Fortsetzung, Fortsetzung! Der exzentrische Detektiv und sein humpelnder Assistent kloppen sich wieder durch die Weltgeschichte. Wir sagen euch, ob man sich das geben muss.

Guy Ritchie besitzt ja bekanntermaßen ein ähnlich goldenes Regiehändchen wie seine Kollegen Nolan, Tarantino oder Snyder. Nach der überraschend erfolgreichen Neuumsetzung des Holmes-Stoffes, feuert Hollywood nun das Sequel auf die Leinwände und lässt sich das Spektakel 125 Millionen Schleifchen kosten. Für so viel Kohle sollte doch einiges zu machen sein, oder?

Watson, ich habe das Drehbuch gefunden!

Kurz zur Story: Watson will heiraten, Moriarty hat einen weiteren finsteren Plan, die Welt ins Chaos zu stürzen und Holmes schlussfolgert sich von Szene zu Szene. Klingt wie der erste Teil der Reihe, ist aber ganz und gar nicht so. Wie in Hollywood üblich, versucht man sich in alles Aspekten bei einer Fortsetzung selbst zu übertreffen: noch größer, noch schneller, noch viel, viel besser. Leider wird an dieser Stelle oft (wie auch in diesem Fall) der Zuschauer außen vor gelassen. Der Versuch, den Kinogänger mit „Masse statt Klasse“ zu blenden, misslingt allerdings. Sicher, Kamerafahrten, Effekte – alles gut und schön, aber der Charme des Vorgängers möchte nicht so recht überspringen. Zu aufgesetzt wirkt die Erzählweise, die Story kommt nur sehr, sehr schleppend in Gang und irgendwie weiß man nicht so recht, was eigentlich Sache ist.

Das liegt weniger am exzellenten Cast als an den scheinbar unzusammenhängenden Ereignissen, die quasi erst ganz am Schluss des Filmes so etwas wie einen logischen Zusammenhang zur Gesamthandlung herstellen. Das drängt den Streifen leider bisweilen in die Ecke „langweilig“ und „unlogisch“. Zwischendurch blitzt aber immer wieder das Vermächtnis des ‚Originals‘ durch – durchdachte Szenen, gute Action und trockener Humor geben sich die Klinke in die Hand. Im direkten Vergleich ist „Spiel im Schatten“ allerdings enttäuschend, die zwei Stunden Spielzeit ziehen sich wegen der klaffenden Löcher im Plot etwas – die „guten“ Stellen sind dafür umso kurzweiliger.

Wenn etwas in die Luft fliegt, dann auch ordentlich. So wird beispielsweise ein Zug erst mit einer Steampunk-Minigun zersägt um dann später in kleine Stückchen gesprengt zu werden. Dabei unterstützen Superzeitlupen, die man schon aus dem ersten Teil kennt, den dramatischen Effekt. Die Kampfszenen sind wohlchoreographiert, zum Teil aber unnötig – man hat fast den Eindruck, als wären diese nur im Film, um dem Betrachter nostalgische Gefühle zu entlocken.

Das exzentrische Verhalten Holmes‘ wird diesmal auf die Spitze getrieben. Verhielt er sich im ersten Teil meist eher wie ein kleiner, ungezogener Junge, steht er in „Spiel im Schatten“ fast schon auf der Kante zum Soziopathen, der seine Mitmenschen in den Wahnsinn treibt. Die Schlussfolgerungen, die er zieht, wirken wie an den Haaren herbeigezogen, ob der seltsamen Erzählweise und der fehlenden Chance, den Zuschauer an der Ermittlung teilhaben zu lassen. Man bekommt quasi eine hanebüchene Erklärung des Falles präsentiert, gespickt mit Flashbacks und imaginären Szenarien.

Dass Robert Downey Jr und Jude Law Mimen par excellence sind, bestreitet mit Sicherheit niemand, auch ihr Zusammenspiel klappt hervorragend. Dies gibt dem Film die gewisse Würze, die sonst nicht da gewesen wäre; auch die pfiffigen Dialoge retten den Film aus dem Wertungstief. Ohne den Vergleich zum Vorgänger, der aber leider gezogen werden muss, hätten wir hier einen recht passablen Streifen vor uns, aber als halbhässlicher Sprössling eines großartigen Machwerks gibt es mehr Sympathie- als Awesomenesspunkte. Schade.

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Sherlock Holmes: Spiel im Schatten was last modified: April 24th, 2012 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.