Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft kriegt einen Kaltstart verpasst. Neue Story, neue Akteuere… Hirn aus, Popcorn rein!

Moment, moment. Schon wieder ein Spider-Man-Film? Trauen die sich wirklich noch, nach den beiden desaströsen letzten Teilen der Reihe, einen weiteren Streifen rauszubringen? Ja. Und Nein. Tobey Maguire und Sam Raimi wurden auf die stille Treppe verbannt, die gegen die Wand gefahrene Story der Originalcomics konnte auf keinen Fall noch gerettet werden und Emo-Spider-Man wurde endgültig begraben. Doch was macht man, wenn man 215 Millionen Dollar, die Spider-Man-Rechte und genug Eier in der Hose hat? Richtig: Einen Reboot.

Story

„Reboot“ bedeutet hier, die Grundzüge der Vorlage beizubehalten, das Ganze aber mit neuen Ideen, Elementen und Schauspielern zu bestücken und noch mal von ganz vorne anzufangen. Andrew Garfield, der aussieht wie Robert Pattinson mit Down-Syndrom, spielt Peter Parker. Peter wurde als kleiner Junge von seinen Eltern verlassen und lebt seitdem bei Onkel und Tante. Soweit alles gut, doch als der junge Mann im Keller die Forschungsunterlagen seines Vaters findet, gerät sein Leben langsam aus den Fugen.

So kommt eins zum anderen: Er wird von einer genetisch veränderten Spinne gebissen, bekommt Superkräfte und fängt an, an Häuserwänden entlang zu klettern. Dazwischen macht er noch Gwen (Emma Stone, diesmal in blond, trotzdem klasse) klar, hilft einem Wissenschaftler, sich in eine Supermutanteneidechse zu verwandeln und trägt maßgeblich zum Tod seines Onkels bei.

Die Echse“ (englisch: „The Lizard„) versucht nun, den Rest der Menschen ebenfalls in böse Eidechsenmutanten zu verwandeln. Die Motivation hierzu ist dem Zuschauer völlig schleierhaft, fast scheint es, als würde eine Verwandlung dazu ausreichen, das Schurkentum in einem Menschen zu erwecken. Zwar wird irgendwann der klägliche Versuch einer Erklärung unternommen, ein wenig mehr Tiefgang als der hingerotzte 10-Sekunden-Monolog wäre dann aber doch nötig gewesen. Ob man an die 136 Minuten noch 30 Sekündchen dranhängt oder nicht – dem Verständnis hätte es zumindest nicht geschadet.

3D und Effekte

Abseits der Comicvorlage kriegen wir aber ansonsten eine solide Story mit ausgereifter Charakterentwicklung – höchstens vielleicht ein wenig zu „teenie“ – geboten. Peter Parker, der sich vom schüchteren Schuljungen zum heroischen Retter in der Not verwandelt macht in der Neufassung wesentlich mehr her als im ersten Teil von 2002. Auch mimt Garfield den Recken äußerst formidabel, selbst wenn man ihm manchmal gerne die 3D-Brille links und rechts um die Ohren schlagen möchte wenn er grenzdebil an der Kamera vorbeigrinst. Die Brille kann man übrigens getrost zuhause lassen, denn die Effekte in The Amazing Spider-Man sind ganz und gar nicht „amazing“. Hier und da mag zwar ein Lichtlein am Horizont aufleuchten, doch besonders wenn ein vollständig computeranimierter Spinnenmann durch Bild fliegt, fragt man sich, was das Ganze soll. Spätestens in 3 Jahren lachen wir herzhaft über diese Figur, die aussieht wie vollständig aus Gummi geknetet. Zumindest wurde die unsägliche First-Person-Szene aus dem Trailer auf kompakte 4 Sekunden gekürzt.

Regisseur Mark Webb (Der Name kann kein Zufall sein) macht hier einen großartigen Job. Hat er bisher (fast) „nur“ Musikvideos im Portfolio, zieht er das Hollywood-Ding hier voll durch und darf ein mordsmäßiges Budget für einen Sommer-Blockbuster verbraten. Definitiv der richtige Mann für den Job der genau den richtigen Cast vorgesetzt bekam und das Drehbuch souverän auf Zelluloid bannen konnte. Lediglich der mit theatralischer Musik untermalte Patriotismus vor der amerikanischen Flagge, der kaum noch aus US-Streifen wegzudenken ist, wirkte etwas deplatziert und überflüssig.

Fazit

Auch als großer Fan der Comics wird mal über zwei Stunden lang köstlich unterhalten; Spannung und Action stimmen, zum Teil ist es nur ein bisschen zu albern. Dafür bekommt man aber Spideys freches Mundwerk, das man in den ‚Vorgängern‘ etwas vermisst hat. Der neue Spider-Man ist vielleicht nicht „amazing“ aber ganz klar einer der sehenswerteren Filme in diesem Kinosommer. Übrigens: Wer im Kino zuerst „STAN LEE!“ schreit, sobald dieser auftaucht, hat gewonnen.

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The Amazing Spider-Man was last modified: Juli 4th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.