Bereits auf der gamescom 2014 durfte ich einen kurzen Blick auf The Talos Principle erhaschen. Zu diesem Zeitpunkt aber konnte mich das Spiel noch nicht so wirklich begeistern. Jemand rennt herum, stellt Dinge von eine Ecke in die andere, damit sich Türen öffnen. Mein Desinteresse mag daran gelegen haben, dass ich bombardiert wurde mit Action. An allen Ecken und Kanten explodiert es, es wird geschossen, Autoverfolgungsjagden, Terroristen, Roboter… Da wird die Aufmerksamkeit in andere Richtungen gelenkt. Dabei ist The Talos Principle eines der besten Spiele, das ich dieses Jahr auf der PlayStation 4 spielen durfte, da es nicht nur von seinen Rätseln, sondern auch von der auf der gamescom etwas in den Hintergrund gedrängten Atmosphäre lebt.

Das Prinzip des Puzzlers ist simpel. Man läuft – wahlweise in First-Person- oder Third-Person-Ansicht – durch eine wunderhübsch gestaltete Welt und sammelt Puzzleteile, die aussehen, wie direkt aus Tetris geklaut. Diese sind wichtig, um bestimmte Gegenstände oder weitere Welten freizuschalten. Das Weiterkommen im Spiel ist also direkt an den Erfolg im Spiel gekoppelt. Die Aufgaben sind anfangs sehr, sehr einfach, erfordern allerdings mit ansteigender Spielzeit mehr und mehr Hirnschmalz, um gelöst werden zu können. Die Anzahl der miteinander zu kombinierenden Elemente und die Anzahl der innerhalb der jeweiligen Puzzles zu erreichenden Objektive nimmt immer weiter zu. Irgendwann müssen sogar die Puzzles untereinander verbunden werden, um versteckte Items zu finden, die weitere, noch viel schwierigere Levels freischalten. Witzigerweise kommt das Teil von Croteam (Unter der distributorischen Expertise von Devolver Digital), die vor allem für die Serious Sam-Reihe bekannt sind. Eine völlig andere Richtung also.

Das Ganze ist nicht nur hübsch verpackt, sondern auch noch unglaublich spannend. Denn die Hintergrundgeschichte mutet äußerst mysteriös an. Der Spieler steuert einen Roboter durch die offensichtlich digital projizierte Landschaft (von griechischen Gefilden bis hin zu ägyptischen Tempeln – hier erkennt man auch die Verbindung zu den Croteam’schen Serious Sam-Spielen), der sich allerdings für einen Menschen hält und regelmäßig mit einem Interface interagiert, um herauszufinden, wieso er hier ist. Das mag alles sehr metaphysisch klingen und schreckt vielleicht auch den ein oder anderen ab, verpasst dem sonst etwas haltlosen Gerenne etwas Substanz und eine ordentliche Portion Spannung.

Kurzum: Kauft euch das Game. Jeder, der beispielsweise Portal mochte, wird The Talos Principle lieben. Knifflige, innovative Rätsel, die mit einer Background-Story verstrickt sind, dabei wundertoll aussehen und auch auf lange Sicht motivieren. Denn der Nischentitel bringt viele, viele Stunden an Puzzles mit sich. Das Ding hat man nicht schnell an einem Tag durchgezockt, erst recht nicht, beim immer weiter zunehmenden Schwierigkeitsgrad. Wer ohne Komplettlösung wirklich alles findet, der hat 1) echt viel Zeit und 2) ein verdammt leistungsfähiges Gehirn.

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The Talos Principle was last modified: Oktober 17th, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.