Ich habe die Eindrücke, die Electronic Arts zusammen mit dem hauseigenen schwedischen Entwicklerstudio DICE mit Star Wars Battlefront II bei mir hinterlassen hat, lange auf mich wirken lassen müssen, bevor ich in der Lage war, eine Meinung dazu zu haben. Ich mochte den ersten Teil des Franchise-Reboots sehr gerne. Unkomplizierte Schusswechsel mit einer gehörigen Portion Star Wars-Feeling. Gut, das Spiel an sich war eher mittelmäßig, das warme Gefühl im Bauch war allerdings erstklassig. Was EA da allerdings unter der Haube ausgeheckt hat, ließ mich zunächst fragend eine Augenbraue nach oben ziehen. Denn im jüngsten Ableger der Sternenkriegs-Saga stehen Karten-Powerups im Mittelpunkt.

Von Karten und Lootboxen

Gut, neu ist die Idee der Karten-Powerups nicht. Bereits im ersten Reboot von Star Wars Battlefront verbaute Electronic Arts das Element, das im Jahre 2017 den Weg in einige EA-Titel gefunden hat und momentan das Internet in einen wütenden Mob verwandelt, der mit Forken und Fackeln virtuell vor der EA-Firmenzentrale steht und randaliert. Aber wieso eigentlich? Das Stichwort hier ist: Lootboxen. Electronic Arts hat sich dazu entschlossen, die tatsächliche Stärke und die Fähigkeiten der Spieleravatare in Star Wars Battlefront II hinter einer zufälligen Auslosung von Spielobjekten zu verstecken, für die die Lose (die Lootboxen) gegen Echtgeld gekauft (oder im Spiel freigespielt) werden können. Das heißt im Klartext, dass Spieler, die zusätzlich zu den 60 Euro (oder mehr) Retailpreis noch zusätzlich Geld investieren, einen erheblichen Vorteil gegenüber den Spielern haben können, die nicht bereits sind, mehr Euros gegen den Bildschirm zu schmeißen. Das ist unterm Strich eine Mischung aus „Pay to Win“ und „Glücksspiel“. Sicher macht es keinen Spaß, ständig von Kiddies über den Haufen geballert zu werden, die Mamas Kreditkarte aus dem Nachtschrank gestohlen haben, Electronic Arts reagierte aber noch vor US-Start mit einer drastischen Maßnahme. So entfernte das amerikanische Unternehmen relativ zeitnah die Option, besagte Lootboxen gegen Geld kaufen zu können und versprach, sich ein besseres, faireres System auszudenken. Zum Zeitpunkt dieses Reviews konnte der Publisher noch keine Lösung bieten um die Spielerschaft zufrieden zu stellen.

Dabei ist Star Wars Battlefront II eigentlich ein recht passables Spiel. Das neue Klassensystem ermöglicht eine präzisere Anpassung des Charakters, allerdings stehen dem Spieler hier zwei Faktoren im Weg: Verbesserung von Fähigkeiten sowie das Ersetzen von Fähigkeiten durch Alternativen werden durch Karten (die aus den Lootboxen) freigeschaltet. Neue Waffen werden freigeschaltet, indem der Spieler eine bestimmte Anzahl von Gegnern mit der Grundwaffe getötet hat. Da diese neuen Gewehre, Blaster und Pistolen zum Teil bessere Werte haben, als die Grundausrüstung, klaffen hier, in Verbindung mit den verbesserten Fähigkeiten, oft große Lücken zwischen den Equipments einzelner Spieler. Entsprechend groß ist die Frustration, wenn die Niederlage eines Matches nicht an den spielerischen Fähigkeiten des Teams, sondern an der mangelnden Ausrüstung festzumachen ist. Eine Monetarisierung des Spiels über kosmetische Items ist aufgrund des vorherrschenden Kanons nicht möglich, ebenso versprach Electronic Arts, sämtliche Zusatzinhalte zu Star Wars Battlefront II komplett kostenlos zu halten. Durch das momentane Wegfallen des Lootboxkaufes hat der Publisher also momentan keine Möglichkeit des Zusatzverdienstes. Ich bin gespannt, wie das Problem später gelöst werden wird.

Eyecandy aus einer Galaxie weit, weit entfernt…

Grafisch ist Star Wars Battlefront II wieder ein absoluter Traum. Während der Vorgänger immer noch wunderhübsch aussieht, setzt das jüngste Krieg der Sterne-Schätzchen noch einen drauf. Zwar liefert die PlayStation 4 Pro „nur“ maximal circa 1440p Output im 4K-Modus in Kombination mit Temporal Anti-Aliasing um die Framerate stabil zu halten, was aber hier an grafischer Qualität über den Fernseher flimmert, ist atemberaubend. Besonders die Wassershader und die Reflektionen auf metallischen Oberflächen sind wirklich absolut großartig. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich einfach nur dastehe und die Umgebung betrachte. Brennende Trümmer im Todesstern, die polierten Konsolen auf Camino, die schimmernden Flussläufe auf Endor… Wow. Die erwähnte Framerate bleibt hier nicht immer stabil; angestrebt werden 60 Frames pro Sekunde, die aber nicht immer erreicht werden. Meistens krebst die PS4 Pro bei ungefähr 55 Frames herum, was aber durch die vielen Post-Effekte und den Motion-Blur bei Bewegungen gut kaschiert wird. Unter dem Strich bleibt ein traumhaftes Bild, das mich jedes Mal aufs Neue vom Hocker haut.

