Hach, Star Trek… Zum Start der PSVR-Fassung von Star Trek: Bridge Crew habe ich mein Fantum im Geiste kurz Revue passieren lassen. Auch wenn ich immer größerer Star Wars-Fan war, hatte Star Trek immer einen großen Platz in meinem Herzen. Nicht alleine der Sprittwoch-Jungs aus dem Siegerland wegen, die die wohl erste Fan-Synchro überhaupt produzierten. Sinnlos im Weltraum ist auch heute noch ein absoluter Klassiker und ein Zitatefeuerwerk, an das keine nachfolgende Synchro jemals heranreichte.

Computer, virtuelle Realität starten!

Aber davon mal abgesehen. Das Star Trek-Universum hat unglaublich viele tägliche Referenzen in unser Leben gebracht. Phaser, Beamen, Replikatoren… Gerade vom technologischen Standpunkt aus die die Sci-Fi-Serie ein absoluter Meilenstein. Ein besonderes Schmankerl an Bord der USS Enterprise D, die in The Next Generation ihre Runden durchs Weltall dreht, ist allerdings das Holodeck. Wie aus dem Nichts werden hier Welten und Szenerien erschaffen, die nicht nur echt aussehen, sondern sich auch echt anfühlen. Ganz so weit ist die Technologie im frühen 21. Jahrhundert noch nicht, immerhin existiert heutzutage eine Version der virtuellen Realität, die der, die man uns noch in den Achtzigern andrehen wollte, weit überlegen ist. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass früher oder später alternative Filmuniversen in die VR-Welt verfrachtet werden. Als eines der ersten PSVR-Only-Vollpreisspiele sichert sich Star Trek: Bridge Crew einen Platz auf dem Siegertreppchen. Durch die Release-Verschiebung nur wenige Tage nach Farpoint gelauncht, ist Ubisoft zwar nur Vize-Meister geworden, was das Spiel allerdings zu bieten hat, stellt die Peripheriegeräteschlacht von Sony in den Schatten.

Ein Mittel gegen Motion Sickness

Die Sache mit VR-Games ist ja, dass viele Menschen hier die sogenannte „Motion Sickness“ erstmalig kennenlernen. Diese kann entstehen, wenn der Spieler sich in der virtuellen Welt herumbewegt, in der realen Realität allerdings unbeweglich auf einem Stuhl sitzt. Oder der Couch. Das Innenohr erwartet in diesem Fall wohl eine Bewegung, weil das Auge sie auf dem Bildschirm sieht. Mir selbst wird bei Spielen wie Robinson: The Journey oder EVE Valkyrie schlecht. Augenschmerzen, Schwindel, Übelkeit – Das macht zum Teil wirklich keinen Spaß. Besser ist es also oft, den Spieler an Ort und Stelle zu lassen und ihn auch im Spiel nur stationär stehend oder sitzend zu positionieren. Batman Arkham VR – auch wenn ich aus guten Gründen nur ungern Werbung für das Spiel mache – macht das eigentlich perfekt. Die Fortbewegung durch die Spielwelt erfolgt durch Teleportation zu festgelegten Orten, was Bewegungen im virtuellen Raum auf Null reduziert. Star Trek: Bridge Crew weiß ebenfalls um die Existenz von Motion Sickness und verfrachtet den Spieler in eine ähnliche Situation. Durch die Augen eines virtuellen Charakters auf der Brücke eines Sternenflottenraumschiffs, der USS Aegis (sprich: ˈiː.dʒɪs), erlebt der Spieler, wie es ist ein Besatzungsmitglied zu sein. Hierdurch wird die Immersion, um die es ja bei VR-Games hauptsächlich geht, auf ein Maximum angehoben.

Vier Freunde müsst ihr sein

Insgesamt vier Spieler können in die Rollen von vier verschiedenen Besatzungsmitgliedern schlüpfen. Steuermann, Taktischer Offizier, Chefingenieur und Captain stehen hier zur Auswahl. Spielt man alleine, spielt man den Captain, kann aber per Knopfdruck auf die Positionen der anderen Brückenoffiziere springen. Einfacher ist es allerdings, direkt vom Kapitänsstuhl aus bestimmte Knöpfchen zu drücken und die KI-Kollegen vollautomatisch ihre Arbeit verrichten zu lassen. Gerade in der Hitze des Gefechtes ist dies oft die klügere Wahl. Dabei werden wir in der ersten Kampagnenmission etwas unsanft ins Geschehen geworfen, denn hier vollzieht das Sternenflottenkommando an uns den Kobayashi-Maru-Test. Dieser dient nicht der Feststellung von praktischen Fähigkeiten im Feld, vielmehr stellt er einen psychologischen Test dar. Ganz nach dem Vorbild des Klassikers von 1982, Der Zorn des Khan, wird überprüft, wie die Crew auf eine No-Win-Situation, also eine aussichtslose Lage reagiert. Wer allerdings darüber bescheid weiß, wird die Situation relativ schnell zu einem jähen Ende bringen können und sich so sinnloses Aufbäumen gegen eine klingonische Übermacht sparen.

