Das DLC-Massaker für Gitarristen in einer neuen Version. Ist neuer gleich besser?

Echte Gitarrenspieler haben spätestens seit dem Release von Rocksmith Ende 2012 ihre Plastikklampfen in die Ecke geschmissen und bis heute nicht wieder rausgeholt, denn dank des mitgelieferten Kabels ist es möglich, die eigene Gitarre (respektive Bass) an die heimische Spielekonsole (respektive PC) anzuschließen und im altgewohnten Stil bunte Noten auf Linien zu treffen und somit einen Song zu lernen/spielen/meistern. Unser Review sagt euch, wie das so war.

Auch dieses Jahr lässt Ubisoft sich nicht lumpen und bringt eine aktualisierte Version des Titels auf den Markt: Rocksmith 2014 Edition. Ähnlich wie bei der FIFA-Reihe, wird hier das Suffix des Folgejahres gewählt, was auf eine jährliche Erscheinungsweise schließen lässt, sprich: Es ist damit zu rechnen, nächstes Jahr ein „Rocksmith 2015“ im Regal stehen zu haben.

Doch was bringt dem Spieler eine neue Version? Der Vorgänger wurde bereits mit gefühlt 350 DLC-Songs bis zum bitteren Erbrechen erweitert – da muss Ubi schon mit etwas mehr um die Ecke kommen als mit einer neuen Tracklist. Und das tun sie. Allem Anschein nach haben die Entwickler bei der Kreation verschärft auf das Feedback der Spieler geachtet, denn viele Malen, die im ersten Teil übel aufstießen, wurden ausgemerzt, was bereits beim ersten Start des Spiels positiv auffällt.

Aller Anfang ist leicht

WebIch werde von einem hellen, freundlichen Layout begrüßt, das mich sehr eingängig durch die verschiedenen Spielmodi und Optionen leitet. Ganz anders als im Vorgänger, bei dem es sehr oft sehr unklar war, was das Spiel denn jetzt überhaupt möchte. Auch die vorgegebene Reihenfolge, in der man die mitgelieferten Songs spielen muss, war alles andere als userfreundlich und verdarb dem Spieler beim mehrmaligen Wiederholen von ungeliebten Liedern, schnell den Spielspaß. Die 2014 Edition macht hier keine Vorgaben, jeder Track ist von Null an verfügbar, hier muss nichts erst mühsam freigespielt werden. Die Tracklist ist wieder mal für den amerikanischen Markt konzipiert worden und enthält demnach Songs, die hierzulande nicht den Popularitätsgrad genießen wie in Übersee. Auch haben anscheinend viele „Füller“ den Weg ins Spiel gefunden.

Gitarreros, die bereits die ursprüngliche Fassung spielten, werden wahrscheinlich wehmütig mit einemweinenden Auge zurückblicken in Hinsicht auf die damaligen Liebingssongs. Wie auf der gamescom 2013 angekündigt ist es allerdings möglich, eben diese Songs per DLC in der diesjährigen Fassung zu rocken, allerdings muss hierfür wieder etwas tiefer in die Tasche gelangt werden. Um die 10 Euro verlangt Ubisoft für den Download der 2012er Tracklist. Das hört sich jetzt im Vergleich zu anderen DLC-Paketen nach viel Geld an, angesichts des Umfangs ist das allerdings weniger als gedacht. Ich hätte mir aber gewünscht, dass alteingesessene Spieler eben dieses Päckchen als Treuebonus gratis bekommen hätten; ich bin allerdings zuversichtlich, dass dieser DLC kurz nach Release umsonst angeboten werden wird, immerhin stand Ubisoft bereits beim Thema „Assassin’s Creed 4 Onlinepass“ stark in der Kritik und hat entsprechend reagiert.

Ebenfalls neu: Die optische Umsetzung der anzuwendenden Spieltechniken. So werden Bendings (sogar in beide Richtungen) visuell dargestellt, Vibratos präzisiert und Akkorde verständlicher abgebildet. Alles in Allem ist Rocksmith intern wesentlich spielbarer geworden, die Informationen, die der Spieler braucht erreichen diesen um einiges direkter und klarer.

