Spätestens jetzt kauft sich jeder Xbox-Besitzer neue Batterien für den Controller, denn per sofort schwingt sich Spidey wieder von Haus zu Haus.

Ich bin ja selbst großer Fan der Spider-Man-Games. Als Anhänger des Spinnenmannes freut man sich über jedes Medium, in dem der Superheld seine Netze verschießt. In jüngster Vergangenheit mag die ein oder andere Gurke unter besagten Computerspielen gewesen sein, weswegen ich sehr vorsichtig das neue The Amazing Spider-Man, also das Spiel zum Film in die arrcade-Xbox einlegte.

Das Spiel zum Film? Pfui Spinne!

Womit wir wieder beim Thema „Spiel zum Film“ wären – ein durchaus leidiges Thema, das seit einiger Zeit allerdings einen Silberstreif am Spielehorizont darstellt. Während im frühen zweiten Millennium noch die Politik verfolgt wurde, Spiele zum Film müssen die Originalstory aus dem Kino in spielbare Welten transferieren hat die Filmindustrie mittlerweile eingesehen, dass das Quatsch ist. Zwar bekommen wir die Ausrede serviert, ein an die Originalstory angelehntes Spiel würde den Kinoeinnahmen nicht schaden, aber auch das ist meines Erachtens Unsinn. Die Spiele waren einfach kacke. Punkt. Mittlerweile gibt es zum Teil echt gute Games, die einfach eine Filmlizenz im Nacken haben.

Halt so wie The Amazing Spider-Man. Eine an den Film angelegte, rudimentär von den Charakteren des Blockbusters inspirierte, als Fortsetzung getarnte Story mit eigenständigem Handlungsstrang. In Manhattan greift ein Virus greift um sich; Menschen verwandeln sich in Tiermutanten. Schuld daran ist – wie immer – Oscorp. Spidey rettet Dr. Connors, den Bösewicht-Eidechsenmann aus dem Film, aus der Psychiatrie und versucht ein Gegenmittel herzustellen um damit die Stadt und seine Freundin Gwen, die ihrem Leinwandpendant so gut wie gar nicht ähnlich sieht, zu retten.

Per Netz durch Manhattan

Dabei greift das typische Spider-Man-Prinzip: Eine offene Welt (Manhattan) mit darin enthaltenen Innenleveln und allerlei Secrets, die es zu entdecken gibt. Das kennt der ein oder andere vielleicht auch von den Batman-Games. Es macht wirklich richtig Spaß, sich an Netzseilen durch die Großstadt zu schwingen und dabei Comicseiten aufzusammeln und (viel zu einfache) Nebenmissionen mit regem Fausteinsatz zu klären; Das könnte ich stundenlang machen, besonders bei der gegebenen Dynamik. Netzschwingen und dann per Netzsprint blitzschnell die Richtung wechseln klappt hervorragend, macht Sinn und sieht absolut großartig aus. Lediglich die generische Bevölkerung und die ewig gleichen Automobil-Modelle muten etwas merkwürdig an; Der Sparkurs ist aber völlig nachvollziehbar. Schließlich spielen wir hier nicht GTA.

Das Kampfsystem

Pfui, Aus! Böses Rhino!

Wenn man der Story in die einzelnen Innenlevel folgt, bekommt man ein großartiges Kampfsystem serviert, auch wenn sich hier großzügist beim eben genannten Konkurrenzprodukt bedient wurde. Aber alles ist in sich stimmig; Angreifen, ausweichen, Rückzug – alles passt in das Spider-Man-Konzept und ist schnell erlernt. Tarnattacken von der Decke, Überraschungsangriffe von hinten – Das Repertoire ist schier grenzenlos, wird ständig durch Upgrades erweitert und bringt eine Vielzahl von verschiedenen Animationen mit sich. Spidey kann auch auf dem höchsten Schwierigkeitslevel relativ viele Schüsse, Schläge und Fußtritte einstecken, was den Schwierigkeitsgrad des Spiels in Kombination mit dem linearen Leveldesign ziemlich herabsetzt.

Die Bosskämpfe im Außenbereich sind absolut super – Riesenroboter im Park, Verfolgungsjagden – klasse! Zwar muss man hier relativ wenig selber machen – ein wenig rumschwingen und zwei, drei Quicktime-Events bestehen – aber die Inszenierung ist spitzenklasse. Die Innenraumkämpfe sind eher nervig als anspruchsvoll – ein ständiges Ausweichen und Draufschlagen bis der böse Mutant auf der Erde liegt. Hier hätte man sich etwas mehr Mühe geben können.

Fazit

The Amazing Spider-Man ist das Spiel, das seine Vorgänger hätten werden können. Endlich ist die Spinne aus dem Schatten seiner Lizenz herausgekrabbelt und bietet ein angemessenes Spielerlebnis. Ein durchaus gelungenes Spiel, das allerdings selbst auf höchstem Schwierigkeitsgrad keine große Herausforderung bietet und technisch immer noch ein wenig hinter dem offensichtlichen Batman-Vorbild hinterherläuft. Für Spidey-Fans ein absolutes Muss, für alle anderen ein willkommener Lückenfüller bis Batman Arkham Wasweißich erscheint.

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The Amazing Spider-Man was last modified: Juli 4th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.