Ich war ja immer so ein Guitar-Hero-Kind. Ganz damals, zur Hochzeit der GH-Reihe, als noch nicht die 350. Erweiterung in die Spieleregale der Welt gepresst wurde, habe ich die Dinger ohne Pause auf meiner PlayStation 2 gespielt. Bis die Finger bluteten und die Ohren vom ständigen Geklapper der Plastikgitarre schmerzten. Jüngst hat Activision den neuesten Teil, Guitar Hero Live, angekündigt, und in diesem Zuge auch die neue Gitarre. Statt der fünf Griffbretttasten prangen nun sechs Tasten, je drei Mal zwei nebeneinander, auf dem Hals. Eine unsinnige Änderung, die die Kompatibilität zu bisheriger Hardware natürlich unmöglich macht.

Grund genug für mich, ins Rock Band-Lager zu wechseln.Meine PS2-Gitarren kann ich ohnehin weder an Xbox One, noch an meine PS4 anschließen. Also durchstöbere ich die Ebay Kleinanzeigen nach gebrauchten Instrumenten, da das Rock Band 4-Komplettpaket inklusive Gitarre, Schlagzeug und Mikro schlappe 300 Euro kosten soll. So bekommt man letztlich die „gleiche“ Hardware für einen Bruchteil des Preises – Abwärtskompatibilität sei Dank. So können auch alte Rock Band-Hasen ihre Geräte aus dem Keller holen, entstauben, und nach dem altbewährten Prinzip direkt losrocken (innerhalb der jeweiligen Konsolenfamilie).

Harmonix und Mad Catz (als Hardware-Partner) ermöglichen nicht nur das Verwenden bereits vorhandener Instrumente, sondern auch das Spielen bereits gekaufter Songs. Diese müssen allerdings einzeln im jeweiligen Store heruntergeladen werden, was das Procedere etwas schwieriger macht, als es sein müsste. Aber bei den Preisen, die da pro Song und/oder Songpaket aufgerufen werden, macht man sich gerne mal die Arbeit. Von 79 Cent bis knapp zwei Euro pro DLC ist alles dabei, weswegen man da schon ein paar Taler lassen kann.

Gerade bei der Auswahl der On-Disc-Songs greift der Spieler schnell zur Geldbörse, um das etwas öde Arsenal etwas aufzupeppen. Wie es bei internationalen Titeln so üblich ist, konzentriert sich die Riege des Liedgutes oft auf den Markt, auf dem das Spiel ursprünglich erscheint – In diesem Fall also Nordamerika. Kulturelle Unterschiede führen dazu, dass viele der Songs oder Bands hierzulande völlig unbekannt sind. Das heißt zwar, dass man viele neue Lieblinge entdecken kann, sich aber auch durch viel Quatsch quälen muss. Das war bei Guitar Hero so, das war bei Rocksmith so, und das wird auch immer so bleiben.

Das Konzept des Spiels funktioniert wie eh und je: Bunte Noten fliegen dem Spieler entgegen, die zum richtigen Zeitpunkt auf dem jeweiligen Instrument (Gitarre, Schlagzeug, Bass) gespielt werden müssen. Insgesamt vier Schwierigkeitsstufen verändern die Authentizität des Gespielten von „Hm, naja“ auf „Bitte, aufhören!“. Dabei haben Spieler, die bereits eins oder mehrere Instrumente im echten Leben beherrschen – wie immer – einen unfairen Vorteil, aber auch Neulinge bekommen den Dreh schnell raus und können zumindest auf der mittleren Stufe den ein oder anderen Song bestehen.

Rock Band 4 unterstützt außerdem bis zu drei gleichzeitige Sänger, die entsprechend drei Mikrofone benötigen. Somit muss man, um die wirklich sehr geräuschintensive Hardware des Schlagzeugs UND drei grölende Freunde zu übertönen, die Hi-Fi-Anlage noch ein Stückchen weiter aufdrehen. Da freuen sich die Nachbarn. Apropos „Hi-Fi-Anlage“: Die Latenz, also der Versatz von Ton- und Bildausgabe, gekoppelt mit der Eingabeverzögerung der Instrumente, war immer ein großes Manko von Musikspielen. Gerade Menschen, die Ihre Signale durch Fernseher- und Hifi-Kanäle hin- und herschleusen, bemerken oft, dass bestimmte Games am Rande der Unspielbarkeit kratzen. Beim erstmaligen Start von Rock Band 4 wird ein sehr einfach zu verstehendes und effektives Einrichtungsprogramm gestartet, dass die Latenzzeit auf ein Minimum reduzieren soll. Bei meinem Setup funktioniert das recht gut, man bekommt sogar die exakten Werte genannt, damit eine spätere Neueinrichtung und/oder Korrektur schneller und simpler von Statten gehen kann.

