Den 13.11.2015 sollte sich jeder ernst zu nehmende Thrasher rot anstreichen, denn dann lassen Traitor ihre zweite Abrissbirne kreisen! Nach Thrash Command schicken die Schwaben den Venomizer ins Rennen. Ich kann Euch sagen: Das Warten lohnt sich!

traitor_venomizer_coverDie Stärken des Debüts wurden weiter ausgebaut, besonders in Sachen Songwriting haben Traitor nochmal ordentlich was draufgelegt. Das zeigt sich z.B. schon im ersten Track Reactor IV, der nach einem kurzen Intro los brettert und viele kleine Details im Arrangement offenbart. In den eng abgesteckten Genregrenzen erspielt sich die Band immer wieder jede Menge Freiraum und schüttelt ein ums andere Mal Riffs aus dem Ärmel, die sich durchaus in der ersten Liga behaupten können. Natürlich dringt hier und da immer wieder die altenessener Schule durch, aber seien wir mal ehrlich: Was gibt es denn Schöneres, als die abgedämpfte 8tel/16tel-Kombination? Gerd Hery und Matthias Koch spielen sich hierbei um Kopf und Kragen, lassen aber bei den Solo-Eskapaden nie die Songdienlichkeit ausser Acht. Egal ob entspanntes Bangen in der zweiten Reihe oder fröhliches Moschen im Pit: Jeder kommt auf seine Kosten!

Bei aller Brutalität kommt bei Traitor aber auch der Wiedererkennungswert nicht zu kurz, Refrains wie Lords Of Lust und War, Death and Terror brennen sich direkt ins Hirn und schreien nach Dauerrotation. Dazu trägt im Übrigen auch Drummer Andreas Mozer bei, der unüblicherweise auch den Gesang übernimmt. Mit Teutonic Storm gibt’s übrigens noch einen genialen Tribute-Song an die deutsche Szene. Hier darf man Strichliste führen, welche der genannten Alben sich im eigenen Plattenregal befinden!

Produktionstechnisch kann man heutzutage noch so viel Wert auf die Wall of Sound legen, aber die wahre Stärke offenbart sich erst, wenn dir ein Album in allen Lebenslagen die Birne zerschmettert. Hier hat Vagelis Maranis alles richtig gemacht: Venomizer knallt, egal ob im Auto, übers Handy oder ganz klassisch zum Feierabendbierchen durch die Boxen der heimischen Anlage! Alle Instrumente sind ausgewogen abgemischt, das And Justice…-Syndrom stellt sich zum Glück nicht ein, was angesichts der Basslinien von Lorenz Kandolf auch ein Frevel gewesen wäre.

Das Cover wurde von niemand geringerem als Andrei Bouzikov gestaltet, dessen Artworks auch schon Werke von Skeletonwitch, Toxic Holocaust und Cannabis Corpse zieren. Der satanische Robespierre sowie ein durchgeknallter Severed Survival-Chirurg fangen die Stimmung des Albums perfekt ein.

Die CD kommt im schmucken weißen Tray daher, allerdings kann das Vinyl mit einen weiteren Bonustrack aufwarten.

Anspieltips: Lords of Lust mit dem coolem Slayer-Intro und Chemical Violator, das mit einem ausgefeilten Mittelteil aufwarten kann.

Fazit: KAUFEN!!! Z.b. im Nuclear Blast-Shop oder bei iTunes.

Bildrechte: Andrej Stern (Band), Andrei Bouzikov (Cover)

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Traitor – Venomizer was last modified: Oktober 19th, 2015 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.