Träge Kampagne mit okayer Story

Das Besondere, das Fans am Vorgänger am meisten zu bemängeln hatten, war die fehlende Kampagne. Dieser Fehler wurde diesmal nicht begangen, so dass Spieler jetzt eine etwas andere Seite der Sternensaga erleben dürfen. Wir schlüpfen in die Rolle von Iden Versio, einer Elitesoldatin des Imperiums. Die Spezialeinheit, der sie angehört, erhält kurz nach der Zerstörung des zweiten Todessterns, merkwürdige Befehle von oberster Stelle. Iden entschließt sich sehr schnell, entgegen ihrer Ideologie zu handeln und schlägt sich auf die Seite der Rebellen um gegen das mächtige Regime zu kämpfen. Leider ist die erzählte Geschichte nicht sonderlich spannend. Die Längen treten vor allem im Gameplay auf, wenn man sich durch Unmengen an Gegnerwellen kämpfen muss, ob am Boden oder im All. Hier fehlt etwas der rote Faden und das sich wiederholende Spieldesign orientiert sich etwas zu sehr an dem des Multiplayer-Modus. Ich bin, wie ihr sicher alle wisst, ein großer Freund von Einzelspielerkampagnen, ich mag sie so, so viel mehr als viele Multiplayergames, aber merkwürdigerweise spiele ich Star Wars Battlefront II am liebsten online. Die Kampagne kann mich, trotz der tollen Grafik, nicht wirklich überzeugen. Schade eigentlich.

Auf der anderen Seite bietet der Multiplayer trotz der Powerup-Paywall das Potenzial für viele Stunden Spaß. Die Anzahl der Spielmodi wurde auf fünf gekürzt, wobei die beiden beliebtesten, Galactic Assault und Starfighter Assault gleichzeitig auch die besten sind. Am Prinzip der Vorgängermodi hat sich nicht viel getan, allerdings konnte DICE hier etwas mehr Abwechslung, die Objektive betreffend, unterbringen. Der ehemalige Kampfläufermodus beispielsweise ist jetzt, wie die neueren Todessternkarten der Vorgängers, in verschiedene Missionssektionen unterteilt, was den Ablauf der einzelnen Matches wesentlich farbenfroher gestaltet. Die neuen Karten sind clever gestaltet und bieten eine Mannigfaltigkeit an Flaschenhälsen und Konfrontationszentren. Alles in allem wirkt die Spielwelt etwas übersichtlicher als zuvor und Spawncamping wird effektiver unterbunden, ebenfalls Kritikpunkte, die die Spielerschaft in die Weiten des Internets hinausposaunte und auch ein Grund, warum der Sänger der Band Breaking Benjamin (absolute Hörempfehlung übrigens) seine Kopie des Vorgängertitels zerbrach (ja, gut, er kann sich das ja auch leisten…).

Fazit

Unterm Strich macht mir Star Wars Battlefront II weniger Spaß als erwartet. Die Kampagne konnte mich nicht wirklich mitnehmen und der Multiplayermodus weist ein gewisses Ungleichgewicht auf, was den Spielspaß auf lange Sicht doch etwas trübt. Grafisch allerdings überzeugt der Titel so enorm, dass ich mir wünschen würde, einfach durch leere Levels laufen zu können um Fotos zu schießen. Dabei läuft auf der PS4 Pro alles zufriedenstellend flüssig mit kleineren Einbußen in Sachen Auflösung, Schärfe und Details – alles allerdings nicht kriegsentscheidend. Die Inszenierung und Präsentation ist immer erstklassig, bei einer solchen Vorlage wie Star Wars sollte das aber auch nicht weiter schwierig sein. Ich kann im Großen und Ganzen leider nur eine bedingte Kaufempfehlung aussprechen, da viele Faktoren im Spiel einfach noch nicht stimmig sind. Aber wie das heutzutage nun mal so ist, wird der Preis für das Teil relativ schnell gen „kaufbar“ sinken, was auch nicht so große Fans des Sternenkrieges dazu befähigt, mal reinzuschnuppern. Vielleicht hat EA bis da hin ja auch eine Lösung für ihr Monetarisierungsproblem gefunden.

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Star Wars Battlefront II was last modified: November 30th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.