Zack Snyder hat’s ja mal so richtig drauf: Watchmen, 300, Dawn of the Dead. Was der anfasst wird garantiert zu cineastischem Gold. Kann „Sucker Punch“ da mithalten?

Zack Snyder – Wer kennt ihn nicht? Oder besser: Wer kennt seine Filme nicht? Cineastische Meisterwerke die die Reihe durch dem Mainstream erfrischend contraire kommen. Er kennt alle Regeln der alten Filmschule und feiert mit jedem Release ein neues Fest der Effekthascherei. „Sucker Punch“ will sich nahtlos in die Riege seiner Machenschaften einfügen – Mal sehen, ob es dem uns gut genug ist…

Kurz zur Story:
Moment.. Story…Story? Gab’s da eine? Ach ja. Ein junges Mädchen (Emily Browning) kommt auf Wunsch ihres bösen Stiefvaters in eine Nervenheilanstalt (für Mädchen). Dort ist es natürlich alles andere als „Yeah!“, weshalb sie sich Tagträume alternativer Realitäten rettet. Dabei schmiedet sie einen Plan, wie sie dem Wahnsinn entkommen kann. Dafür werden natürlich einige Utensilien benötigt, die sie zusammen mit ihren Ausbruchskameradinnen zusammenklauben muss.

Von Anfang an ist man verwirrt: Ist das jetzt eine Klinik oder so eine Art Puff? Egal. Halbnackte Mädels tanzen in Großaufnahme. Ich will schon den Stift zücken um einige dicke Bonuspunkte zu notieren, als ein Schnitt mich aus meinen Träumen weckt. Moment. Riesensamurais? Hat einer von denen wirklich eine Bazooka? UND eine Minigun? Es hagelt Punkte! Zeitlupensprung, Explosionen, Maschinengewehrfeuer! Und mittendrin ein hübsches Ding im Minirock. Meine Fresse. Herr Snyder, darf ich Ihnen die Hand schütteln?

Hihihihi!

War’s das schon?
Es folgen wahllos optische Overkill-Sequenzen mit Nazi-Zombies (jawohl, Nazi-Zombies!), übertriebenen Computereffekten, Drachen, Orcs, Aliens und einer Bombe auf einem fahrenden Zug (Steven Seagal wäre stolz!). Immer wieder hüpfen halbnackte Mädels in Zeitlupe durch’s Bild, während in einer anderen Ecke gigantische Explosionen die Fantasielandschaft verwüsten. Am Ende einer jeden Szene sitzt der Zuschauer zitternd, mit Schaum vor dem Mund, aber mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht da und wartet auf die nächste Überraschung.

Die Story wird zur absoluten Nebensache. Das wussten wohl auch die Macher und haben sich in dieser Hinsicht nicht besonders viel Mühe gegeben. Ich vermute, dass es ein Brainstorming der Kreativabteilung gab, in dem jeder seine Ideen für eine abstruse Actionszene auf einen Zettel schreiben durfte. Und am Ende wurden ALLE genommen. Ein wilder Trip durch alle Actionklischees – So soll es sein! Es fliegen Leichen durch die Luft während ein riesiger Zeppelin explodiert und der dritte Weltkrieg tobt. Ich bin begeistert! Das alles wird von einem rockig-eleganten Soundtrack untermalt, der die Action sogar noch weiter vorantreibt, wie Cowboys die Rinder in einem Marlboro-Werbespot. Erinnert mich an Euter, schmeckt aber stark nach öliger Mopedkette. Das halbherzig kredenzte „Seek and Destroy“ hätte nicht sein müssen, aber dafür gibt’s keinen Punktabzug, weil’s ein abgefahren geiler Song ist.

„Sucker Punch“ ist hektisch, laut, brutal, nackt und extrem stumpfsinnig. Alles zur gleichen Zeit. Das muss man erstmal schaffen: Sämtlicher intellektueller Anspruch wurde gänzlich eliminiert und durch stupides Geballer in extrem hübscher Verpackung ersetzt. Natürlich ist das alles Marketingstrategie um vor allem männliche Zuschauer in sämtlichen Altersklassen anzusprechen… aber es funktioniert. Liebesromanze für die Dame, Hurensoldaten und Nazi-Zombies für den Herrn. Passt.

Ich neige mein Haupt in Erfurcht, Herr Snyder.

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Sucker Punch was last modified: Juli 19th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.