Neben EVE: Valkyrie war wohl Robinson: The Journey eines der PlayStation VR-Games, auf die ich mich am meisten gefreut habe. Seit den ersten Teaser-Trailern blieb mein Hype-Level immer oberhalb der 100%-Grenze. Ich meine, schaut euch mal dieses Ding hier an:

Ein unglaublich tolles Teil. Es ist schön inszeniert, man weiß sofort, um was es geht und es sieht atemberaubend gut aus. Eine perfekte Introsequenz, um den Spieler auf das vorzubereiten, um was es geht: Das Überleben auf einem fremden Planeten.

Enttäuschender Start trotz toller Optik

robinson_01Leider kommt im eigentlichen Spiel alles anders. Die wohl liebloseste Introsequenz der Welt, ein Bild und circa drei Zeilen Text, werfen uns direkt ins Geschehen. Ein Raumschiff ist abgestürzt und auf einem Planeten notgelandet. Offensichtlich ist Robin, ein Junge, seit über einem Jahr vollkommen alleine hier. Naja, nicht völlig alleine, denn er hat HIGS, eine schwebende, sprechende Kugel, die quasi eine Mischung aus C-3PO (Star Wars) und Wheatley (Portal 2) darstellt. Und Laika, ein junges T-Rex-Mädchen, das Robin überall hin folgt. Dazu aber später mehr.

Die Grafik ist atemberaubend gut. Gerade für ein VR-Spiel, das von einer PS4 befeuert wird, und in dem man sich in der Egoperspektive frei bewegt. Hier zeigt das Crytek-Team mal wieder, was es auf dem Kasten hat. Zwar sieht man an einigen Stellen, dass hier ordentlich gepfuscht wurde, insbesondere bei der Levelgeometrie und bei zweidimensionaler Vegetation, das Gesamtbild wirkt aber insgesamt stimmig. Gerade die Kombination von Grafik und Sound versetzt den Spieler direkt in einen prähistorischen Dschungel, denn Tyson III is übersät mit Dinosauriern, und zwar jene, die schon for 65 Millionen Jahren auf der Erde lebten. Tyrannosaurier, Pterosaurier – Mein zwölfjähriges Ich springt im Geiste vor Freude. Für den zwölfjährigen Robin sind die Echsen längst zum Alltag geworden, ja sogar zum Ärgernis. Sie machen alles kaputt, stehlen Gegenstände und sind, am Beispiel der Raptoren im späteren Spiel, sogar eine tödliche Gefahr. Einige der Dinos im Spiel sind nach realen Vorbildern geformt, einige wenige entspringen der Fantasie der Designer, wobei hier von einer wirklichen Masse an Urzeitechsen auch nicht die Rede sein kann.

Fehlender Move-Support

robinson_02Die Steuerung funktioniert ausschließlich mit dem Dualshock-Controller. Was mich sehr wundert, denn Robin hält in der digitalen Welt ständig ein Gerät hoch, das fast exakt aussieht wie ein Move-Controller. Statt dessen muss ich das Zielen durch Bewegen meines Kopfes ausführen. Das ist nicht nur bei der Bedienung besagten Geräts, das einerseits als Scanner und andererseits als Antigravitations-Phaser agiert, äußerst mühsam, vor allem bei den vielen Kletterpassagen kommt hier Frustration auf. Das hätte man besser lösen können. Dafür bietet die Scanner-Funktion des Gerätes den größten Spaß im Spiel. Aktiviert man diese und richtet das Gerät auf herumstreunende Tiere, so kann man in einem Minigame Informationskugeln sammeln. Die grünen gilt es aufzunehmen, die roten zu vermeiden, denn diese setzen den bisherigen Sammelfortschritt zurück. Je größer das Tier, desto mehr farbige Kugeln bevölkern seinen Körper.