Jammen mit der virtuellen Band

rocksmith_2014_01Die wohl gravierendste Neuerung ist aber ganz klar: Der Session-Mode. Wie bereits in unserer gamescom-Preview berichtet, hat der Spieler hier die Möglichkeit, mit einer individuellen, virtuellen Band zusammenzuspielen, die sich dem Playstyle des Gitarristen anpasst. Dabei kann der User vier Instrumentenplätze nach Belieben mit KI-Backup belegen oder aus vorgefertigten Band-Templates wählen und hat so direkten Zugriff auf bestimmte Genres wie Metal, Rock oder Blues, zu denen dann nach Lust undLaune gejamt werden kann. Natürlich kann hier ein zweiter Mitspieler – egal ob Gitarre oder Bass – einsteigen. Für jedwede Form des Multiplayers – Session-Mode, Duel-Mode oder Coop – ist selbstverständlich auch ein zweites Kabel erforderlich. Das kann einzeln gekauft werden, ebenso wie die Spieledisc, die aber auch im Paket inklusive Kabel und in einem etwas größeren Paket inklusive Kabel und Einsteigergitarre verkauft wird.

d9a67bad64fe5e99c9edbfb18a778fd4Auch haben sich die Ubis es nichtnehmen lassen, die Guitarcade-Games ordentlich aufzupolieren. Der Guitarcade-Bereich bietet Anfängern und Profis zugleich eine spielerische Herausforderung in Form von Minigames. Ob man nun Quietscheentchen per Tonhöhe abschießt oder durch eine Art Platformer die Tonleitern der verschiedensten Tonarten lernt – Der Effekt ist immer der gleiche: Der Umgang mit dem Instrument wird verbessert. Das funktioniert hier besser als im eigentlichen Spiel, in dem bisweilen die Schwierigkeitsstufe innerhalb der Songs zu schnell zu stark angezogen wird und erneut ein Ansteigen des Frustfaktors festzustellen ist.

Für Profis und Einsteiger

00_rocksmith_2014_editiion_launch_screenshot_010Aber die Mädels von Ubisoft wandeln hier ohnehin auf schmalem Grad, alleine dadurch, dass die ursprüngliche Zielgruppe geändert beziehungsweise erweitert wurde. Standen ursprünglich die Gitarrenspieler im Fokus, die bereits ein gewisses Grundkönnen mit in die Beziehung mit einbringen konnten, werden anscheinend nun auch „Nichtskönner“ angesprochen. So werden bei der Auswahl eines Songs gleichzeitig Tipps gegeben, wie man sein Gitarrenspiel für diesen Song verbessern kann, beispielsweise durch das Üben bestimmter Techniken. Die Einleitungs- und Erklärungsvideos bringen die benötigten Informationen in der neuesten Version nun wesentlich einleuchtender rüber, und werden wesentlich schneller geladen. Allgemein wurde kräftig an den Ladezeiten geschraubt. Wo Rocksmith 2012 noch rödelte bis der Arzt kam, ist man in der 2014er Version fast instant im Spiel und kann losrocken. Diesmal sogar mit während des Spiels wechselnden Effekten. Dies war ebenfalls ein großer Malus beim Vorgänger: Die Limitation auf einen einzigen Gitarrensound während eines Songs. Zwar wurde sich damals Mühe gegeben, einen möglichst songkompatiblen Kompromiss zu finden, richtig gut hörte sich das allerdings leider nie an. Der neue automatische Wechsel zwischen den Effekten hebt das Spielerlebnis auf ein neues Level, man bekommt fast das Gefühl, wirklich ein Teil der Band zu sein, auch wenn der eigentliche Gitarrist zu jeder Zeit mitspielt, anders als bei den Genrekollegen Guitar Hero oder Rockband.

Ebenfalls gearbeitet hat Ubisoft am Input-Lag des Eingangsignals aus der Gitarre, das via Kabel zur abspielenden Hardware trasportiert wird, und zwar softwareseitig. Zwar muss man immer noch darauf achten, dass man nach Möglichkeit seinen Audioverstärker direkt ansteuert und nicht erst den durchschleifenden Weg durch den  Fernseher geht, weil man sich verständlicherweise sonst am Rande der Unspielbarkeit bewegt; hat man die Hardware-Hürde jedoch erst überwunden, reagiert das Spiel fast augenblicklich auf die Eingaben des Spielers.

