Sonata Arctica und ich, das fiele bei Facebook in die Kategorie „it’s complicated“… Mit dem 2007er Erfolgsalbum Unia konnte ich mich seinerzeit noch halbwegs anfreunden, aber ansonsten veranlasst mich der Finnenfünfer meist dazu, hastig nach der Stopptaste zu suchen.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch Pariah’s Child weit davon entfernt ist, in meine persönliche Top-Liste des Jahres vorzustoßen, aber ich muss sagen, so nervig, wie ich mir das finnische Œvre anfangs vorgestellt habe, ist es dann doch nicht. Also zumindest die ersten paar Tracks über… Man wollte zurück zu den Wurzeln, und meiner Ansicht nach waren die Mannen um Frontmann/Frauenschwarm Tony Kakko sogar in der Lage, noch einen Schritt weiter zu gehen: Dominierte auf den ersten Outputs noch der jugendliche Charme, wussten Sonata diesen heuer mit der gesammelten Erfahrung aus nunmehr 15 Jahren (einigermaßen) gekonnt zu kombinieren. Dabei sind durchaus ein paar starke Tracks entstanden, allerdings muss man bei einem Songtitel wie Cloud Factory trotzdem kurz in sich hinein schmunzeln!

Große Melodiebögen spannen sich auch auf Pariah’s Child wieder in gewohnter Weise, wie viele ihrer Landsleute wissen diese Finnen, einfach, was Eingänigkeit heißt. Dass die Herren nicht nur Jux und Dollerei in der Birne haben, beweisen sie mit den wohl ernsthaftesten Lyrics ihrer Karriere: Der Titel What Did You Do In The War, Dad? dürfte alles sagen… Ich würde den Song sogar als zentrales Stück des Albums bezeichnen, diese Seite steht dem Quintett sehr gut zu Gesicht! Soundmäßig reiht sich die Eigenproduktion in heutige Standards ein, hier gibt es nix zu meckern.

So weit, so gut, aber alles in allem fehlt es für meinen Geschmack an metallischer Grundhärte. Ein Stück wie X Marks The Spot stößt zwar zu Beginn in amtliche Power Metal-Gewässer vor und wäre fast perfekt, wenn, ja wenn da die Karnevalsveranstaltung ab Minute 4:06 nicht reinplatzen würde… Jungs, der Chor musste doch nicht wirklich sein, oder? Da rettet auch die Orgel nix mehr… Eine Art Minimusical, das mit einem waschechten R’n’R-Preacher überrascht, aber dann irgendwie zu sehr abdreht. Mit der obligatorischen Ballade Love (Was für ein Titel!) geht es weiter, bevor ein Track mit Überlänge das Album abschließt. Überlang, aber meines Erachtens auch überladen… Zum Ende hin habe ich wirklich versucht, mir die letzten drei Songs doch noch schön zu hören! Ich schwöre bei Lemmy’s weißen Stiefeln! Aber es hat nicht geklappt: Auch nach der x-ten Umdrehung wünsche ich mir weiterhin nichts sehnlicher, als den Platz mit dem Wolf auf dem Cover zu tauschen: Im tiefsten finnischen Wald bin ich hoffentlich weit genug von diesem grausigen Operetten-Metal entfernt und müsste mich nur vor finnischen Trollen und dem Klan der Wildnis fürchten…

Fazit: Für Fans der Band und der Stilrichtung allgemein ist Pariah’s Child sicherlich ein Muss, wer sich jedoch nur ab und zu in melodiöse Gefilde vorwagt, wartet vielleicht besser auf das neue Album von Edguy!  Für hartgesottene ein bisschen Kommerz bei NB und die erste Single The Wolves Die Young auf youtube:

Auch interessant

Sonata Arctica – Pariah’s Child was last modified: April 7th, 2014 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.