Da man sich selbst durch die virtuelle Realität bewegt und nicht nur – wie beispielsweise in Batman Arkham VR – starr an einem Fleck steht und sich höchstens mal teleportiert, kommt – zumindest bei mir – Motion Sickness auf. Und zwar die stärkste, die ich jemals in VR erlebt habe. Trotz der „Snap“-Drehungen, die die Spielfigur nur auf bestimmte Gradzahlen rotieren lässt, und genau diesen Effekt verhindern soll, muss ich regelmäßige Pausen einlegen, um mich nicht zu übergeben. Das schaffen sonst nur konstante Barrel-Rolls in EVE: Valkyrie.

Der beste Freund des Menschen

robinson_03Der Baby T-Rex Laika, der uns in Robinson: The Journey konstant begleitet ist mehr Mittel zum Zweck als ein tatsächlicher Charakter, wie es die brabbelnde Metallkugel HIGS ist. Der kleine Dino reagiert (manchmal) auf Rufe um Gegner anzuknurren oder „bei Fuß“ zu kommen und soll so helfen, bestimmte Rätsel zu lösen, welche die spielerische Essenz von Robinson: The Journey darstellen. Robins Aufgabe ist es nämlich, auf dem Planeten zu überleben. So muss er beispielsweise seine Stromversorgung aufrecht erhalten oder bestimmte Maschinen wieder in Gang setzen. Das Ganze ist vollständig linear aufgebaut und macht aufgrund der erwähnten sehr hakeligen Steuerung nur bedingt Spaß. Die Speicherpunkte, die dabei helfen, Rätsel aufgrund des Bildschirmtodes unseres Protagonisten zu wiederholen, scheinen oft willkürlich gesetzt zu werden, sobald man aber erstmal erkennt, was das Game vom Spieler überhaupt verlangt, sind etwaige Verluste nicht besonders schwer zu verkraften. Aber genau da liegt der Knackpunkt. Oft sind die Lösungen, auf die der Spieler kommen muss, zu einfach und banal, um darauf zu kommen.Ob das nun an der FSK12-Freigabe oder am mangelnden Einfallsreichtum der Game-Designer liegt, lass ich mal so im Raum stehen.

Die deutschen Stimmen im Spiel sind außerordentlich gut gewählt. Hier merkt man deutlich, dass Profis am Werk waren, sowohl vor, als auch hinter dem Mikrofon. Generell ist das gesamte Produktionsvalue von Robinson: The Journey unglaublich hoch: Grandiose Grafik, Sounds, tolle Engine, tolle PSVR-Umsetzung. Dies spiegelt sich allerdings auch leider im Preis wider, denn Crytek ruft den Vollpreis (zu Release 69 Euro) für maximal 5 Stunden Spielzeit auf. Das ist meines Erachtens etwas zu hoch gegriffen, auch wenn das Minigame, in dem man Dinos, Mäuse und Insekten scannen muss, ziemlich viel Spaß macht. Hier liegt aber auch der einzige Punkt der einen gewissen Wiederspielwert birgt, beispielsweise, wenn man noch ein Tier zur Vervollständigung des Kodex benötigt.

Fazit

Robinson: The Journey bringt VR-Games auf der Konsole auf einen guten Weg, zumindest was die grafische Komponente angeht. Hier werden trotz des frühen Stadiums der VR-Spieleentwicklung für die Couch die Rechenleistung der PS4 gut genutzt und tolle Bilder auf die VR-Brille gezaubert. Besonders gehaltvoll fühlt sich das Spiel allerdings nicht an. Etwas zu zweckmäßige Rätsel und eine hakelige Steuerung in Verbindung mit (persönlicher) Motion Sickness trüben den Spaß an der atmosphärisch dichten Welt etwas. Und für das, was man bekommt, ist der Preis zu Release etwas zu hoch. Vielleicht patcht Crytek ja noch eine Move-Controller-Steuerung nach, was bei diesem Spiel absolut Sinn machen würde. Das wäre der Immersion mehr als zuträglich. Bis dahin empfehle ich, Robinson: The Journey in Maßen (nicht: „Massen“) zu genießen und, falls ihr anfällig für Schwindel und Übelkeit seid, öfter mal eine Pause zu machen.

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Robinson: The Journey was last modified: November 10th, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.