Als im letzten Jahr (also 2016, falls ihr das hier später lesen solltet) das Spinoff-Prequel der Sternenkriegsaga „Rogue One“ in die Kinos kam, war ich zugegebenermaßen positiv überrascht. Ich hätte nicht erwartet, dass ein Film außerhalb einer Trilogiereihe mit völlig neuen Charakteren überzeugend kanonkonform sein kann. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an den Comic, der nun auch in Deutschland im schicken Paperback verfügbar ist.

Leider bleibt nach Zuklappen des 144 Seiten starken Heftes ein fader Beigeschmack zurück. Sicher, die Story des Films wurde genau übernommen, leider fehlt mir hier der Star Wars-Spirit. Die Geschichte ist lückenhaft erzählt und ergibt für Leser, die den Film nicht gesehen haben, teilweise nicht wirklich Sinn. Es werden für mich essenzielle Szenen übersprungen und fast der gesamte Comic-Relief geht verloren. Außerdem kommt es mir fast vor, als wäre im Schlussteil ordentlich durchgehetzt worden. Denn während die Einführung sehr ausgeschmückt und ausufernd erzählt wird, wird sich im großen Finale sehr knapp gehalten.

Bei einer so guten Vorlage wundert es mich schon sehr, dass Jody Houser im Übertrag auf Papier so mittelmäßige Arbeit geleistet hat. Dabei hat die Autorin mit JLA-Ausgaben, The Gathering und Supergirl einige Brecher im Kerbholz, wahrscheinlich hat da jemand von Disney unqualifiziert mit reingepfuscht. Was sich leider auch in den Zeichnungen von Emilio Laiso (Hack/Slash, Robocop: Beta) widerspiegelt. Offensichtlich wurde versucht, Szenen aus dem Film 1:1 nachzuzeichnen, was gerade aber bei den Gesichtern der Charaktere etwas in die Hose gegangen ist. Sämtliche Panels sehen durchgepaust aus, die Gesichtsausdrücke unnatürlich – ich musste mehr als ein Mal den Kopf schütteln. Ich finde es schade, dass eine solche Story eine fast unwürdige Adaption in Comicform erhalten hat. Gerade das Cover lädt eigentlich dazu ein, das Heft für knapp 18 Euro im Affekt zu kaufen, denn die äußere Gestaltung ist top. Dass das Innenleben dermaßen enttäuschend ist, kann gerade bei der Star Wars-Franchise eigentlich niemand erwarten. Immerhin bekommt der Leser eine Vorgeschichte präsentiert, die in dieser Form nicht im Film vorkam und die Frage beantwortet, wie die Rebellen an die Information bezüglich des Aufenthaltsortes von Galen Erso und in den Besitz des imperialen Droiden K-2SO kamen.

Rogue One: A Star Wars Story ist in seiner Gestalt der Comicadaption für mich leider sehr enttäuschend gewesen. Ich empfehle, lieber die Bücher aus der Star Wars Kollektion oder die Poe Dameron-Reihe zu lesen. Nicht nur, weil Poe Dameron einfach der Beste ist, sondern weil hier wesentlich mehr Liebe in Ausgestaltung und Storytelling geflossen ist.

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Rogue One: A Star Wars Story was last modified: Dezember 22nd, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.