Wonder Woman ist ja immer irgendwie an mir vorbeigezogen. Ich war nie ein großer Fan der Figur und habe den Kinofilm auch noch nicht gesehen, was aber wohl vor allem an dieser merkwürdigen DC-Filmwelt liegt, die schon seit Menschengedenken eher unterirdisch ist. Auch wenn der Wonder Woman-Film aus allen Rohren mit Lob befeuert wird, warte ich lieber auf den Heimkinostart. Außerdem habe ich ohnehin keine Zeit um ins Kino zu laufen. Ich lese lieber Comics. Wie zum Beispiel, naja, Wonder Woman. Pünktlich zum Release des Superheldenflicks schmeißt Panini „Das erste Jahr“ auf den Comicmarkt, der – ganz im Sinne der Rebirth-Thematik – die Anfänge der Amazonenkriegerin in der Welt der Menschen beschreibt.

Von Seite eins an ist klar, wie anders „Das erste Jahr“ im Vergleich zu anderen Comics ist. Die Kombination aus Weiblichkeit, Naivität und Stärke von Prinzessin Diana, die später als Wonder Woman bekannt werden soll, spiegelt sich in jeder einzelnen Zeichnung wider. Die Panels wirken wie Momentaufnahmen einer pastellfarbenen Traumwelt, sehr sanft und weich. Nicola Scott (Star Wars, Teen Titans) und Bilquis Evely (Batman, Bombshells, Vampirella: Fairy Tales) mit ihren Zeichnungen und Romulo Fajardo Jr (Forever Evil, Transformers, KISS) mit seinen sorgfältig ausgewählten Farben schaffen eine wunderbar angenehme Atmosphäre. Diese schlägt in einer Szene allerdings dramatisch um. Dies merkt der Leser sofort, als sich das sonst weiße Sujet schwarz färbt und somit die Szenerie in eine spannende, beklemmende Stimmung taucht, die den Ereignissen in den Bildern gerecht wird.

Die Story von Greg Rucka (Batman, Elektra, Superman) lässt mich den Sammelband, der aus insgesamt sieben Einzelausgaben der amerikanischen Year One-Serie (Ausgaben 2, 4, 6, 8, 10, 12 und 14 – September 2016 bis März 2017) besteht, mit einigen Fragezeichen zuklappen. Nicht, weil ich der Geschichte nicht folgen konnte, vielmehr, weil ich so überrascht von ihrem abrupten Ende war. Ich hätte hier noch tagelang weiterlesen können, so großartig ist der Sammelband, dessen deutsche Fassung von Ralph Kruhm, der relativ frisch bei der Sache ist, aber bereits einige DC-Comics übersetzen durfte, quasi in Rekordzeit angefertigt wurde.

Prinzessin Diana wird nach einem zufälligen Eindringen amerikanischer Soldaten in ihr Amazonen-Paradies Themyscira in die Welt der Menschen geschickt. Dort verhält sie sich zwar anfangs außerordentlich naiv und unbeholfen, entdeckt aber schon bald ihre Kräfte. Diese sollen auch schon bald nützlich werden, denn nicht nur Terroristen mit Handfeuerwaffen und Granaten bedrohen den Frieden, auch göttliche Mächte sind hier am Werk. Leider sind sämtliche Nebenfiguren, abgesehen von Dr. Minerva, schrecklich langweilig. Selbst der männliche Sidekick Steve Trevor, der eine interessante Vorgeschichte spendiert bekommt, verschwindet relativ schnell in seiner eigenen Irrelevanz. Der Fokus liegt hier ganz klar auf Wonder Woman, deren Charakterentwicklung aber leider schleichend und ohne besondere Motivation vonstattengeht. Dass Rucka es trotzdem schafft, die Geschichte interessant zu halten, liegt an der ansonsten leichten Verständlichkeit der Materie. Interessantes Detail: Marginal unterschiedliche Speech-Bubbles zeigen die verschiedenen Sprachen, die die Figuren im Comic sprechen. Hier muss man schon genau aufpassen, da es sonst schnell zu Verwirrungen kommt. Auch die Unbeholfenheit, mit der Dr. Minerva zunächst mit Wonder Woman kommuniziert wird hier unterstrichen und verläuft sich im Laufe der Story. Super gemacht!

Für 16,99 Euro bekommt man hier 148 Seiten im hochwertigen Matt-Paperback spendiert, den ihr bei amazon, Panini oder – wie immer – beim Buchhändler eures Vertrauens erwerben könnt.

Leseprobe von mycomics.de

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Wonder Woman – Das erste Jahr was last modified: Juli 5th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.