Shadow of the Beast von Heavy Spectrum Entertainment Labs ist auf den ersten Blick das Resultat einer heißen, zugegeben leicht verstörenden Liebesnach von Mortal Kombat X und Oddworld – Abe’s Oddysee. Bizarre Charaktere, angenehmes Sidescrollinggameplay, stylische Schauplätze… Aber gleichzeitig auch voll auf die Fresse! Wenn Beast (oder Aarbron, wie der Hauptcharakter eigentlich heißt) irgendwo vorbei kommt, sollte man am besten mehr als nur einen Wischmopp und ein paar Eimer mitbringen, wenn man will, dass wieder alles so aussieht wie vorher. Shadow of the Beast will aber vor allem eines sein: Die Wiedergeburt eines klassikers aus dem Zeitalter von Amiga, MS DOS und Floppy Disks. Als Cartoons am Samstagmorgen noch der Shit waren, die Welt noch dachte, dass jeder an der Börse ein Vermögen machen könnte und teils noch völlig unironisch Vokuhila getragen wurde.

Beast 2

Ritter und Raumschiffe

Shadow of the Beast beginnt mit einer Szene, die auch aus Star Wars stammen könnte, wenn Raumschiffe eine Armee auf der paradisisch anmutenden Welt Karamoon abwerfen und wegfliegen. Hübsche, grüne Wiesen wiegen sich im einsetzenden Abendrot, während die Kamera auf zwei Gestalten schwenkt, von denen die eine die andere an einer Art Kette antreibt. Das schwebende Geschöpf ohne Beine ist der bösartige Magier Zelek, während wir selbst das zweite, angekettete Wesen spielen: Aarbron, ein gehörntes Wesen mit Wolverine-Klauen. Besonders viel Zeit zum Nachdenken über würdige Arbeitsbedingungen wird uns allerdings nicht gelassen, denn ein Planet will erobert werden und hier geht es um Action.

Timing ist oberstes Gebot, die Gegner im 2,5D-Geschlachte kommen häufig von beiden Seiten und warten nicht darauf, bis man sich mit ihnen beschäftigt. Beast 1Gerade auf dem härtesten der Schwierigkeitsgrade ist es wichtig, sich clever zu positionieren, Gegner zu werfen und möglichst schnell am Controller zu sein. So kämpfen wir uns also durch die ersten zehn Minuten des Spiels, zerlegen Ritter blutig in ihre Einzelteile, lernen die Grundlagen des Spiels und das alles vor einer wunderschönen, Szenerie, samt 60FPS und tollen Lichteffekten. Irgendwann kommen wir zu einer Art Kloster, wo Mönche gerade ein Baby beschützen. Da wir eh die Bösen sind, haben wir auch kein Problem damit, drei friedfertige Mönche mit unseren Krallen bekannt zu machen, bis wir vor dem letzten stehen. Während Aarbronn gerade seine Hand in dessen Innereien stecken hat, erfährt er einen Flashback, wo sich herausstellt, dass er eigentlich ein Mensch und der letzte Mönch sein Vater ist. Quasi die umgedrehte Version des Darth Vader-Moments aus Star Wars. Kurz nach seiner Geburt entführt, wurde sein Körper versklavt, verändert und zur lebenden, dämonischen Waffe herangezüchtet. Eine Waffe, die sich nun gegen ihren Schöpfer Zelek wendet, der sich gerade mit dem Baby aus dem Kloster davon macht. Gibt es Einblicke in Aarbronns Charakter? Hat er Schuldgefühle, weil er gerade seinen Vater und davor wahrscheinlich zahllose andere Unschuldige umgebracht hat? Nö, aber das ist anscheinend auch egal. More stuff to kill!!

