Star Wars ist ja eine der wenigen Marken, die bereits seit mittlerweile fast 40 Jahren eine konstante Begeisterung bei Groß und Klein auslösen, und das trotz der mittelmäßigen Prequels, die mittlerweile auch schon wieder 15 Jahre her sind. Fast Zeitgleich zum Kinostart der sehnlichst erwarteten siebten Episode der Sternensaga (VÖ: 17.12.2015), stellt EA zusammen mit DICE, weltweit ein Battlefront-Reboot in die Spieleregale.

Hach, Battlefront. Beide Vorgänger rotierten damals in meiner Xbox, wo ich Stunden damit zubrachte, mich durch die kantige Star-Wars-Welt zu ballern. Auch das ist mittlerweile bereits zehn Jahre her. Grund genug, den momentanen Hypetrain zu besteigen und mit Vollgas in eine weit, weit entfernte Galaxie zu reisen.

Das Kreuz mit der Lizenz

Meine Erwartungen bei Lizenzspielen sind nie besonders hoch, geprägt durch Erfahrungen mit regelrechten Gurken, die sich auf einem großen Namen ausruhen. Dass da immer mal wieder Ausnahmen bei sind, hat mich in den letztern paar Jahren des Öfteren verwundert. Aber mal ehrlich: Wer erwartet bei DICE, die quasi seit 12 Jahren nichts anderes als Battlefield-Spiele zu machen, etwas anderes, als einen guten Shooter? Denn essentiell betrachtet ist Star Wars: Battlefront genau das: Ein Shooter.

Beim ersten Start fallen im Menü sofort die vielen Spielmodi auf. Luftkämpfe, Team-Deathmatch, Capture the Flag, Domination… Viele klassische Arten des FPS-Genres finden sich hier unter angepasstem Namen wieder. Natürlich versuche ich zunächst den Modus, den ich bereits aus der Beta kenne: Walker Assault. Und hier fällt auf, wie viel Wert auf die Präsentation des Titels gelegt wird. Der Sound, die Optik: Man fühlt sich sofort wie in einer Schlacht, die direkt aus den Filmen stammen könnte. Der Sound der Laser, bombastische Explosionen, AT-ATs, die stampfend durch den Schnee wandern, das Geräusch der Tie-Jäger über mir, dazu der Original-Soundtrack… Ich bin gestorben und im Star-Wars-Himmel gelandet. Die Aufgaben, die ich als Spieler zu erledigen haben, interessieren mich in den ersten paar Runden kaum. Ich laufe herum und schaue mir alles genau an, ergötze mich an den liebevollen Details und am hohen Authentizitätsfaktor. Hier wurden definitiv alle Hausaufgaben gemacht.

Auch der Modus „Jägerstaffel“ ist großartig! Hier sitze ich in einem Tie-Fighter oder X-Wing (oder Tie-Interceptor oder A-Wing, aber wer will das schon?) und jage in Höchstgeschwindigkeit gegnerischen Raumschiffen hinterher. Sogar Slave-1 (das bügeleisenförmige Schiff von Boba Fett) und der Millennium-Falke klinken sich hier zeitweise ein. Wow. Das „Pew-pew-pew“ der Laserkanonen, das Kreischen der Flugzeuge… Die Immersion ist perfekt.

Individualität für alle

Zwischen den Schlachten denke ich oft daran, was für ein Spiel ich spielen würde, wenn es nicht um Star Wars ginge, und muss etwas grinsen, denn Battlefront erinnert beinahe an eine Demo-Version von Battlefield. Sehr reduzierte Spielmechaniken, kurze Runden und Respawnzeiten, die ein Call of Duty neidisch machen. Ein Spiel für Core-Gamer sieht anders aus.

Aber genau das möchte Battlefront eben nicht sein. Die Entwickler legen offenbar viel Wert darauf, dem Spieler eine möglichst tiefgreifende Star-Wars-Experience zu bieten, die sowohl Einsteigern, als auch Fortgeschrittenen eine gute Grundlage liefert. Denn egal, wie schlecht man spielt, man findet immer einen Modus, der zum Spielstil passt. Und die Erfahrungspunkte für die reine Spielteilnahme übersteigen oft den Kampfpunktewert eines mittelmäßigen Spielers. Das heißt, dass man quasi eine Belohnung dafür bekommt, dass man überhaupt gespielt hat. Das motiviert enorm, da so schnell hohe Level erreicht werden und die damit verbundenen Spielobjekte freigeschaltet werden können.

