spielfigur auf der Kletterwand um nicht abzustürzen bereits die nächste Anweisung geben muss, während die vorherige noch nicht vollständig umgesetzt ist.

Killer_Instinct

Auch auf dem Wave-Racer liege ich bereits eine gefühlte halbe Sekunde in der Kurve, bevor sich auch mein tollkühner Jetboot-Pilot in die Wellen schmeißt. Da muss noch was passieren, Freunde!

Den meisten Spaß hatte ich überraschenderweise mit Killer Instinct, obwohl ich auch mit Prügelspielen nicht all zuviel anfangen kann. (~Alter … was mag ich denn eigentlich?) Diese Partikeleffektexplosion gepaart mit einer Prise WubWub und ordentlich Bums macht wirklich Laune, sieht umwerfend aus und knallt kräftig in den Kopfhörern. Irgendwie bezeichnend, dass es mir ein random Free-2-Play-Titel mehr angetan hat, als die ganzen AAA-Spiele, die hier vorgezeigt wurden.

Next Gen Schmext Gen

Mein persönliches Fazit? Was nehme ich als PC-Spieler aus einem solchen Event mit? Zuallererst einmal ist die Xbox One bei weitem nicht so ein gigantischer Klotz, zu dem sie in Foren und sozialen Netzwerken derzeit stets verschrien wird. Es folgte auch die erneute Erkenntnis, dass der neue Controller der Xbox One weiterhin auch für mich das Maß aller Dinge bleiben wird. Die kleinen Änderungen am Design und an den Funktionen sind wohldurchdacht und ich werde mich schnell nach Release um ein Exemplar für den heimischen PC kümmern.

Dieses Gefasel von der glorreichen „nächsten Generation“ betrachte ich weiterhin äußerst nüchtern. Der herbeigewünschte Fortschritt, die „Next Gen“, bleibt zumindest bei den bisherigen Spielen eine leere Worthülse, da gerade die oft beworbenen Launch- und Exklusivtitel auf mich innovationslose Einheitskost (jajaja, ich finde den Begriff genauso scheiße wie ihr) sind. Die Launchtitel hauen in Sachen Grafik und Killer-Features niemanden so wirklich vom Hocker und allein mit den Spielen werden sowohl Microsoft als auch Sony (oder vielleicht gar Nintendo) den Kampf um die Next-Gen-Krone nicht gewinnen. Interessant wird vor allem, mit welchen Funktionen abseits der neuen Spiele die neue Xbox gerade in Deutschland auftrumpfen kann, wo beispielsweise nicht in jedem Haushalt ein zusätzlicher Receiver steht, den die Xbox One für ihre Zwecke assimilieren kann. Auch die Funktionsweise der Sprachsteuerung und der weiteren Multimediakünste konnten von mir bisher nicht begutachtet werden und sollten in die Kaufentscheidung sicher ebenfalls mit einbezogen werden. Entschieden ist euer kleiner Konsolenkrieg nicht mal ansatzweise!

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Xbox One Tour in Berlin was last modified: November 1st, 2013 by Gastautor: Andreas

Ist neu hier. Wenn er in der Schule gerade keine Kinder quält, verhilft er den Lokas von Serien und Computerspielen zu Ruhm und Ehre. Versucht aktuell, das Problem mit dem mangelnden Bartwuchs in den Griff zu bekommen. Um den Weltfrieden müssen sich derzeit leider Andere kümmern.