Plattformübergreifende Klingonenkämpfe

Apropos „Klingonen“. Diese intergalaktischen Bösewichte sind leider die einzige Alien-Spezies, die man in den Weiten des Alls bekämpfen darf. Keine seltsamen Fürsorger, keine Borg, nicht einmal Romulaner kreuzen die Wege der USS Aegis. Immerhin ist die Kampagne selbst nur circa vier Stunden lang, was alleine im VR fast schon eine kleine Ewigkeit ist. Der richtige Spaß beginnt erst, wenn die Missionen auf „Zufallsbegegnungen“ gestellt werden und drei Freunde in den Kampf mit einsteigen. Vollkommen unbewusst und unbeabsichtigt verfällt man hier fast in eine Art Rollenspiel, das schnell in unglaubliche Albernheit umschlägt. Dies durfte ich bereits letztes Jahr auf der gamescom und dem Ubisoft Xmas-Event erleben. Leider ist das Matchmaking nicht besonders gut. Die plattformübergreifende Verbindung zu Freunden auf der Uplay-Buddylist – Oculus, Vive, PSVR – funktioniert zwar hervorragend, doch die Suche nach zufälligen Spielern aus der Region (hier wird nach Kontinenten gefiltert, was nicht besonders viel Sinn macht) dauert zum Teil viel zu lange. Das mag daran liegen, dass zum Zeitpunkt des Tests noch nicht viele Spieler den Titel besessen haben, oder einfach an der Kauffaulheit des Klientel. Denn das Mitspielerödland ist keine Seltenheit: Werewolves Within, Eagle Flight, EVE Valkyrie – All diese Titel kämpften stark mit wenig frequentierten Mehrspielermodi. Wer wirklich sichergehen will, den vollen Umfang von Star Trek: Bridge Crew erleben zu können, der stellt sicher, dass zuverlässige VR-Freunde ebenfalls eine Kopie des Titels im heimischen Spieleregal stehen haben.

Grafisch ist der Star Trek-Ableger auf der Playstation 4 nicht das gelbe vom Ei. Selbst die PlayStation Pro zaubert keine hochrealistischen Welten auf die VR-Brille. Das ist besonders deswegen erstaunlich, weil die Komplexität der Szenerie nicht sonderlich hoch ist. Die Geometrie ist mit der groben Kelle geschnitzt und die Texturen sind nicht besonders hoch aufgelöst. Dafür, und das ist das Wichtigste bei VR-Spielen, läuft alles unglaublich flüssig. Ruckler oder Lags würden wieder dafür sorgen, dass die oben erwähnte Motion Sickness aufträte.

Er ist tot, Jim.

Ein großer Pluspunkt für das Spiel ist die Möglichkeit, die Sprache gänzlich auf Englisch umstellen zu können, selbst wenn die Konsole auf Deutsch steht. Die deutsche Synchro ist nämlich nur „okay“ und fällt vor allem negativ durch falsche Betonungen auf. Echte Profis, also diejenigen, die alle Missionen bereits im Schlaf spielen können, können auch ihre Schlachten auch von der Brücke der Original-Enterprise aus des Sechzigern schlagen. Sämtliche Steuereinheiten sind hier umständlich zu bedienen und es fehlt einiges an Komfort und Überblick. Punktabzug gibt es hier für das Fehlen der Originalbesatzung. Man spielt hier mit der gleichen Crew, die man auch auf der Aegis findet – Ob der Grund dafür Lizenzprobleme oder einfach nur Faulheit ist, vermag ich nicht kundzutun. Immerhin hat Ubisoft versprochen, zusammen mit dem hauseigenen Entwicklerteam Red Storm im Sommer eine Sprachsteuerung für Star Trek: Bridge Crew nachzureichen. Ob das Spaß machen wird, bleibt abzuwarten.

Fazit

Star Trek: Bridge Crew bietet kurzweilige Schlachten im All, die vor allem mit guten Freunden Spaß machen. Langzeitpotenzial ist nicht zwingend vorhanden, auch dies ist abhängig von der umgebenden Spielerschaft. Wer allerdings eine Star Trek-Fanbase in der Bekanntschaft hat, wird hier die Multiplayergaudi des Jahres erleben.

Warp 10, Energie!

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Star Trek: Bridge Crew was last modified: Mai 30th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.