Ich erinnere mich noch genau, wie sehr ich nach dem Abspann von „Das Erwachen der Macht“ vor ziemlich genau zwei Jahren wollte, dass es sofort weitergeht. Dieses Gefühl hat sich im Laufe der Zeit etwas verloren, im Endspurt der letzten Wochen vor Kinostart von Star Wars: Die letzten Jedi allerdings erreichte mein Hypelevel wieder ungeahnte Höhen. So viele Geheimnisse, die noch nicht offenbart wurden, so viel Böses, das noch zu bekämpfen ist. So viele Fragen. Keine Angst; ich werde versuchen, hier nicht groß rumzuspoilern, das ein oder andere Detail die Story betreffend wird aber sicherlich notwendig sein, um ein passables Review zustande zu bringen. Wer also überhaupt gar nichts vom Film wissen möchte, dem sei nahegelegt, das Internet – diesen Text eingeschlossen – zu meiden, bis er oder sie den Film selbst gesehen hat.

Auf der Flucht

Vor langer Zeit, in einer Galaxie weit, weit entfernt… Die erste Ordnung ist auf dem Vormarsch. Über der Galaxis weht das Banner der Weltraum-Bösewichte, die allerdings ihren Fokus auf eine Sache gesetzt zu haben scheinen: Die Ausrottung des Widerstandes. Unter der Leitung von General Leia Organa ist die bunte Truppe aus Kämpfern konstant auf der Flucht vor Supreme Leader Snoke und seinen Gefolgsleuten, die nach der Zerstörung der Starkiller Base eine unmittelbare Bedrohung spüren. Im Raumschiffkonvoi, der ein bisschen an den erinnert, den wir in den Spätsiebzigern bereits bei Kampfstern Galactica gesehen haben, befinden sich zwei Drittel der Titelhelden aus Episode VII. Poe Dameron und Finn. Letzterer ist gerade aus seinem Heilschlaf erwacht und versucht, dem sicheren Tod durch die Flotte der ersten Ordnung, die dem Konvoi auf Armlänge folgt, zu entkommen, indem er mittels einer Rettungskapsel flieht. Dieser Plan wird allerdings durch einen neuen Charakter, der wahrscheinlich fortan eine größere Bedeutung haben wird, vereitelt. So verfolgen wir in Star Wars: Die letzten Jedi insgesamt vier verschiedene Geschichten: Finn und die neue Figur, Rey und der Versuch, Luke Skywalker zurückzubringen, Poe Dameron und sein Kampf gegen Autoritäten und Kylo Ren, der eigentlich nur ein Fähnchen im Wind ist.

Poe Dameron – The Movie

Interessant (und äußerst begrüßenswert) ist, dass Poe Dameron im Vergleich zum Vorgänger, in Star Wars: Die letzten Jedi, ordentlich Screentime bekommt. Oscar Issac spielt den Tausendsassa so genial – die Rolle wäre prädestiniert für einen eigenen Film. Während Rey zuvor die gefühlte Hauptrolle hatte, geht diese im neuesten Teil der Sternensaga (gefühlt) an Poe Dameron über. Das ist wahrscheinlich keine Absicht, aber vielleicht bedeutet das, dass der Main-Shift in Teil neun dann auf Finn landen wird. Oder Kylo Ren. Es bleibt also weiterhin spannend. Mir ist übrigens beim Schauen des Films überhaupt erst klar geworden, dass Poe und Rey sich in Teil sieben nie begegnet sind. Da habe ich nie drauf geachtet, weil ich es irgendwie als gesetzt annahm.

Deine Mutter ist so behaart…

Star Wars: Die letzten Jedi strotzt nur so vor Witz. Hier kann man schon fast eine Regelmäßigkeit feststellen, mit der sich düstere, bedrohliche Szenen, und spaßige One-Liner abwechseln. Hier wird vor nichts Halt gemacht, sogar ein Deine-Mutter-Spruch findet seinen Weg in die Weltraumoper. Die vielen Kämpfe und epischen Schlachten, die wieder Einzug in die Franchise halten konnten, sind zum Teil unglaublich großartig. Schon zu Beginn bekommt der Zuschauer Poe Damerons Flugkünste geboten, die bereits in Episode VII eines der Highlights darstellten. Bis zum Schluss bleibt es spannend, es gibt so gut wie keine Szene, die irgendwie langweilig ist. Besonders die Entwicklung der Charaktere ist mehr als spannend, auch wenn Star Wars: Die letzten Jedi nicht wirklich mit Überraschungen in der Storyline aufwarten kann. Ich vermute, dass die wirklichen Brecher für das große Finale aufgespart werden.