Mein Freundeskreis hat sich mittlerweile schon wieder selbst eingeladen, weil die Erinnerung an die Hochzeit der Musikspiele immer noch positiv in den Köpfen widerhallt und der Spaß am Spiel wie gewohnt aufflammt, sobald man an die klackenden Plastikgitarren denkt. Und wer weiß, wie viele echte Bands durch diese Titel entstanden sind. Weitermachen!

Alle Songs in Rock Band 4:
(Quelle: Wikipedia)

  • .38 Special – „Caught Up In You“
  • 4 Non Blondes – „What’s Up?“
  • Aerosmith – „Toys in the Attic“
  • Arctic Monkeys – „Arabella“
  • Avenged Sevenfold – „Hail to the King“
  • Benjamin Booker – „Violent Shiver“
  • The Black Keys – „Fever“
  • The Both – „Milwaukee“
  • Brad Paisley ft. Keith Urban – „Start a Band“
  • Brandi Carlisle – „Mainstream Kid“
  • Cake – „Short Skirt/Long Jacket“
  • The Cure – „Friday I’m In Love“
  • Dark Wheels – „V-Bomb“
  • Disturbed – „Prayer“
  • Dream Theater – „Metropolis – Part 1 ‚The Miracle and the Sleeper'“
  • Duck & Cover – :Knock Em Down“
  • Eddie Japan – “Albert”
  • Elvis Presley – „Suspicious Minds“
  • Fall Out Boy – “Centuries”
  • Fleetwood Mac – „You Make Loving Fun“
  • Foo Fighters – „The Feast and the Famine“
  • Gary Clark, Jr. – „Ain’t Messin‘ ‚Round“
  • Gin Blossoms – „Follow You Down“
  • Grouplove – „Tongue Tied“
  • Halestorm – “I Miss The Misery”
  • Heart – “Kick It Out”
  • Heaven’s Basement – “I Am Electric”
  • Imagine Dragons – „I Bet My Life“
  • Jack White – „Lazaretto“
  • Jeff Allen – „Recession“
  • Johnny Blazes and the Pretty Boys – „Cold Clear Light“
  • Judas Priest – „Halls of Valhalla“
  • The Killers – „Somebody Told Me“
  • Lightning Bolt – “Dream Genie”
  • Little Big Town – „Little White Church“
  • Live – „All Over You“
  • Lucius – „Turn It Around“
  • Lynyrd Skynyrd – „That Smell“
  • Mark Ronson feat. Bruno Mars – „Uptown Funk“
  • The Mighty Mighty Bosstones – „The Impression That I Get“
  • Mumford & Sons – „The Wolf“
  • The Outfield – „Your Love“
  • Ozzy Osbourne – „Miracle Man“
  • Paramore – „Still Into You“
  • The Protomen – „Light Up The Night“
  • Queens of the Stone Age – „My God is the Sun“
  • R.E.M. – „The One I Love“
  • Rick Derringer – “Rock and Roll, Hoochie Koo”
  • Rush – “A Passage To Bangkok”
  • Scandal – „The Warrior“
  • Scorpions – “No One Like You”
  • Slydigs – “Light The Fuse”
  • Soul Remnants – “Dead Black (Heart of Ice)”
  • Soundgarden – „Superunknown“
  • Spin Doctors – „Little Miss Can’t Be Wrong“
  • St. Vincent – „Birth in Reverse“
  • System of a Down – “Spiders”
  • Tijuana Sweetheart – „Pistol Whipped“
  • U2 – „Cedarwood Road“
  • U2 – „I Will Follow“
  • Van Halen – „Panama“
  • Van Morrison – „Brown Eyed Girl“
  • The Warning – „Free Falling“
  • White Denim – “At Night In Dreams”
  • The Who – „The Seeker“

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Rock Band 4 was last modified: Oktober 15th, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.