Fazit

rocksmith-edition-2014-playstation-3-ps3-1377088731-006Wow. Es ist fast unglaublich, was die Entwickler aus einem bereits großartigen Spiel machen konnten. Anscheinend wurde das Feedback der User des Vorgängers verarbeitet, weitergedacht und direkt ins Spiel eingebaut. Schnelle Reaktions- und Ladezeiten, kombiniert mit neuen Spielmodi, dem Session-Mode und gravierenden Verbesserungen im Spiel selbst lassen die Serie in neuem Licht erstrahlen. Negativ fällt wieder einmal die DLC-Politik auf, sowohl was neue Songs angeht, als auch bezüglich der Tracklist von Rocksmith 2012.

Rocksmith wird zunehmend einsteigerfreundlicher, nicht nur was das Gitarrenspiel angeht, sondern auch in der Bedienung des Interfaces. Alte Hasen können zum Auffrischen ihres Könnens ruhigen Gewissens zur letztjährigen Fassung greifen, Einsteiger und Freigeister greifen ob des individuellen Story-Modes auf Rocksmith 2014 Edition zurück. Steam-Käufer sollten bedenken, dass zwingend das Rocksmith-Kabel benötigt wird, dabei kann das gleiche Kabel aufgrund des treiberlosen Interfaces für alle Plattformen (Xbox 360, PS3 und PC) verwendet werden.

Die komplette Tracklist
  • Aerosmith – Walk This Way
  • Alice Cooper – No More Mr. Nice Guy
  • Alice In Chains – Stone
  • Arctic Monkeys – R U Mine?
  • Avenged Sevenfold – Bat Country
  • Bob Dylan – Knockin‘ On Heaven’s Door
  • Boston – Peace Of Mind
  • Bush – Machinehead
  • B’z – ultra soul
  • Def Leppard – Pour Some Sugar On Me (2012)
  • Deftones – My Own Summer (Shove It)
  • EarlyRise – Wasteland
  • Fang Island – Chompers
  • Foo Fighters – Everlong
  • Gold Motel – Brand New Kind Of Blue
  • Green Day – X-Kid
  • Iron Maiden – The Trooper
  • Jack White – Sixteen Saltines
  • JAWS – Stay In
  • Joe Satriani – Satch Boogie
  • Kiss – Rock And Roll All Nite
  • La Sera – Love That’s Gone
  • Magic Wands – Black Magic
  • Mastodon – Blood and Thunder
  • Minus The Bear – Cold Company
  • Monster Truck – Sweet Mountain River
  • Muse – Knights Of Cydonia
  • Nirvana – Heart Shaped Box
  • Oasis – Don’t Look Back In Anger
  • Pantera – Cemetery Gates
  • Paramore – Now
  • PAWS – Sore Tummy
  • Queen – We Are The Champions
  • Radiohead – Paranoid Android
  • Ramones – Blitzkrieg Bop
  • Ratt – Round And Round
  • Red Fang – Wires
  • R.E.M. – Losing My Religion
  • Rise Against – Savior
  • Rush – The Spirit Of Radio
  • Screaming Females – Rotten Apple
  • Slayer – War Ensemble
  • Splashh – All I Wanna Do
  • System Of A Down – Hypnotize
  • Tak Matsumoto – GO FURTHER
  • The Dear Hunter – Stuck On A Wire Out On A Fence
  • The Kinks – You Really Got Me
  • The Police – Every Breath You Take
  • The Rolling Stones – Paint It Black
  • The Shins – For A Fool
  • The Smashing Pumpkins – The Chimera
  • The Who – My Generation
  • Tom Petty And The Heartbreakers – Mary Jane’s Last Dance
  • Weezer – Say It Ain’t So
  • White Zombie – Thunder Kiss ’65

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Rocksmith 2014 Edition was last modified: November 4th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.