Ihr habt es sicher bereits gelesen: Turtle Beach, seines Zeichens Hardwarehersteller, versucht nun – nach dem erfolgreichen Festsetzen im Konsolensektor – auch auf der „Master Race“-Plattform PC Fuß zu fassen. Neben Keyboards und Mäusen vertreiben die Schildkrötenstrand-Mädels und -Jungs selbstverständlich auch Headsets, das heißt: Kombinationen aus Kopfhörern und Mikrofonen. Das Flaggschiff der diesjährigen Kollektion hört auf den technisch-heroisch anmutenden Namen Ear Force Z60 und ist für ungefähr 120 Euro zu haben. Ich habe das Teil gerade hier liegen und habe es über mehrere Wochen intensivst benutzt, um euch hier sagen zu können, ob sich die Investition lohnt.

Lieferumfang und Frequenzgang

z60_packagephotoBereits beim Auspacken merkt man, dass das Z60 hochwertiger verarbeitet ist, als günstigere Headsets, die den gleichen Komfort versprechen. Kein Knarzen, kein Wackeln, kein Auseinanderfallen der einzelnen Komponenten. Neben den Kopfhörern und dem Ansteckmikrofon befinden sich außerdem der obligatorische Lesestoff und das USB-Interface zum Anschluss an den PC in der Packung. Das Headset an sich passt auf alle Geräte mit 3.5-mm-Klinkenausgang, wird aber erst mit dem erwähnten Interface zu einem vollwertigen 7.1-DTS-Gerät. Das Z60 ist laut Hersteller das erste Headset mit DTS Headphone:X 7.1 Surround-Sound, die „60“ im Produktnamen steht für die Treibergröße, also die Größe der verbauten Lautsprecher innerhalb der Ohrmuscheln: 60 Millimeter. Während das Gros der Audiohardware mit 50mm-Treibern bestückt ist, legt das Z60 hier also noch 10 Millimeter drauf, was einen ordentlichen Zuwachs der Wiedergabe tiefer Töne als Ergebnis hat. Meine Tests haben ergeben, dass das Turtle-Beach-Flaggschiff Frequenzen im Bereich von 10 Hertz bis hoch zu 16.000 Hertz problemlos wiedergeben kann. Dabei entsteht in den Tieftönen keinerlei Scheppern oder Flattern; Der Sound bleibt immer glasklar, sowohl beim Gaming, als auch bei der Musikwiedergabe spezieller Bass-Tracks. Auch die Differenzierung verschiedener Frequenzen gleichzeitig und in schneller Folge ist kein Problem.

7.1-Funktionalität

ear_force_z60_frontDer versprochene 7.1-Surround-Sound wird am PC per Plug and Play möglich gemacht, das heißt, dass keine zusätzlichen Treiber installiert werden müssen. Das Interface, das per USB an den Rechner angeschlossen wird, erstellt gleich mehrere Ausgabegeräte auf dem Rechner; Ein Game-Audio und ein Chat-Audio. Somit kann zum Beispiel Teamspeak 3 so geroutet werden, dass nicht der gleiche Kanal für die Soundausgabe des Spiels benutzt wird, wie für den Chat, was bedeutet, dass hierdurch die individuelle Lautstärkeregelung vorgenommen werden kann. Der Effekt, den die 60-Millimeter Treiber in Verbindung mit dem DTS-Sound hat, ist klasse. Wer zwei gesunde Ohren hat, kommt hier in den authentischen Genuss von dreidimensional projiziertem Klang. Ob das jetzt vorne, hinten, oben oder unten ist – eine klare Positionierung der Quelle ist kein Problem. Besonders User von Mumble werden hier aus dem Grinsen nicht mehr rauskommen.

