Gentlebots, start your engines! Die Decepticons setzen alles daran, die Autobots auszulöschen. Unser Test zum Spiel!

Man nehme: Riesige Roboter, die sich in Fahr- und Flugzeuge verwandeln können, einen Arsch voll Waffen an Bord haben und sich damit gegenseitig zu Maschinenschrott ballern. Was bekommt man? Ja, man konnte es sich schon fast denken: Transformers. Im neuesten Release Untergang von Cybertron gilt es, selbigen zu überleben. Mir schaudert es ein wenig, denn bisher waren ausnahmslos alle Transformers-Games ein Fall für die Müllverwertung, und das ist ein wirkliches Kunststück. Was kann man bei Riesenrobotern, die sich gegenseitig totschießen denn schon groß falsch machen? Eigentlich sind diese Spiele prädestiniert, einfach nur großartig zu werden… Eigentlich. Doch wie wir genau diesen Umstand bereits unzählige Male erleben mussten, müssen wir uns natürlich auch dieses Mal darauf gefasst machen, endlos enttäuscht zu werden… oder?

Zwei Modi: Singleplayer und Multiplayer. In Zeiten, in denen ein Mehrspielermodus meist in seiner Gänze weggekürzt wurde oder nur rudimentäres Beiwerk zu einem mäßigen Einzelspielererlebnis ist, bin ich bei einem Transformers-Game ganz besonders gespannt auf Schlachten in den unendlichen Weiten von Xbox Live (Dieser Test bezieht sich auf die Xbox-Version des Spiels, ist aber kongruent zu allen anderen Fassungen). Aber zunächst – und das Spiel empfiehlt dies sogar – möchte ich mich durch die Kampagne kämpfen. Schließlich muss ich erst mal die Steuerung beherrschen, bevor ich andere Leute verkloppen gehe.

Alleine unter Robotern

Der erste Eindruck ist allerdings enttäuschend. Zumindest in der Konsolenfassung. Alles sieht irgendwie merkwürdig aus, aber auf der anderen Seite dann doch besser als der Vorgänger Kampf um Cybertron. Sicher haben wir hier eine von Robotern konstruierte Welt für Roboter vor uns, aber nichts macht den Eindruck, als wäre es auch nur annähernd „echt“. Das Spiel fühlt sich von Beginn an sehr fremd an. Ob das nun Absicht ist  sei mal dahingestellt, ich bin jedenfalls ziemlich irritiert, merke aber schnell, dass zumindest inhaltlich alles stimmt.

Die Jungs von High Moon Studios, ihres Zeichens auch für den Vorgänger und das bald erscheinende Deadpool-Game verantwortlich, wissen was sie tun. Sehr stark an den G1-Transformers orientiert sind die Entwickler voll und ganz in ihrem Element, das merkt man vor allem an den etwas seifenopernartigen Dialogen und der Tiefe der Charaktere. Weder storytechnisch noch optisch findet man hier Einschläge von Michael Bays Dummfickstreifen, weder Shia LaDouche LaBeouf noch Megan Fox dilettieren durchs Bild und von albernen Slapstickeinlagen bleiben wir auch völlig verschont. Dafür gibt es aber – und das haut mich wirklich vom Hocker – Urgesteine der Transformersgeschichte auf die Backen: Peter Cullen (Optimus Prime) und Nolan North (spricht z.B. Brawl und ist DIE Stimme von Deadpool) sind mit von der Party und leihen den Charakteren ihre Stimmen. Was mich hier etwas enttäuscht ist, dass der Sound suboptimal abgemischt zu sein scheint – ich kriege hier ausnahmsweise keine Gänsehaut, wenn Cullen spricht… Alles klingt flach und gleichzeitig übersteuert, wohingegen der Soundtrack glasklar durch die Boxen rieselt. Letzterer ist übrigens einer der Hauptgründe für den spielinternen Spannungsbogen.

Autobots – Roll out!

