Hat jemand „Remake“ gesagt? Ob die Neufassung des Schnetzelhits von 1997 dem Original das Wasser reichen kann: Unser Test verrät es.

Ich erinnere mich gerne an die alten Zeiten zurück. Damals, als es noch etwas wirklich Außergewöhnliches war, wenn Gegner auf dem Bildschirm im mundgerechte Häppchen zerteilt werden konnten. Zweifelsohne war Shadow Warrior eines der Highlights der Zeit. Verwirrende Gebäudekomplexe, martialische Waffen, semieloquente Sprüche und jede Menge versteckte Geheimkammern; So sahen Shooter 1997 noch aus. Kein Kinderkram, keine Schlauchlevel. Für echte Kerle und Kerlinnen (Schnauze, das Wort gibt’s!).

You no mess with Lo Wang

Shadow_Warrior_Penetrator__3_-pc-gamesUnd da ist es. Das Remake. Mit Schrecken denke ich an Remake-Fortsetzungsrotz wie Duke Nukem Forever und blicke skeptisch in Richtung der Neuveröffentlichung. Die Mädels von Flying Wild Hog haben ohne jedweden Zweifel Cojones, sich an eine Neufassung des Klassikers zu wagen. Wie transportiert man den Geist eines der (für mich) einflussreichsten First-Person-Games seiner Zeit ins Jahr 2013? Wichtig ist: Spaß muss es machen, unkompliziert soll es sein. Und das, um dem mal vorzugreifen, wird in vollstem Maße erreicht. Aber nicht, ohne ein wenig am Grundkonzept zu feilen. So witzig es vor knapp 15 Jahren auch war, mit dem Katana und einem schnellen Klickfinger in dämonische Horden zu preschen – Der Spieler verlangt zumindest ein Mindestmaß an Background.

Und so schlüpft der Spieler in die Rolle von Lo Wang, der in der modernen Fassung ein junger, in feschem Leder gekleideter Großstadtninja ist, der eigentlich nur ein Paket an seinen Bestimmungsort, einem Tempel, bringen sollte. Die Situation – wie sollte es anders sein – eskaliert, und die Hölle auf Erden bricht los. Dämonen, Monster und andere Ekelwesen treiben fortan ihr Unwesen im direkten Einflussbereich des Tempels. Klingt leicht grützig, ist es auch, denn letztlich – und ich wiederhole mich – geht es um den Spaß. Also schnappt sich Lo Wang sein Katana und legt los.

You half the man you used to be!

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Selbstverständlich bleibt es nicht alleine bei der traditionellen Schwertwaffe, auch Handfeuergerätschaften und Magie werden gebraucht, um die höllischen Horden zerspratzen zu lassen. Ebenfalls neu: Eine Art Skillsystem, das allerdings sehr viele unsinnige Talente mit sich bringt, zumindest was meinen Playstyle angeht, der wie folgt aussieht: „Einfach drauf!“ Das klappt nicht immer so, wie man sich das vorstellt, denn erfahrungsgemäß sind Melee-Attacken in First-Person-Games eher ungenau und oft leider auch etwas verwirrend, aber mit etwas Geduld geht das schon klar. Außer, wenn man stirbt. Zum Teil sind die Autosave-Punkte innerhalb der einzelnen Kapitel nämlich etwas spärlich gesetzt. Freunde der Quicksave-Taste kommen hier sicherlich voll auf ihre Kosten und erkennen dies korrekt als kleine Hommage an vergangene Zeiten.

2013-10-01_00001Das Leveldesign ist im Jahre 2013 außergewöhnlich. Außergewöhnlich gut und durchdacht. Zwar wird der Spieler oft an der Hand genommen und durch die CoD-typischen Schläuche gejagt, auf der anderen Seite muss man den korrekten, versteckten Weg auch mühsam suchen, stößt dabei allerdings nicht selten auf Eastereggs oder Secrets, die man anderenfalls wohl niemals gefunden hätte. Auch hier haben die Entwickler es geschafft, das warme Gefühl im Bauch, das ich als fast-volljähriger Gorefreund 1997 empfand, wieder aufleben zu lassen. Pixelige Animefigürchen, kärglich texturierte, viereckige Räume oder rauschende Sprachsamples begleiten mich auf der Erkundung durch die weitläufigen Areale. Selbst Serious Sam oder das hauseigene Hard Rest bekommen Cameo-Auftritte. Super! Kann man kaum besser machen!

You are tiny grasshopper.

1175393_351959174934678_1438719160_nDass das Spiel nichts für Kinder ist, sollte klar sein. Ob des exzessiven Gebrauchs von zumeist unnötiger Gewalt habe ich im Vorfeld mit einem üblichen Shitstorm gerechnet. Gestandene Männer, die sich darüber echauffieren, dass das ja nicht sein müsse, man unter Umständen sogar eine nackte Frauenbrust zu Gesicht bekommt. Dass dieser Fäkalsturm ausblieb, schreibe ich eben genau dieser absoluten Exzessivität zu. Übertreiben als stilistisches Mittel, die pixelgewordene Parodie auf alles, was falsch ist, garniert mit einem mäßig intelligenten aber nicht minderwitzigen Spruch. Rezept des Hauses, schmeckt vorzüglich und liegt nicht schwer im Magen. Alles richtig gemacht, Flying Wild Hog.

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Shadow Warrior was last modified: Oktober 14th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.