„Cloud-Gaming“ – Was ist das eigentlich? Und wie schlägt sich Gamesloads neues Angebot?

Es ist ein Kreuz: Jedes Jahr muss der geliebte Heimcomputer durch teure Hardware aufgerüstet werden um die neuesten Spiele auf bestmöglicher Grafik darstellen zu können. Dass nicht jeder das erforderliche Kleingeld für ein solches Unterfangen hat, sollte jedem klar sein. Abhilfe schafften da bislang lediglich Spielekonsolen, die im Anschaffungspreis zu Release allerdings auch nicht gerade günstig sind, von den Spiele-Discs für PS3 und Xbox 360 ganz zu schweigen.

Cloud-Gaming in Kurzform

Bildschirmfoto 2013-10-29 um 15.52.43Zum Glück leben wir im Jahre 2013, im Zeitalter der schnellen Internetleitungen. Und wer, wenn nicht die Telekom, sollte uns Gamern durch Etablieren des Cloud-Gamings durch die Gamesload-Tochter solch immense Aufrüstungskosten ersparen wollen? Aber die Ironie mal beiseite: In der Tat stellen die Mädels von Gamesload einen Streaming-Dienst für Spiele auf die Beine.

Sprich: Das Spiel wird nicht mehr auf dem heimischen Rechner installiert, sondern liegt irgendwo auf einem Server, wo es gestartet und ausgeführt wird. Per beidseitiger Internetverbindungen werden zum einen die Controller- und Tastatureingaben zum Server und auf der anderen Seite die verarbeiteten Bild- und Sounddaten zum Spieler geschickt. Das ist Cloud-Gaming in a nutshell.

Der Vorteil in der Theorie: Da das Spiel extern, also auf einem Fremdrechner gestartet wird, ist es nicht mehr nötig, einen schnellen Rechner daheim zu haben. Das Spiel läuft direkt im Internetbrowser, was einen weiteren Vorteil mit sich bringt: Plattformunabhängigkeit. Ob jetzt Linux, Mac oder PC. Rein theoretisch ist man in der Wahl der Rechnerart des Arbeitszimmers nicht mehr darauf beschränkt, ob jetzt auch alle Spiele darauf laufen. Selbst die Latenz, also die Eingabeverzögerung zwischen Befehl und Ausführung, ist zu verachten. Sicher: Zeitkritische Spiele wie Street Fighter und Call of Duty werden an der Grenze der kompetetiven Spielbarkeit kratzen, langsamere Single-Player-Spiele stellen allerdings keine Probleme dar. Eine einigermaßen schnelle Internetleitung ist natürlich die Voraussetzung für eine reibungslose Darstellung.

Info: In meinem Büro liegt eine 50MBit-Leitung an, in heimischen Gefilden surfe ich mit 100Mbit und einem effektiven Durchsatz von ca. 14-15 MB/Sek.

Der Weg zum Cloud-Gaming

Um das Angebot von Gamesload nutzen zu können, muss sich der experimentierfreudige User zunächst auf der dortigen Seite registrieren. Die Beta der neuen Benutzeroberfläche der Website ist äußerst sexy, kein Vergleich zum alten Kraut-und-Rüben-Layout, das noch als Standard dargeboten wird. Entsprechend macht der Registrierungsvorgang meinem geschulten Designerauge Spaß und geht schnell vorüber. So wünscht man sich das. Nach dem Bestätigen der Anmeldung per E-Mail kann man sich auf der Übersichtsseite der cloudfähigen Spiele umschauen, denn hier – und so haben es die Konkurrenten von OnLive und Gaikai vorgemacht – gibt es kostenlose Demos, die den User die Vollversion mit einer zeitlichen Begrenzung testen lassen, zum Zeitpunkt dieses Artikels sind dies 46 Spiele.

gamesload_angebot

Ob das jetzt Lost Planet 2, LEGO Batman 2 oder Deponia ist – ein fixes Genre sucht man vergeblich; Und das ist auch gut so. Selbst Street Fighter X Tekken kann man probespielen. Doch bevor ich mit dem Zocken loslegen kann: Plug-In-Installation. Ähnlich wie bei Quake Live wird, abhängig von meinem Betriebssystem und Browser, ein Plug-In heruntergeladen, das mir das Cloud-Gaming auf der Gamesload-Seite ermöglicht. Das ist ca. 4.5MB groß, also schnell heruntergeladen und mit Sicherheit auch platzmäßig auf Netbooks noch vertretbar.

PC oder Mac?

Bildschirmfoto 2013-10-29 um 16.03.57Ich arbeite beruflich an einem Mac, auf dem ich mit dem Chrome-Browser von Google surfe, daheim nutze ich einen PC, ebenfalls mit Chrome. Auf beiden Rechnern lief die Installation reibungslos, ich werde selbst gefragt, ob ich einen Xbox-360-Controller anschließen möchte. Jetzt wird es interessant: Den Controller direkt aus dem Browser nutzen? Ich bin gespannt. Allerdings kann ich das nur daheim testen, verständlicherweise würde mein Chef etwas seltsam schauen, wenn ich, statt wild tippend Arbeit vorzutäuschen, plötzlich mit dem Gamepad vor dem Arbeitsrechner säße. Daher wähle ich hier die Option ohne Controller, ich will nur mal ausprobieren, wie es hier so läuft. Ich habe nicht vor, hier tagtäglich zu spielen bis der Arzt kommt. Klar.

