Der Mann ohne Gliedmaßen ist zurück. Kommt der jüngste Teil der Reihe an das fantastische „Rayman Origins“ ran?

Rayman, der Mann mit der Scheitelfrisur, feiert sein Comeback. Nachdem Rayman Origins (unser Review) bereits einschlug wie eine Bombe, haut Ubisoft unter der Leitung von Gaming-Legende Michel Ancel den neuen Teil Rayman Legends raus. Wieder auf der UbiArt-Engine basierend, die es ermöglicht, das Spiel auf so ziemlich jeder denkbaren Plattform laufen zu lassen, wurde versucht, das fast schon perfekte Origins noch ein bisschen besser zu machen.

Verpackt in eine gewohnt zu verachtende Story bietet sich in Rayman Legends ein ungewohntes visuelles Bild: 2.5D. Die Liebevoll gezeichneten Charaktere bewegen sich zweidimensional in einer zwei- bis dreidimensionalen Welt, wobei auffällt, dass die Stile perfekt zueinander passen. War Origins vollständig zweidimensinal handgezeichnet, kann man hier kaum noch unterscheiden, bei welchem Sprite welcher Stil verwendet wurde. Auch an den Beleuchtungseffekten wurde kräftig gedreht, so dass der Spieler stimmige und äußerst atmosphärische Levels vorfindet, jedes mit ihrem eigenen Charme.

Der Levelflow ist hierbei besonders hervorzuheben. Die Designer haben sich darauf konzentriert, möglichst verschiedene Levelarten so zu konstruieren, dass man fast automatisch hindurch geführt wird. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, dass sich jedes Bauteil als Pars pro toto in das Gesamtkonstrukt einfügt und so jede Stage einzigartig und trotzdem perfekt zu machen, eben ganz wie beim großartigen Super Meat Boy. Genau wie beim Indie-Hit muss oft darauf geachtet werden, die perfekte Linie durch die Level zu finden, besonders bei Stages, die eine zeitliche Begrenzung mit sich bringen. Spätestens hier fangen Casual-Plattform-Spieler an, zu verzweifeln, und das, obwohl die Steuerung noch eingängiger und fairer reagiert als beim Vorgänger.

Zum Rhythmus der Musik

Die Franzosen machen einfach alles richtig; Neben der bildhübschen Grafikpracht fällt mal wieder der atemberaubend gute Soundtrack auf. Und das nicht nur als dahinplätscherndes Hintergrundgedudel sondern erstmalig auch als Gameplayelement. Die sogenannten „Musiklevel“ takten nämlich das Gameplay auf den Rhythmus der Musik und erschließen im Gegensatz zu den Time Trials ungeübten Spielern eine solide Grundlage, die Mechaniken des Spiels zu erlernen. Leider gelten diese Musiklevels als eine Art „Extra“ und werden jeweils erst am Ende der jeweiligen Welten freigeschaltet.

Belohnungssystem und Online-Modus

020731Auch neu: Das Belohnungssystem. War dieses im Vorgänger darauf beschränkt, neue Charaktere freizuspielen, gibt es in Legends allerhand zu verdienen. Das fängt beim Freischalten von neuen Leveln an (auch „Classic Stages“ aus Origins können gespielt werden), geht über Charaktere, Kuscheltiere und hört bei Auszeichnungen noch nicht auf. So bleibt ein konstanter Fluss an Neuem bestehen und der Spieler kann nicht anders, als das Ding einmal komplett durchzuspielen.

Wer keine Freunde hat, um das Teil auf der heimischen Couch zu zocken, der kann sich wenigstens in Online-Challenges mit virtuellen Bekanntschaften messen. Wer kann schneller oder weiter laufen? Wer kann schneller eine bestimmte Anzahl Punkte sammeln? Hierbei werden nicht nur die Online-Buddys als Bewertung herangezogen; Eine weltweite Tabelle bestimmt den Ausgang der Challenge und eine dynamisch errechnete Tabelle errechnet das Material des gewonnenen Pokals.

Spiel des Jahrzehnts?

RaymanLegends_Screenshot_Gotcha_GCRayman Legends war ursprünglich ein Exklusiv-Titel für Nintendos Wii U; kurz vor Release wurde sich allerdings umentschieden und das Ding ein knappes Jahr später für alle Plattformen rausgebracht. Der Kniff an der Wii U-Version ist die zusätzliche Steuerung per Touchscreen, welche es möglich machte, einen frei steuerbaren Charakter zu implementieren, der den Spielern auf dem Fernseher beiseite steht. Murfy kann Gegner kitzeln, Plattformen bewegen und Items aus der Erde ziehen. Da dies natürlich auf PC, Xbox 360 und PS3 nicht möglich ist, wurde dieses Element etwas umgebaut und nun automatisch bei Betätigung einer Aktionstaste ausgelöst. Das funktioniert in der Regel hervorragend und erweitert die Spielerfahrung um eine weitere Dimension. Allerdings fällt auf, dass bestimmte Gegenstände in der Spielwelt nur auf der Wii U Sinn ergeben, das fällt allerdings nur auf, wenn man die entsprechende Version kennt. Also kein optischer Ballast, der den unendlich großen Spielspaß trübt.

Kurzum: Ein fast perfektes Spiel durch viel Liebe zum Details und sinnigen Ergänzungen noch besser gemacht. Falls es ein nächstes Rayman geben sollte, wüsste ich nicht, was die Franzosen da noch besser machen wollen. Durch seine Optik, das geniale Gameplay, den vielschichtigen Witz und vor allem durch den hervorragenden Soundtrack katapultiert sich Rayman Legends an die Spitze der Anwärter auf meinen persönlichen „Platformer des Jahrzehnts“. Und bei einem Releasepreis von 30 bis 45 Euro (je nach Plattform) kann man wirklich nicht meckern.

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Rayman Legends was last modified: August 30th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.