Dennoch ist auch Episode VIII wieder „Star Wars“ pur. Es ist schön, dass sich wieder viel auf Puppen besonnen wird. Viele der Kreaturen des fernen Universums sind nicht computeranimiert, sondern tatsächlich physisch in der Welt vorhanden. Die niedlichen Porgs, die aussehen wie fliegende Meerschweinchen, gehören nicht dazu, bieten allerdings viele „Awww!“-Momente. BB-8s Charme wurde leider etwas zurückgefahren, er dient im neuesten Ableger des Sternenkriegs vielmehr als Slapstick-Element, fast so, wie sich R2-D2 in Episode I-III anfühlt. Er wird rumgeworfen, getreten, fliegt gegen die Wand… Schade eigentlich, denn der Charakter, den er als Droide nunmal hat, geht somit fast vollständig verloren. Ich würde mir für den nächsten Film wünschen, ihn wieder in alter Form zu sehen.

Eine neue Hoffnung

Beachtenswert ist, dass Carrie Fishers Tochter, Billie Lourd, eine sehr gewichtige und auffallende Rolle zugeschrieben bekommen hat. Sie hat wirklich viel Screentime und einige Lines. Auch Laura Dern, kennt man vor allem aus Jurassic Park, feiert ein tolles Comeback. Mit violetten Haaren sieht sie übrigens wirklich hübsch aus und spielt ihre Rolle als Vize-Admiral der Widerstandsflotte wirklich überzeugend. Das Wiedersehen mit Luke Skywalker fiel nicht ganz so heroisch aus, wie ich mir das vorstellte, was aber nichts daran ändert, dass Mark Hamill auch im Jahre 2017 der einzige Luke ist, den man sich vorstellen kann. Obschon ich, wenn er im Film sprach, mehr als ein Mal den Joker vor Augen hatte, dessen Inkarnation, sowohl in der Zeichentrick- als auch in der Videospielewelt, Hamill über die Jahre hinweg wahrscheinlich noch weiter perfektionierte als die Rolle des jungen Skywalkers.

Auch wenn das Ende von Star Wars: Die letzten Jedi fast schon eher zum Abschluss der Trilogie gepasst hätte, und somit kaum einen Cliffhanger lässt, ist der Film einfach großartig. Sehr viel gewagter als Episode VII, der quasi nur ein Spiegelbild von Episode IV war. Tolle Charaktere, großartige Schlachten und Carrie Fisher, die bei weitem nicht mehr der einzige starke weibliche Part ist, sondern durch ihren viel zu frühen Abschied ihre Rolle auf eine völlig neue Bedeutungsebene hebt. Sie wird von der Hoffnungssuchenden zur Hoffnungsträgerin, eine Metamorphose, die einige Jahre gedauert hat, und heute fast noch mehr Gewicht hat als damals. Eine tolle Frau in einem tollen Film.

Rian Johnson als Regisseur und Autor hat mit Star Wars: Die letzten Jedi einen würdigen Nachfolger geschaffen, der nicht nur bildgewaltig ist, sondern auch auf emotionaler Ebene überzeugt. Abgesehen vom erwähnten, sehr merkwürdigen Ende, ist Episode VIII die reinste Augenweide. Tolle Kontraste, das Spiel mit Farben, das fast an Zhan Yimous Hero erinnert, großartige Einstellungen, gekonnte Kameratricks… Nach dem eher enttäuschenden Looper (mit Joseph Gordon Levitt, der übrigens auch in Die letzten Jedi zumindest mit seiner Stimme vertreten ist) ein überzeugender Film, der den Kinobesuch fast schon zur Pflicht macht.

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Star Wars: Die letzten Jedi was last modified: Dezember 12th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.