Vollgepackt mit tollen Waffen, die den Weltkrieg schöner machen, hinein ins Sniper-Feeling. 505 Games und Rebellion schicken uns mit dem dritten Teil der Sniper Elite-Franchise nicht durch typisch deutsche Gefilde, sondern auf direktem Wege nach Nordafrika, wo viele, viele Nazis darauf warten, den Garaus gemacht zu bekommen. Bewaffnet mit Scharfschützengewehr, Handfeuerwaffe und allerlei anderem tragbaren Kriegsgerät zieht der Spieler los und pumpt ordentlich Blei in die Botanik. Und das sogar uncut. Da stellt sich die Frage, ob Sniper Elite 3 nur ein furioses Feuerwerk überflüssigen Splattespaßes darstellt oder wegweisend ist auf dem Weg zum toleranteren Alterseinstufung in der bürokratischen Bunderepublik. Aber das ist eine Frage, die andere Menschen an anderer Stelle diskutieren sollen; Ich habe mir nur das Spiel angeschaut.

Headshot! Voll ins Knie!

sniper_elite_3_1Seit jeher ist die besondere Eigenheit der Sniper Elite-Spiele die ungewöhnliche Killcam, die tiefe Einblicke in das Innenleben der getöteten Schergen bietet – wörtlich gemeint. Sobald der Spieler eine Kugel aus seinem Scharfschützengewehr gen feindseligen Uniformträger abfeuert, verlangsamt sich die Zeit und der Spieler bekommt ein äußerst detailreiches Bild der anatomischen Verwüstung kredenzt, die das Geschoss im Inneren des getroffenen Körpers anrichtet. Zerberstende Schädeldeckeln, platzende Hoden oder perforierte Organe – jeder Treffer erfährt diese Sonderbehandlung. Das ist zwar anfangs noch etwas, was sich im engeren Definitionsbereich des Terminus „witzig“ bewegt, aber spätestens nach dem 27. Mal zunehmend redundant wird, eben durch den exzessiven Gebrauch dieses Stilmittels. Glücklicherweise kann man besagte Sequenzen auf Knopfdruck überspringen, um den Spielfluss während brenzliger Situationen nicht ins Stocken kommen zu lassen.

sniper_elite_3_opSo hübsch die Gier nach Gedärm und Blut hier auch gestillt wird, so wenig Realismus kann man vom wirklich relevanten Teil des Spiels erwarten: Dem Snipern. Viel zu leicht geht das Scharfschießen von der Hand, Kugeln finden fast von alleine den Weg in die Köpfe von Hitlers Helfern. Das mag einerseits an der wirklich exzellenten Steuerung (selbst auf Controllern ist das Anvisieren kein Problem) liegen, andererseits an der (abschaltbaren) Zielhilfe in Form einer Fokusleiste, die die typischen Wackler beim Zielen beinahe gen Null setzt. Damit gelingen selbst genaue Kopfschüsse aus mehreren hundert Metern Entfernung.

Taktische Maßmahmen

Sniper-Elite-3-2Bei dem ganzen blutigen Gekröse, das übrigens erstmalig in einer deutschen Fassung eines Sniper Elite-Titels enthalten ist, vergisst man fast den Rest des Gameplays. Das Schleichen, taktisch Denken, Beobachten und Verstecken besitzt nun wesentlich mehr Tiefe als beim Vorgänger. Das britische Studio Rebellion hat im Rahmen seiner Möglichkeiten das Beste rausgeholt und konfrontiert den Spieler mit vielen weitläufigen Arealen, die dem Spieler vorausschauendes Denken abverlangen. Dabei beläuft sich der zeitliche Umfang der acht Missionen auf jeweils circa zwei bis drei Stunden, je nachdem, wie akribisch man die Levels säubert und welche im Spielverlauf auftauchenden, optionalen Nebenmissionen man absolviert.

sniper-elite-3-screenshots-111Dabei agiert die künstliche Intelligenz oft stullendumm, was aber an der Gameplayprämisse liegt, die Sniper Elite 3 den Polygonfiguren auferlegt. Die Anzahl der abgegebenen Schüsse aus der sicheren Deckung definiert nämlich, welche Maßnahmen die Gegner ergreifen. Sichere Schützen können schwierige Situationen ergo durch die wiederkehrende Aktionsfolge „Schießen, Rennen, Verstecken“ auf simpelste Art und Weise zu ihren Gunsten entscheiden. Ein Mal entdeckt, wird man die missmutigen Mannen nämlich nicht mehr so leicht los. Und sobald man sich auf sein Maschinengewehr, das nicht nur ungenau schießt, sondern auch mit einem bis aufs Äußerste rationalisierten Munitionsvorrat auskommen muss, verlässt, ist und hat man verloren. Allerdings lässt das Spiel ein manuelles Speichern an fast jedem Punkt zu, was im Falle des Scheiterns ein überdachtes Herangehen ermöglicht.

Augenschmaus oder Augenlöffel?

sniper_elite_3_2Nicht nur spielerisch läuft der dritte Teil der Reihe seinem Vorgänger den Rang ab, auch grafisch macht der jüngste Sniper-Spross einiges her; Zumindest auf Next-Gen-Konsolen und dem PC. Last-Gen-Konsolen kämpfen teilweise mit Rucklern, Tearing und Treppchenbildung, die einen den Augenlöffel auf schnellstem Wege herbeiwünschen lässt. Ansonsten glänzen aber auch in die Jahre gekommene Plattformen mit ausreichend Weitsicht und angemessener Texturierung. Leider wirkt das Geschehen auf dem Bildschirm oft etwas zu kleinteilig, weswegen Couch-Gamer bevorzugt ein oder zwei Meter näher an die Flimmerkiste heranrutschen möchten, um das blutige Schauspiel akurater unter Kontrolle haben zu können.

Clipping-Fehler und eine leider viel zu häufig nicht wie geplant funktionierende Kill-Cam sind Probleme, die die Sniper Elite-Reihe seit jeher mit sich herumträgt. Genau wie die Story, die nicht mehr Nährwert hat, als Hitlers Hoden. Gutes Stichwort übrigens, denn Vorbesteller (und später auch geneigte Käufer, die etwas Geld investieren möchten) dürfen im beiliegenden DLC Hunt the Grey Wolf dem Führer höchstselbst eine Bleispritze verpassen oder ihn auf sieben weitere Arten zur Strecke bringen. Ein Spaß für die ganze Familie.

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Sniper Elite III was last modified: Juli 11th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.