Die Altherren-Supergroup versucht sich an rockigem Seattle-Sound. Experiment gelungen?

Während alle Welt sich im Retrowahn (oder heißt es jetzt Vintage?) ergeht und besonders die Musikfanatiker unter uns wieder öfter zu Schlaghose, Schallplatte und Orange-Amp greifen, schickt sich ausgerechnet mal eine dieser sogenannten Supergroups an, eben jenem Sound einen modernen Anstrich zu verpassen. Die Hunde bestehen aus: Bassmonster Billy Sheehan (Mr. Big), Ritchie Kotzen an der Gitarre und Vocals (jaja, superlustig der Name… viel lächerlicher ist dagegen die alte Band des guten Herren: Poison!) und Oktopus Mike Portnoy von Dream Theater an der Schießbude.

Led Zep’sche Leichenfledderei ist nicht nur bei Bands wie Graveyard an der Tagesordnung, ebenjene Essenz wussten auch schon die „Supergroups“ Black Country Communion oder Chickenfoot zu destillieren. Von den genannten Bands heben sich die Winery Dogs jedoch durch eine etwas andere Stilmischung ab. Kurz und knapp kann man das Trio so bezeichnen: Erdiger Hardrock trifft auf Seattle à la späte Soundgarden, wenn auch etwas weniger experimentierfreudig.

Bei I’m No Angel klingt soundmäßig wie auch gesanglich gar ein verträumter Mascis an, Freunde des inzwischen salonfähig gewordenen Genres „Alternative“ sollten hier ruhig mal ein Ohr riskieren. Herzerweichend geht’s bei You Saved Me zu, laut Komponist Portnoy hat das ganze Geschwurbel autobiographische Züge. Unterm Strich jedenfalls die poppigste Nummer.

TheWineryDogs_Image1Dass es spielerisch nix zu meckern gibt, dürfte angesichts des Line-Ups klar sein. Die meiner Ansicht nach beste Performance liefert hierbei Billy Sheehan ab, der den Songs mit seinem Bassgroove nochmal eine Portion extra Drive verpasst. Klanglich hat die Scheibe einen zeitgemäßen Anstrich, für meine Begriffe allerdings ein klein wenig zu glattgebügelt.

Leider muss ich zum Schluss erneut einen Soundgarden-Vergleich heran ziehen, diesmal aber eher negativer Natur: Dem Spielzeitwahn von Superunknown nicht unähnlich, verliert sich das Album zum Schluss in mehreren langweiligen Tracks, ein Einschnitt nach dem Knaller Time Machine hätte dem Album noch etwas mehr Punch verliehen.

Fazit: In meinen Augen und Gehörgängen ein sympathischer Erstling, aber bei weitem kein Überflieger. Bei dem Line-Up hätte ich dann doch das eine oder andere Quäntchen mehr erwartet. Bleibt zu hoffen, dass die Herren nicht nur große Töne spucken, sondern tatsächlich eine „echte“ Band bleiben.

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The Winery Dogs – The Winery Dogs was last modified: September 10th, 2013 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.