Puh, endlich komme ich mal wieder dazu, etwas zu schreiben. Der Pre-Umzugsstress ist letztendlich doch massiver geworden, als ich dachte, dabei geht es noch längst nicht los. Heute erzähle ich euch etwas über ein Videospiel, was wir lange nicht mehr hatten. Die letzten – gefühlt 135 – Beiträge handelten ausschließlich von Comics, so dass auch Zocker sich endlich wieder freue können. Und es geht nicht um irgendein Spiel, es geht um ein Spiel, das ich schon sehr, sehr lange auf dem Schirm habe: SUPERHOT.

Der Titel des Games klingt nach einem Sauna-Simulator, oder vielleicht einer Fortsetzung der allseits bekannten Luna-Reihe, allerdings liegt man mit solchen Vermutungen mehr als daneben. SUPERHOT ist vielmehr einer der innovativsten Shooter, die ich jemals gespielt habe. Denn das Spiel konzentriert sich nicht nur darauf, den Spieler böse Buben über den Haufen ballern zu lassen. Vielmehr ist das Meta-Spiel im Spiel der Faktor, der ausschlaggebend für meine Begeisterung ist.

METAHOT

Alles fängt ganz harmlos an. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Gamers, der SUPERHOT spielt. Ziel des Spiels ist es, Wellen von roten Polygonmenschen in Scherben zu schießen oder zu schlagen. Der Clou hierbei: Die Zeit steht (beinahe) still, solange der Spieler sich nicht bewegt. So ist es möglich, gezielt Aktionen durchzuführen, Kugeln auszuweichen und das Levelende zu erreichen. Dass dies bei Weiten nicht so einfach ist, wie das jetzt klingt, sollte jedem klar sein. Eine fast unberechenbare künstliche Intelligenz strömt hierbei in die einfarbig-weißen Level und ballert aus allen Rohren und Richtungen. Da geht häufig die Übersicht verloren, was den digitalen Bildschirmtod, der bereits nach einem Treffer eintritt, zur Folge hat. Schergen mit Shotguns und Schwertern oder boxende Bösewichte – Der Tod hat in SUPERHOT viele Gesichter.

Doch was als Spiel startet, wird bald Ernst. Denn die Metaebene, auf die sich SUPERHOT selber hievt, ist unglaublich cool. Es entwickelt sich eine dystopische Storyline, die eine Verflechtung von virtueller und realer Realität zur Folge hat und den Spielercharakter immer tiefer in eine Verschwörung zieht. Großartig gemacht, wird man doch zu Anfang im Glauben gelassen, SUPERHOT sei nichts weiter als ein kurzweiliger Zeitvertreib.

Besonders cool ist die Zusammenfassung am Ende eines jeden Levels. Was während des Spiels einer Art Stop-Motion-Film gleicht, wird hier als flüssige Bewegung dargestellt. Dies gleich mitunter fast einem John-Woo-Actionfilm, wenn der Spieler per Schlag in die Magengrube den Gegenüber seiner Waffe entledigt und diese dann gegen ihn verwendet. Die Macher haben hier gut mitgedacht, denn wer besonders cool und/oder schnell durch den Level kam, kann seine Wiederholung direkt auf sozialen Netzwerken teilen (getestet wurde dies auf der PlayStation 4, funktionierte alles reibungslos).

Mit den Augen eines Aspergers

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Shooter sind für mich als Aspie immer so eine Sache. Meistens geht hier alles hektisch zu, alles explodiert und das Farbspektrum sprengt jede Skala. Auch wenn SUPERHOT auf den ersten Blick aussieht, als ginge es hier gesitteter zu, aber das täuscht. Denn die Zeit steht nicht wirklich still. Kugeln bewegen sich zum Teil schnell auf mich zu, als dass ich reagieren könnte, Gegner kommen aus allen Richtungen angelaufen, mit nur einem Ziel: Mich tot zu sehen.

Das stresst mich auch ganz gewaltig und lässt meine SUPERHOT-Sessions auf wenige Levels am Stück schrumpfen. Das heißt natürlich nicht, dass das Spiel schlecht ist, im Gegenteil, es ist nur so, dass der eine Treffer, den man als Spieler einstecken darf, durch meine Überforderung schon sehr oft zum Zwangsneustart der Level führt.

