Irgendwie hat jeder schon von Skat gehört, aber kaum jemand weiß wirklich, wie es funktioniert. Dem soll Die Skatinsel von Beardshaker Games Abhilfe schaffen.

Wenn ich an Skat denke, denke ich an drei ältere Herren, die sich am frühen Abend in ihrer Kammer zusammensetzen und mit ausreichend Tabak, Bier und derben Sprüchen über das weibliche Geschlecht Karten spielen. Beardshaker will das Kartenspiel jedoch noch mehr Menschen zugänglich machen. Vor allem die Regeln stellen dabei ja eine große Hürde dar.

Gleich zu Beginn des Spiels ist klar: Ihr wollt Skat-Pirat werden. Ja, der erste Schritt, um das Kartenspiel interessanter für Neuspieler zu machen, ist ein Piraten-Setting. Ich weiß nicht, ob das die beste Wahl war, da Piraten zwar cool sind, ihre Popularität jedoch nicht mehr so hoch ist wie noch vor ein paar Jahren. Da wir hier aber bei Arrcade sind, sind Piraten auch cool!

Grafisch überzeugt das Spiel sofort und ihr könnt erkennen, dass der Designer auch bei Spielen wie Deponia erheblich mitgewirkt hat. Der Stil ist gut und Handgezeichnetes wirkt fast immer hochwertiger als Grafik, die in ein paar Monaten schon als veraltet gilt. Besonders die Spielkarten finde ich sehr ansprechend und ich würde sie gerne physisch in der Hand halten. Ich hoffe, dass das irgendwann mal noch geschehen wird.

Kern des Spiels ist jedoch die Erklärung der Regeln. Schritt für Schritt bringt euch ein alter Skat-”Seebär” die ersten Stationen auf dem Weg zum Skatpiraten näher. Ihr beginnt zunächst nur mit den Karo-Karten, bekommt die Stärke der Karten erklärt und erfahrt, wie ihr Stiche macht. Nach und nach kommen immer komplexere Regeln hinzu, die vermutlich fast jedem das Kartenspiel bisher verwehrt haben. Das Spiel erklärt ebenso die Punktewertungen wie auch die Bedeutung von Trümpfen und die Reihenfolge der Karten, die beim Skat tatsächlich etwas eigenwillig ist. So ist die Zehn stärker als Dame und König, die Neun aber wiederum schwächer. Dazu kommt, dass Buben immer als Trumpf zählen und damit selbst das Ass schlagen.

Wie ihr seht, fühle ich mich mittlerweile sogar selbst in der Lage, die Regeln von Skat zu erklären, obwohl ich noch nie auch nur in die Nähe einer Skatrunde gekommen bin. Bei mir wurden bislang nur so komplexe Spiele wie Maumau, ganz selten Poker und diverse “Stich”-Spiele gespielt… und natürlich Solitaire. Zwar wage ich zu bezweifeln, dass ich nun ein passabler Spieler an einem richtigen Tisch wäre, aber immerhin traue ich mir zu, überhaupt Skat zu spielen. Vorher wäre ich vermutlich schreiend nach zwei Minuten einfach davon gelaufen.

Damit ist Die Skatinsel sehr gut für Einsteiger des Kartenspiels geeignet, allerdings für Experten oder erfahrenere Spieler nur von wenig Bedeutung. Mit kleinen Spielen gegen Computergegner, die relativ einfach sind, kann man einfach keinen alten Hasen hinter dem Ofen vorlocken. Hier fehlt leider der Mehrspielermodus, der hoffentlich noch kommen wird. Damit bietet Skatinsel leider auch keine Langzeitmotivation, trotz der Geschichte rund um das Bestreben, Skatpirat zu werden. 

(Edit: Am Ende des Spiels verweisen die Entwickler auf das Portal Skatinsel.de, bei dem sich nun erfahrene Spieler gegenseitig die Stiche um die Ohren hauen können. Nette Idee, damit die Spieler dann vielleicht doch dabei bleiben und online weiter zocken können.)

Auf der anderen Seite wird das Spiel wohl auch vor allem interessierte Spieler anlocken, da Skat heutzutage an sich schon ein recht spezielles Interesse ist. Damit finden also ein paar Interessierte zwar einen schnellen und leichten Zugang zu den Regeln, aber wirklich neue Spieler an Skat heranführen wird das Spiel wohl eher wenig bis gar nicht. Bleibt nur die Hoffnung, dass das Piratensetting und die ansprechende Gestaltung locken.

Alles in Allem ist Die Skatinsel für rund eine Stunde ganz unterhaltsam und tut auch keinem weh, da es gratis im Browser stattfindet. Tendenziell wäre das Spiel auch auf mobilen Geräten möglich, ob das aber kommt, ist eher ungewiss.

Das Hauptziel, Skat zu erklären, erfüllt Skatinsel mit Bravour. Jeder, der sich auch nur ansatzweise für Skat interessiert, dem empfehle ich, lieber dieses Spiel zu starten anstatt sich die Regeln von einem oder zwei älteren Herren erklären zu lassen. Einfacher und besser könnt ihr kaum bei diesem scheinbaren Regelwust durchsteigen.

Ob Die Skatinsel das Kartenspiel für viele neue Spieler öffnen wird, kann ich nicht beurteilen, wage es jedoch zu bezweifeln. Dafür ist Skat grundsätzlich schon zu speziell und der Name im Titel stellt sofort klar, worum es hier geht. Daneben ist die Sprache innerhalb des Spiels teilweise zu sehr gewollt hip und auf Möchtegernjugendsprache getrimmt, dass es manchmal schon ein kleines Zucken in meiner Hirnregion für “Fresse jetzt!” (bei Joe sicher eher die Hirnregion für den Mopedwurf) auslöste.

Noch ist Die Skatinsel nicht öffentlich für jeden und nur für einen ganz besonderen (Tester-)Kreis spielbar. Das wird sich aber sicher in den nächsten Wochen ändern. Falls ihr also immer schon einmal die Regeln des Kartenspiels verstehen wolltet, nehmt euch die Zeit, für alle anderen ist es wohl nur semi-interessant.

Link zum Spiel: skatinsel.academy

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Die Skatinsel was last modified: November 11th, 2015 by Gastautor: Felix

Felix Mohring ist Mitgründer und Chefredakteur der Website NonPlayableCharacters. Dort schreibt er in der Regel über Rollenspiele auf dem Computer, Pen&Paper sowie Fantasy-Comics. Daneben streamt er auf hitbox und Twitch regelmäßig Indiespiele.