Auch was das Spielerinventar angeht, wurde hier stark vereinfacht. So kann der Spieler eine Hauptwaffe auswählen und das restliche Gepäck („Hand“ genannt) durch drei Perks definieren. Ob das jetzt eine Granate und ein Ionengewehr ist – die Kombinationen lassen sich individuell zusammenstellen und unterstreichen erneut die verschiedenen Vorlieben der breiten Zielgruppe, die sich mit einem Wort zusammenfassen lässt: „Star-Wars-Fans„. Zwischen Tod und Respawn kann der Spieler zwischen seinen verschiedenen Händen wechseln um so schnell auf die Variablen während der Runden reagieren zu können.

Helden vs. Schurken

Doch natürlich wollen Fans nicht nur geklonte Sturmtruppler oder namenlose Rebellensoldaten steuern, sondern auch einmal in die Haut ihrer Lieblingshelden (oder -Schurken) schlüpfen. So gibt es die Möglichkeit (besonders in dafür vorgesehenen Spielmodi), einen von momentan sechs bekannten Figuren aus dem Film zu steuern. Auf Rebellenseite sind das Han Solo, Leia Organa und Luke Skywalker. Das Imperium bietet Darth Vader, Boba Fett und Imperator Palpatine, jeder mit seinen eigenen Fähigkeiten. Das macht aber alles nicht wirklich Spaß, auch wenn man gegenüber den Normalo-Fußsoldaten enorme Vorteile hat. Insgesamt vier Planeten können zum Start bespielt werden. Das ist nicht besonders viel, da die Karten recht schnell langweilig werden, allerdings hat EA jetzt schon versprochen, für kostenlosen Nachschub diesbezüglich zu sorgen. Ein Argument, dass viele Spieler wohl zum nachträglichen Kauf animieren wird.

Dicke Pluspunkte gibt es für das kinderleichte Matchmaking. Selten habe ich so etwas einfaches und funktionierendes erlebt, wie hier. Nach der Auswahl des Spielmodus wird man sofort einem möglichst vollen Spiel (je nach Spielmodus sind das bis zu 40 Spieler) zugeteilt und kann nach einem kurzen Ladebildschirm sofort loslegen. Hat man Freunde in der Party (getestet wurde auf der PS4), sieht man sofort (!) wenn ein Partymitglied in ein Spiel einsteigt und kann mit einem (!) Knopf hinterherjoinen. Einfach großartig. Hier sieht man wieder, wie einfach ein Spiel sein kann und dass man nicht jeden Pups erklären muss, wenn man sich auf Grundmechaniken einigen kann. Das ist hier perfekt gelungen – „It just works!

Wer gerne alleine spielt, kann auf einen Fundus verschiedenster Einzelspieler-Missionen zugreifen, die aber allesamt nicht wirklich Spaß machen. Auch der Fakt, dass Couch-Coop per Splitscreen möglich ist, täuscht nicht darüber hinweg, dass Battlefront ein reinrassiger Multiplayer-Shooter ist und auch mit Biegen und Brechen nichts anderes sein kann, zumindest nicht in der gegebenen Form. Die Frostbite-Engine, die wieder mal zuckersüße Bilder auf den Schirm zaubert, ist aber bewiesenermaßen dazu in der Lage, auch grafisch pompösere Szenerien für Kampagnen-Action zu zaubern. Und wer weiß? Vielleicht steht ja schon ein neues Star-Wars-Spiel á la Bounty Hunter oder Force Unleashed in den Startlöchern?

Core-Gamer werde hier auf Dauer nicht glücklich werden. Wer wirklich tief verwurzelter Shooter-Crack ist, wird wohl schnell wieder 14-Jährige in Call of Duty umnieten, aber wirkliche Star-Wars-Fans haben momentan wohl keine bessere Möglichkeit, in die Welt der Sternenkriege einzutauchen. Und so kurz vor dem Release ist Battlefront wohl die beste Medizin gegen das Star-Wars-Fieber hinsichtlich des bevorstehenden Kinostarts. 100 Punkte für das warme Gefühl im Bauch!

Prädikat: Besonders Awesome!

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Star Wars: Battlefront was last modified: November 25th, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.