Street Fighter X Tekken

SFXT-CoverNatürlich will ich mal testen, wie sich einzelne, ausgewählte Titel des Demo-Angebots so schlagen. „Schlagen“ ist ein gutes Stichwort, denn starten möchte ich den Test mit Streetfighter X Tekken, einem der Referenztitel der Beat-Em-Up-Sparte. Wie eingangs erwähnt ist die Latenz – das Lag – hier essentiell für den Ausgang des Kampfes; es kommt auf Millisekunden an. Wie schnell verarbeitet der Server die Signale? Wie schnell ist das verarbeitete Signal wieder bei mir? Ich bin gespannt.

Ladezeit: ca 20 Sekunden • Latenz: Hoch

Ich erachte SFxT als einen sehr kritischen Titel für das Cloud-Gaming. Natürlich geht nichts über die direkte Eingabe per Controller, aber selbst die minimale Verzögerung, die das externe Ausführen des Spiels mit sich bringt, wirkt sich direkt auf das Spielverhalten aus. Zwar ist es spielbar, eine Konsolenversion würde ich aber definitiv vorziehen, auch wenn die Controllerunterstützung super ist.

Grafisch läuft das Spiel mit ca. 60 Frames sehr flüssig (zumindest auf dem Host), allerdings in einer stark verringerten Auflösung. Es ist nicht hässlich, aber auch nicht wirklich hübsch. Auch hier würde ich die PC- oder Konsolenversion dem Cloud-Game vorziehen. Der Vorteil liegt natürlich im Preis – Nach der kostenlosen Demo kann man SFxT – genau wie alle anderen Cloud-Games auf Gamesload, für 1,95 Euro am Tag spielen. Das sind Videothekenpreise und vollkommen angemessen. Wer das Spiel länger braucht, der kann auch 30 Tage Spielzeit für knapp 10 Euro kaufen. Auch das ist total vertretbar.

Deponia

deponia_coverDas Hit-Adventure aus dem Hause Daedalic überzeugt weniger durch zeitkritische Aktionen, vielmehr ist hier die Optik der ausschlaggebende Faktor. Handgezeichnete Grafiken in Full-HD; Wie gut, dass man das kleine Fenster innerhalb des Gamesload-Plug-Ins in den Vollbildmodus schalten kann. Mit Strg + Alt + Enter erlebt man das Spielgeschehen auf dem ganzen Bildschirm, eine Funktion, ohne die das Angebot kaum sinn machen würde, also absolute Grundvoraussetzung.

Ladezeit: ca 25 Sekunden • Latenz: Sehr hoch

Ich bin etwas underwhelmed. Zwar zeigt die Konfiguration ingame an, dass das Spiel mit 1920 x 1080 Pixeln läuft – also Full-HD – die Vollbildfunktion offenbart allerdings, das der effektive Grafikdurchsatz weit darunter liegt. Groß geschätzt bei ca. 800 x 600 Pixeln. Außerdem ist die Latenz bei geschätzten 250ms, die Bedienung des Mauszeigers wird zum Kampf mit dem Lag. Ich bin wahrlich kein Pro-Gamer aber ich lege Wert darauf, dass, auch in Point-and-Click-Adventures, mein Mauszeiger entsprechend reagiert. Dies ist hier leider nicht der Fall, schade eigentlich.

WRC3

000001148703Ein Rennspiel läutet den dritten und letzten Test des Cloud-Services der Telekom ein. Ich muss niemandem erklären, dass auch hier die Reaktionszeit ausschlaggebend für ein befriedigendes Spielerlebnis ist. Schnelle Autos, enge Kurven, qualmende Reifen – Klar, dass das sonst in die Hose geht. WRC3 muss als Testkandidat für dieses Genre herhalten. Zwar hat der Titel auch schon ein Jahr auf dem Buckel, exemplarisch ist das aber sicherlich ausreichend und beschreibend für die Funktionalität.

Ladezeit: ca 20 Sekunden • Latenz: Hoch

Das Spiel sieht nicht sonderlich hübsch aus, das liegt zwar nicht nur am Dienst selbst, er macht es aber auch nicht besser. Merkliche Ruckler und Framerateeinbrüche gesellen sich zur hohen Latenz, die ein Spielen – zumindest für mich – fast nicht mehr möglich macht. Sowohl das problemlos erkannte Gamepad, als auch Tastatureingaben unterliegen diesem Problem.

Fazit

Es ist noch ein steiniger Weg bis Cloud-Gaming technisch so weit fortgeschritten ist und gleichzeitig zu einem erschwinglichen Preis angeboten werden kann. Nicht jeder hat eine Highspeed-Internetleitung und Gamesload hat offensichtlich nicht die Serverkapazitäten, jedem Spieler ein High-End-Gaming-Erlebnis zur Verfügung zu stellen. Darauf weisen die stark vermindeter Auflösung der Spiele und die relativ hohe Latenz (ca. 250-300ms) hin, selbst bei 50 respektive 100 MBit/Sekunde, was wirklich nicht langsam ist. Ich habe das Gefühl, als sei Gamesload tatsächlich noch im Beta-Stadium und im direkten Vergleich fühlte sich Gaikai (getestet: The Witcher 2) etwas flüssiger an, auch optisch erfuhr ich weniger Ruckler und eine gefühlt bessere Auflösung.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Dienst nach der Beta-Phase weiterentwickelt. Sicherlich werde ich hin und wieder mal reinschauen um zu sehen, was sich getan hat. Momentan aber ist Cloud-Gaming – zumindest in Deutschland – noch nicht auf einem für mich brauchbaren Niveau angekommen. Ich kann mir aber vorstellen, dass Daedalic-Fangirls ohne atemberaubendes Budget dieses Angebot mit offenen Armen empfangen werden. Deponia kann man mit etwas Fleiß locker an einem Wochenende durchspielen, und für einen Kampfpreis von vier Euro kann man sicherlich ein paar Abstriche in Sachen Qualität machen.

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Unter der Lupe: Gamesload-Cloud-Gaming was last modified: Oktober 29th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.