Nicht nur Sonic feiert dieses Jahr Geburtstag, sondern auch Rayman lädt zum Jubiläum. Als Geburstagsgeschenk spendiert Ubisoft dem Mann ohne Extremitäten ein neues Spiel.

Naja, eigentlich wäre er letztes Jahr stolze 15 geworden – dennoch ist Rayman weder einen Tag älter, noch um Arme oder Beine reicher geworden. 1995 fand man das erste Spiel der Reihe auf geschätzt 4 Millionen Playstations und PCs – damals noch in 2D. Acht Jahre nach seinem letzten „großen“ Auftritt 2003 in Rayman 3 – hier schon dreidimensional umgesetzt – und unzählige Spin-Offs (Bwaaaah!) später bekommt der Mann mit dem Scheitel endlich wieder ein Vollpreistitel für die „Hauptkonsolen“.

Wo bleibt mein Drei-Deh?

Rayman Origins – so der Titel des neuesten Ablegers präsentiert sich wieder, wie Freunde des ersten Teils es gewohnt sind: Zwidimensional. Oho, was ist da los? Michel Ancel (ja, er ist Franzose), der bereits seit 1995 den Faustwirbel seinen geistigen Sohn nennen darf, kann das auch erklären:

Michel Ancel (Franzose)

Nach so vielen Jahren komplexer 3D-Spiele, ist es wirklich großartig, sich wieder eines so direkten Stils bedienen zu können. Außerdem sind heutige Konsolen in der Lage atemberaubende 2D-Grafiken darzustellen.

Da mag er recht haben, der Michel (der übrigens auch Beyond Good and Evil aus dem Hut gezaubert hat), denn Rayman Origins kommt wahrlich wunderhübsch daher. So präsentiert sich das Spiel quasi als interaktiver Zeichentrickfilm – handgezeichnete Figuren, liebevoll animiert, kombiniert mit der Grafikpower der Microsoft-Konsole. Ich persönlich bin ja nicht nur ein erstklassiger Terroristenjäger, sondern werde auch des öfteren von der Comicschmiede „Marvel“ als stilistischer Berater konsultiert. Ich weiß also, wovon ich rede, wenn ich sagen: „Jau, dat Spiel sieht klasse aus.“ Es müssen wirklich nicht immer 3D-Effekte sein bis der Schlaganfall droht.

Und was ist mit der Story?

Story? Wie auch immer man das nennt, was die Jungs aus Montpellier hier hinter der schönen Fassade verstecken: Die Darktoons, die bislang in der „Welt des Vergessens“ gefangen waren, kommen raus und machen ordentlich Radau. Rayman muss also los und alles zu Klump boxen. Klingt nicht besonders aufregend – ist es auch nicht. Aber ehrlich gesagt ist die Story hier auch zu vernachlässigen, denn zu viel Inhalt und Tiefgang würde – meines Erachtens – den Spielfluß, den Origins mitbringt, zugrunde richten. Selbst fünfsekündige Cutscenes am Levelanfang lassen den Spieler schon ungeduldig auf der Couch auf- und abhüpfen, denn es soll ja schließlich weitergehen.

Insgesamt 11 Welten mit insgesamt 63 Leveln gilt es zu meistern. Das klingt erstmal nicht viel, die Spielwelten sind allerdings mitunter relativ lang. Außerdem möchte ja jedes Geheimnis entdeckt werden, und das muss man erstmal schaffen, denn die Leveldesigner haben sich sehr viel Mühe beim Verstecken gegeben.

The way of the fist

Spieltechnisch haben wir es ganz klar mit einem klassischen Jump-and-Run zu tun. Plattformhüpferei wechselt sich mit den allseits verhassten Unterwasserleveln und Sidescrolling-Flugeinlagen ab. Trotzdem kommt nicht die Spur von Eintönigkeit oder Langeweile auf. Das Leveldesign sucht seinesgleichen und wird nur noch von Super Meat Boy übertroffen, gleichen sich doch die Grundzüge aufs Haar: So elegant vom Start bis zum Ziel hüpfen, dabei möglichst nicht das einzige Leben verlieren und dazwischen so viele Punkte wie möglich sammeln.

Kleine Morde unter Freunden

Während des Spielens schaltet man nach und nach gewisse Fähigkeiten frei; ob das nun der Faustschlag oder der Schwebeflug ist – alle wollen gemeistert werden. Das ist nicht zu schwer, denn Ubisoft möchte natürlich auch unerfahrenere Spieler ansprechen. Obwohl der Schwierigkeitsgrad ab einem gewissen Spielfortschritt sehr weit oben angesiedelt ist, kann jeder mit ein wenig Übung das Ziel errreichen. Und wer keine Lust hat, sich alleine durch die Kampagne zu hetzen, der darf – soweit vorhanden – bis zu drei Freunde zu sich nach Hause einladen. Bei vier Spielern auf dem Bildschirm wird Rayman Origins so richtig chaotisch. Da wird gehüpft, sich gegenseitig in den Abgrund geschubst und die Plattformen unter den Füßen weggezogen, bis der Controller im Schädel des Nebenmanns steckt. Fein.

FAZIT

Mit Rayman Origins hat uns L’Ubi ein ausgewogenes, bugfreies und vor allem sehr hübsches Jump’n’Run auf den Tisch gepfeffert. Der Spielspaß und die Usability stehen hier voll im Vordergrund. Tolle Soundeffekte und der hohen Wiederspielwert geben ein paar Bonuspunkte obendrauf. Selbst für die Ladenzeiten haben sich die Franzosen einen spaßigen interaktiven Ladebirdschirm ausgedacht, auf dem man sich schon mal warmprügeln kann.

Jedem alteingesessenen Rayman-Fan, aber auch Freunden von erstklassigen Plattformhüpfern sei dieser Titel wärmstens empfohlen.

 

Auch interessant

Rayman Origins was last modified: November 23rd, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.