Beast 3Wen kümmert’s, wen man gerade mit seinen Klauen und Special Moves zerfetzt? Das war doch früher in Spielen auch egal. Ja, richtig – Früher. Es kann einfach nicht geleugnet werden, wieviel Zeit seit den 90ern ins Land gegangen ist und wieviele Standards sich in über drei Jahrzehnten im Bereich der Videospiele etabliert haben, gerade wenn man nostalgisch drauf ist und das original 8-Bit Shadow of the Beast anfängt, das im Hauptspiel enthalten ist. Optisch und vom Sound her macht der Playstation-exklusive Titel eine Menge her, aber leider scheinen die Entwickler sich ausgerechnet einen Standard abgeschaut zu haben, der bei den meisten Spielern eher unbeliebt ist… Quicktime Events. Aarbronn verfügt über eine Reihe von Special Moves, etwa um mehr Punkte zu bekommen oder Gesundheit zu regenerieren, aber die effektvollste wie frustrierendste Waffe in seinem Arsenal ist die sog. „Rage Chain“. Auf Kommando wird unser Antiheld wütend und leitet eines dieser Quicktime Events ein, wo ein Knopfdruck reicht, um einen Gegner zu killen. Das erleichtert das Leben zwar enorm, aber es wird sehr schnell repetitiv. Vertut man sich einmal, ist das Event vorbei, wobei die Zeitfenster für den richtigen Tastedrück immer kleiner werden. Da hätte sich doch sicherlich ein besseres System finden lassen. Immer wieder mal wird das Kampfgeschehen durch Plattformsequenzen und Hindernisse im Level aufgelockert. Früh im Spiel muss man z.B. eine Brücke überqueren, die von feuerspeienden Schlangenstatuen gesäumt wird, während die Brück sich langsam in eine Wand zurück zieht. Auch hier möchte wieder der richtige Moment abgepasst werden, damit man nicht von der Brücke fällt oder verbrannt wird. Das, die nett gemachten Bosskämpfe und die unterschiedlichen Gegnertypen retten das Spiel vor der Monotonie. Übrigens gibt es durchaus eine ganz nette Story, aber die existiert zwischen den Leveln als Gemälde, die von einem Erzähler besprochen werden. Man läuft nur leider Gefahr, einfach daran vorbei zu rennen, weil man die Episoden der Geschichte auf der Levelkarte extra anwählen muss.

Fazit

Es sollte erähnt werden, dass Shadow of the Beast zwar nur mit 15-20€ im Playstation Network zu Buche schlägt, aber auch nicht gerade das längste Spielerlebnis überhaupt ist – Nach ca 4-5 Stunden ist auf dem höchten Schwierigkeitsgrad Schluss. Dafür gibt es aber auch eine TONNE von Unlocks, die sich zwischen den Levels freischalten lassen. Passive Attribute sind hilfreich und verändern das Spiel manchmal sogar, es gibt neue Spezialangriffe, Artworks und sogar neue Sprachen lassen sich lernen. Beim ersten Durchlauf versteht man nämlich nichts, was die Charaktere sagen und mit neuen Sprachen gibt es Untertitel, die helfen, mehr Sinn in alles hereinzubringen. An wen richtet sich das arcadelastige Beat’Em Up denn jetzt? Es ist wunderschön und in die Ästhetik, die eine seltsam fremde wie vertraute Mischung aus Science Fiction- und Fantasyszenario bildet, ist offensichtlich viel Liebe geflossen. Die Gegner sind meist grotest und haben einen eigenen Stil, genau wie die Schauplätze. Das Gameplay ist gleichzeitig flüssig und cool, aber manchmal auch etwas monoton wegen der Quicktime Events. Man sollte kein wahnsinnig abendfüllendes Spielerlebnis erwarten, aber Achievementjäger und Actionfans dürften hier gleichermaßen auf ihre Kosten kommen.

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Shadow of the Beast was last modified: Juli 14th, 2016 by Jan Homrighausen

Mag clevere Videospiele, laute E-Gitarren und gute Bücher. Killt in seiner Freizeit gerne Mutantenhorden, Verbrechersyndikate, gefallene Götter, außerirdische Imperien und allerlei anderes Kroppzeug, das sich nicht benehmen kann. Fantasy- und Sci-Fi-Nerd durch und durch.