Zu Sonics Zwanzigstem beschert SEGA allen Fans der Serie Frischfleisch, doch läuft der blaue Igel die hundert Meter immer noch unter 2 Sekunden oder hat das Alter ihn eingeholt?

Seit dem Originalspiel 1991, das ich als Kind bereits auf dem heimischen Mega Drive gespielt habe, sind mittlerweile etliche Jahre und gefühlte 100 weitere Sonic-Games ins Land gezogen. Als ich dann dachte, dass die Sonic-Kuh doch irgendwann mal zu Ende gemolken sein dürfte, klatscht SEGA ein weiteres Release auf den Tisch: Sonic Generations. So darf man anscheinend den Classic-Sonic von 1991, als auch den Modern-Sonic, der mit Sonic 3D 1997 das Licht der Welt erblickte, über den Flimmerkasten flitzen lassen.

Zwei Sonics = Doppelt Spaß?

Ein gewagter Ansatz, finde ich, denn hier scheiden sich die Geister. Modern-Sonic top – Classic-Sonic flop. Und andersrum. Und plötzlich wird man gezwungen, seinen persönlichen Buh-Sonic zu steuern? Erstaunlicherweise geht das Konzept auf. Ich selbst war nie ein Fan des Modern-Sonic – dieses ganze 3D-Geschisse ging mir immer mächtig auf den Piss. Dazu diese neue Dash-Funktion. Pfui. Aber Sonic Generations bringt das Sonic-Konzept durch eine eingängigere Steuerung zurück zu den Wurzeln. So spielt man eine Stage jeweils als Classic- und anschließend als Modern-Sonic, kämpft sich durch Herausforderungen und bestreitet hier und da einen Bosskampf.

Das klingt natürlich alles interessant und spielt sich auch erstaunlich gut. Leider stehen wirklich nur jeweils ein Level pro Stage zum Spielen zur Verfügung. Das ist einerseits sehr schade (Green Hills), andererseits auch löblich, denn die Hasslevel meiner Kindheit (Chemical Plant) hätten ruhig draußen bleiben können.

Die Bosskämpfe sind im Vergleich zum regulären Spiel sehr, sehr einfach gehalten. Kaum ein Kampf, in dem man ein Leben verliert, während man in den einzelnen Stages mit einigen Problemen zu kämpfen hat. Außerdem gibt es insgesamt nur vier Bosse – ich erinnere mich noch daran, als nach jeder kompletten Stage ein riesiger, fieser Boss lauerte, bei dem man betete, er würde den Spieler nicht sofort in Grund und Boden rammen, weil man sonst wieder von ganz vorne anfangen musste.

Die verbesserte Steuerung versagt trotz Optimierung vor allem in den 3D-Levels ab und an – Dashes laufen ins Nichts und Sonic fällt in einen Abgrund. Außerdem scheint es, als wäre das Spiel zu schnell für europäische Fernseher. In den 2D-Levels fällt eine Schlierenbildung auf, die bei hoher Geschwindigkeit kaum noch etwas erkennen lässt, was leider zu oft einen Crash mit einem lauernden Gegner nach sich zieht. Aber die sinnvoll gesetzten Checkpoints lassen schwierige Stellen erneut spielen.

Leider können durch das neue Konzept unachtsame Spieler eines grausamen Todes sterben, beispielsweise, wenn vergessen wird, dass der klassische Sonic keine Dash-Attacke hat oder der begrenzte Turbobalken des Modern-Sonics im Vergleich zur Spin-Attacke des alten Alter Egos. Wer aber darauf achtet, wird hier keinerlei Probleme haben, sich durch die erstaunlich langen Levels zu preschen.

Sämtliche Charaktere aus dem Sonic-Universum treten wieder auf die Bühne, ob Tails oder Knuckles, kaum jemand wurde vergessen. Natürlich ist auch Dr. Robotnik wieder mit von der Partie, der, wie alle anderen Bosse, viel zu einfach zu Boden geht.

FAZIT

Alles in Allem kommt das Retro-Sonic-Feeling ohne Abstriche auf. Über die kleinen Fehlerchen kann man durchaus hinweg sehen, denn der anspruchsvolle Spielspaß überwiegt absolut. Jüngere Jahrgänge werden sich über den hohen Schwierigkeitsgrad wundern, alten Videospielhasen wird aber ohne Zweifel das Herz aufgehen. Nach 20 Jahren ist der blaue Igel immer noch nicht tot zu kriegen – SEGA hat hier einen unschlagbaren Zug gespielt.

Auch interessant

Sonic Generations was last modified: November 14th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.