Und so startet man als unfreiwillig wortkarger Bumblebee und lernt zunächst die unkomplizierte Steuerung und erfährt, was denn überhaupt los ist. Die bösen Decepticons und die Autobots sind immer noch im Krieg. Ihr Heimatplanet (Cybertron) ist immer noch quasi unbewohnbar, weswegen der Spieler nun auf der einen Seite die Angriffe der Bösewichte vereiteln und es auf der anderen Seite schaffen, den sterbenden Planeten zu verlassen. Das Spiel wird in der Third-Person-Perspektive gespielt, sprich: wir schauen quasi mit etwas Abstand über die Schulter des Kampfroboters, hüpfen, springen und schießen ebenso. Auch hier wirkt alles sehr… unnatürlich. Zwar blinken und blitzen die Effekte über den Bildschirm, dass es die reinste Freude ist, man möchte dem Titel aber irgendwie nicht abkaufen, dass die Geschehnisse tatsächlich stattfinden.

Fall of Cybertron (so der englische Titel) fühlt sich an… wie ein Spiel, was eigentlich das unvermeidliche Hauptziel eines jeden Games sein sollte. Alles hakt etwas, die Bewegungen der Charaktere sind nicht wirklich organisch und der Abwechslungsreichtum der Spielwelten untereinander ist durch die immense Länge der einzelnen Level auf den ersten Blick nicht erkennbar, obwohl dieser durchaus vorhanden ist. In jedem Spielabschnitt dürfen wir in die Rolle eines anderen Charakters schlüpfen, angefangen bei Bumblebee, über Optimus Prime bis hin zu Megatron ist so ziemlich alles dabei, was Spaß macht. Und natürlich können sich die Jungs auch entsprechend verwandeln – Flugzeuge, Hubschrauber, Dinosaurier. Der feuchte Traum eines jeden Transformers-Fans.

Metall auf Metall auf Metall

Und wer der künstlichen Intelligenz ausreichend eingeheizt und die Kampagne inklusive aller Collectibles abgeschlossen hat, der kann sich am Multiplayer-Modus versuchen. Sicherlich darf man, wie eingangs erwähnt, heutzutage keinen zu großen Umfang mehr von selbigem erwarten. Letztendlich kann man das Mehrspielererlebnis hier auf „Sich gegenseitig in Einzelteile schießen“ herunterbrechen. Spaß macht’s trotzdem, nicht alleine durch die mannigfaltigen Anpassungsmöglichkeiten des eigenen Charakters. Wer wollte sich nicht schon immer seinen eigenen Transformer zusammenschustern und damit seinen Freunden das Metallfressbrett polieren? Ich jedenfalls schon. Sinnlos und simpel aber sensationell spaßig (man beachte den künstlerischen Einsatz einer Alliteration).

Wer sich gerne mit seinen Freunden (sofern vorhanden) zusammentut und nicht so gerne den kompetitiven Gedanken im Hintergrund mitschwingen hat, der kann den Escalation Mode spielen. Hier gilt es, 15 Gegnerwellen, ganz wie in einem Survival-Modus, zu überstehen, sich aufzurüsten und am Ende Herrscher über die Sülznasen zu sein. Oder so ähnlich. Macht aber auf jeden Fall tierisch Spaß, weil es hier nicht darum geht, der „Beste“ zu sein, sondern darum, mit seinen Mitstreitern die immer stärker werdenden Creeps zu überleben und sich gegenseitig unter die Arme zu greifen; Alleingänger haben hier keine Chance.

Fazit

Transformers: Untergang von Cybertron macht schon ziemlich Spaß, besonders als mittelgroßer Fan des Franchise hatte ich einigermaßen viel Spaß. Hardcoreanhänger werden wahrscheinlich regelmäßig die Unterwäsche wechseln müssen; Menschen allerdings, die nichts mit den Riesenrobotern anfangen können, sollten zunächst die Demo laden und sich ein Bild von dem Spektakel machen. Die Steuerung ist unkompliziert und greift direkt, die linearen Levels verlangen dem Spieler allerdings nie zu viel ab. Die Story ist gut erzählt, die Sprecher perfekt gecastet. Lediglich der Mix macht dem Rundum-Glücklich-Feeling einen Strich durch die Rechnung. Alles in Allem ein tolles Spiel, das trotz seines linearen Level- und Storydesigns ein solides Spielerlebnis liefern kann – wenn man sich darauf einlässt.

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Transformers: Untergang von Cybertron was last modified: September 9th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.