Ein neues Rennspiel von den Machern von „NFS: Shift“ – Mehr als nur die dicke Ferrari-Lizenz?

Slightly Mad Studios – die Macher von NFS: Shift – dem Versuch, ein wenig mehr Simulation in die Need for Speed-Serie zu bringen – haben sich breitschlagen lassen, ein Rennspiel mit Ferrari– und Test Drive-Lizenz zu kloppen. Die Prognose vor dem ersten Spielen fällt entsprechend mittelmäßig aus.

Dabei haben sich die Engländer richtig Mühe gegeben – ungefähr 50 italienische Flitzer und knapp 40 Strecken stellen einen großzügigen Pool an Möglichkeiten dar, den man im Karriere- und Onlinemodus leider nur bedingt ausschöpfen kann. Die Karriere beschränkt sich auf einzeln anwählbare Rennen, die mit festgelegten Autos bewältigt werden wollen. Dabei sind die Ziele pro Rennen immer klar: „Werde Erster“ oder „Komme unter einer gewissen Zeit ins Ziel“. Das mag jetzt einfach klingen, aber die verkorkste Steuerung erschwert dem Spieler vehement den Weg zum Podium. So schön die alten Ferraris in den ersten Rennen auch sind – spätestens in der ersten Kurve des Spiels verflucht man jedes italienische Gefährt. Man hat fast das Gefühl, auf Eis zu fahren – so sehr driften die Autos gen Kiesbett.

Drängeln, Rutschen, Kiesbett

Da ändert sich auch im späteren Verlauf des Spiels, wenn man hinter das Lenkrad der modernen Sportwagen springen darf, nicht. Die Zeitvorgaben sind so straff, dass ein First-Try so gut wie unmöglich ist; die KI-Fahrer fahren zu perfekt – wer sich da nicht voll reinhängt, die Strecke auswendig lernt und auf die Vorgaben der Ideallinie einen großen Haufen setzt, wird hier wohl niemals Land sehen. Selbst dann drängelt die KI mit einer Gelassenheit ihr eigenes Gefährt gegen das des Spielers, die fast schon an Sabotage seitens des Spiels grenzt. Letztendlich landet man bei Kontakt mit fremden Fahrzeugen so gut wie immer im Gras. Dabei wurde ein Schadensmodell völlig außen vor gelassen. Sicher – einen Ferrari sollte man nicht verschrotten, aber so ganz ohne ist auch blöd.

Grafisch ist der Titel eigentlich ganz okay. Hübsch modellierte Boliden treffen auf etwas zu karge Strecken, die aber ihrer jeweiligen Zeit angepasst wurden. So viel Liebe zum Detail wollten sich die Macher dann wohl doch nicht nehmen lassen. Die Menüführung scheint ein wenig zu sehr vom Platzhirsch Forza inspiriert zu sein, ergibt aber in sich Sinn. Lediglich das Pausenmenü kratzt an der Nutzbarkeitsgrenze. Der Sound der Fahrzeuge ist satt und bringt eine hohe Varianz innerhalb der Fahrzeugrange und Drehzahlen mit sich. Hier gibt’s nichts zu bemängeln.

Geisterstadt „Online-Modus“. Einwohnerzahl: 3

Der Onlinemodus ist okay; Zwar nervt hier die gleiche Fahrphysik wie aus dem Karrieremodus, aber sonst kann man klassisch auf einzelnen Strecken gegen menschliche Gegner antreten, die fairerweise genau die gleichen Steuerungsprobleme haben, wie man selbst. Wenn sich denn mal ein Mitspieler findet – denn die Lobbys hier singen ein einsames Lied. Neue Fahrzeuge kann man hier allerdings nur durch Bewältigen der Karrieremodi freischalten; wenigstens gilt somit ein anderes als das Standardfahrzeug als eine Art Statussymbol innerhalb der Community.

Fazit

Ferraricracks und Rennsportnostalgiker werden hier nichts falsch machen können – für Casual-Gamer gibt es allerdings (gerade beim momentanen Preis um die 50 Euro) zu viele Alternativen auf dem Markt, die einiges mehr zu bieten haben außer einer dicken Lizenz im Rücken. Besonders im Vergleich zum damaligen NFS: Porsche ist der limitierte Fuhrpark in Verbindung zu den Mängeln an der Fahrphysik und dem fehlenden Schadensmodell kann Test Drive: Ferrari Racing Legends kaum überzeugen.

Test Drive: Ferrari Racing Legends was last modified: Juli 19th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.