SUPERHOT VR

Für VR-Enthusiasten, die neben einer PlayStation 4 auch eine PlayStation VR ihr Eigen nennen, steht SUPERHOT auch in einer Version für Sonys VR-Brille zur Verfügung. Was ich hier unfassbar dreist finde ist, dass die 2D-Fassung keinen VR-Support besitzt und die VR-Version keinen 2D-Support. Man muss sich also entweder für eine der beiden Fassungen entscheiden oder einfach beide kaufen. Dies knabbert bei einem Einzelpreis von knapp 25 Euro schon kräftig am Budget und lässt mich mit massivem Unverständnis gen SUPERHOT Team (so heißt das Entwicklerstudio) blicken.

Allerdings nur so lange, bis ich meine PSVR auf den Kopf gesetzt habe und anfange zu spielen. Die VR-Variante von SUPERHOT spielt sich so unglaublich anders, man bekommt hier quasi ein Spiel, das sie derart von der 2D-Version unterscheidet, dass man kaum hinterherkommt, die Features aufzuzählen. Das Prinzip „Wenn du dich bewegst, bewegst sich auch der Gegner“ gilt zwar immer noch, allerdings erlaubt die Steuerung mit zwei Motion-Controllern an der PS4 nicht wirklich eine räumliche Translokation. Daher gelten hier auch sämtliche Bewegungen der Hände als „Play“-Button für das Spiel. Dabei führt beispielsweise wildes Herumfuchteln dafür, dass Gegner näherkommen und Aktionen ausführen.

Das Zielen ohne Fadenkreuz gestaltet sich bei allen Schusswaffen als äußerst viel schwieriger als in der 2D-Version. Es braucht ein Weilchen, bis man den Dreh raus hat. Auch das (exklusive) Werfen von Wurfsternen und anderen Objekten führt nicht immer zum erhofften Erfolg. Dafür sterben die Gegner hier auch beim ersten Treffer durch Shurikens, Aschenbecher oder Handys. Zweihändige Knarren bringen das oben erwähnte John-Woo-Feeling zurück und geben mir ein Gefühl der absoluten Souveränität, auch wenn ich ständig sterbe. Aber dafür kann man, wenn alle Stricke reichen, in der virtuellen Realität wenigstens noch die virtuellen Fäuste schwingen. Dies macht um einiges mehr Spaß als in der „normalen“ Version, da die Immersion enorm ist. Die geringe Auflösung der PlayStation VR merkt man dem Low-Poly-Titel nicht an. Im Gegenteil, alles sieht knackescharf aus und läuft (getestet auf einer PS4 Pro) super flüssig. Tolles Ding!

Mit den Augen eines Aspergers

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Während die 2D-Fassung von SUPERHOT bereits enormst stressig für mich ist, führt die VR-Version zum absoluten Overkill. Die Immersion ist derart griffig, ich habe mich mehr als ein Mal erschreckt, plötzlich einen rot leuchtenden Gegner vor mir zu sehen. Die Verletzung meiner etwas ausgedehnteren Tabu-Zone um meinen Körper herum wird hier regelmäßig verletzt, besonders in Nahkämpfen. Die Bösewichte scheinen näher zu sein, als sie tatsächlich sind, ein Effekt, den ich bei der PSVR des öfteren erlebe. Diese „In your Face“-Momente sind auf meiner „Dinge, die ich nicht mag“-Liste ganz weit oben und ein Grund für mich, SUPERHOT VR nur in kleinen Häppchen zu genießen, obwohl es eigentlich sehr viel Spaß macht. Auf Dauer belastet mich das Spielen sehr.

FAZITHOT

Grundsätzlich empfehle ich jedem, auch PSVR-Besitzern, zunächst einmal zur „normalen“ 2D-Fassung zu greifen. Das Spielprinzip ist ausgereifter und das Gameplay pointierter. Es „funktioniert“ einfach besser. Wer nach mehrmaligem Durchspielen und Erfüllung aller Challenges immer noch Lust hat, Polygonmännchen im Cyberspace zu erlegen, kann die SUPERHOT VR-Fassung nachkaufen und das Spielerlebnis zumindest in puncto Immersion auf ein neues Level heben. Dann hakt es zwar beim Handling etwas und man haut vielleicht im Eifer des Gefechts gegen sein Regal (so wie ich), aber es macht einen Mordsspaß!

Gönnt euch!

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SUPERHOT / SUPERHOT VR was last modified: Juli 18th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.