Trage- und Bedienkomfort

ear_force_z60_sideDas Z60 besitzt ovale Ohrmuscheln und passt sich damit besser der natürlichen Ohrform an, als Kopfhörer mit runden Muscheln. Dabei ist der Kopfhörer nicht nur an Berührungspunkten mit dem unmittelbaren Ohrbereich, sondern auch am Kopfbügel gepolstert. Der Bügeldruck verhindert ein Herunterrutschen des Kopfhörers, ohne unangenehm fest zu sein. Weder exzessives Kopfschütteln, noch Kopfnicken lässt den Träger die Hardware verlieren. Die Muscheln sind durch reißfestes, gewobenes schwarzes Textil geschützt, was sowohl vor störendem Drücken der Hardware, als auch vor sichtbaren Verschmutzungen des Stoffes schützt.

Das Mikrofon ist per Klinkenstecker ansteckbar, was allerdings ein wenig Kraftaufwand voraussetzt, was aber letztlich das versehentliche Herausziehen oder Herausfallen des Teils verhindert. Die Mikrostange ist vollständig dreidimensional biegbar, aber verweilt immer genau an der Stelle, die vom Träger eingestellt wurde. Allerdings vermisste ich hier anfangs einen Popschutz aus Schaumstoff, der aber eigentlich gar nicht nötig ist, da unerwünschte Geräusche wie „P“- „F“- und „S“-Laute, sowie direktes Atmen in das Mikro hervorragend herausgefiltert werden. Besonders großen Tiefgang besitzt das Mikro durch seine geringe Größe nicht, aber für seinen konzipierten Zweck – die Kommunikation mit den Mitspielern – reicht es allemal.

ear_force_z60_interfaceEinzig das USB-Interface scheint Lücken im Handling aufzuweisen. Zwar kann man hier direkt die Lautstärke des Spiels und des Sprachchats unabhängig voneinander einstellen, leider passiert dies durch sehr kleine Poti-Rädchen, die – bedingt durch ihre Größe – nicht nur ungenau sind, sondern mit der Zeit Gefahr laufen, am typischen Poti-Kratzen zu erkranken. Ob und wie schnell dies eintritt, bleibt abzuwarten. Der zusätzliche Schalter für die Wahl des Gebrauchsmodus (Musik, Gaming, Film) ruft verschiedene EQ-Modi auf, wobei die Stellung „Gaming“ universell einsetzbar ist und merkwürdige Sprünge in der virtuellen Darstellung des Sounds verhindert. Der Tippschalter, der das Mikrofon auf stumm schaltet, ist praktisch und zeigt den momentanen Status gut sichtbar durch ein intensiv leuchtendes rotes Lämpchen an.

Leider ist das Interface sehr klein und somit sehr leicht, weswegen es schnell auf dem Schreibtisch hin- und herrutscht, sich mit dem Kabel verdreht und damit auch während der Bedienung oder dem Ertasten während des Spiels nicht immer sofort greifbar ist. Hier hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht, die durch ihr Gewicht und ihre Größe immer parat ist. Schließlich ist das Interface für den stationären Einsatz am PC, und nicht wie der Kopfhörer an sich ebenfalls für den mobilen Einsatz, gedacht. Ein großes Manko in Sachen Usability, was aber keinerlei Einfluss auf die Klangqualität des Kopfhörers hat.

Fazit

Ich bin sehr, sehr angetan vom Ear Force Z60. Ich, als jemand, der einen relativ großen Kopf hat, hat während der Einstellung der Bügelgröße sogar noch Spielraum nach oben. Die Hörer drücken weder an der Kopfoberseite, noch an den Ohren selbst. Einziges Manko ist das Interface, das zu kleine Potis und ein zu geringes Gewicht mit sich bringt. Dafür entschädigt der Klang aber umso mehr: Toller Frequenzgang ohne Scheppern oder Klirren, klare Differenzierung, und bei Filmen wie bei Spielen ein massives Klangbild. Die circa 120 Euro sind natürlich eine Investition, die man sich zwei Mal überlegt, beim Z60 kann man diese allerdings wagen. Wer sich am hakeligen Interface nicht stört, bekommt hier ein solides Headset ohne unnötigen Schnickschnack.

 

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Turtle Beach Ear Force Z60 was last modified: Oktober 10th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.