Der wilde Westen ist ein heißes Pflaster – im wahrsten Sinne des Wortes. Wasserknappheit, brennende Wüstenhitze und einige merkwürdige Geschehnisse machen dem Chamäleon „Rango“ das Leben schwer. Animierter Stumpfsinn oder großer Spaß im Wüstensand?

Ich hatte nicht viel erwartet. Die obligatorische Besetzung von Johnny Depp als die Stimme des Hauptcharakters war für mich eigentlich bereits absolutes Ausschlusskriterium für diesen Film. Der Kerl ist ja mittlerweile in wirklich jedem Film. Sei es als latent homosexueller Pirat, Sprecher für diese und jene computeranimierte oder von Hand geknetete Stop-Motion-Figur oder einfach nur, weil sich ein Film in dessen Besetzungsliste der Name „Johnny Depp“ auftaucht – zumindest bei der weiblichen Bevölkerung – mördermäßig gut verkauft: Ich kann ihn nicht mehr sehen. Oder hören. Egal. Mittlerweile sollte doch eigentlich fast jeder erkannt haben, dass Johnny Depp zwar schauspielerisch helle Momente hat, doch im Großteil seiner Filme nicht mehr Mimik vorweisen kann als beispielsweise Kristen Steward oder Val „Holzgesicht“ Kilmer. Oder Yvonne Catterfeld.

Trotzdem kam es dann doch irgendwann dazu, dass ich in Fötushaltung, mit blanker Panik im Gesicht auf der heimischen Couch lag und den Start der BluRay abwartete. Doch – aufgemerkt – als ich meine Augen öffnete um wenigstens eine fundierte Meinung über das Grauen, das mich erwartete, absondern zu können, war ich überrascht. Das sieht ja gar nicht mal übel aus! Im Gegenteil – die Animationen sind butterweich, die Texturen atemberaubend scharf und sogar Feuer und Wasser sehen einfach phänomenal aus. Ich habe selten so gutes CGI-Handwerk zu Gesicht bekommen. Drei Daumen nach oben!

Auch die Story des Films kann sich sehen lassen. Sicher – man erwartet keinen „Da wär ich niiie drauf gekommen!“-Twist und auch keine allzu tiefgehende Charakterentwicklung. Es ist halt diese „Chamäleon mit Identitätskrise kommt in eine Wüstenstadt voller anderer Tiere, die kein Wasser haben und Rango als ihren Helden ansehen, der das Wasser besorgen soll“-Geschichte. In dieser oder anderer Form schon bis zum kalten Kotzen gesehen. Trotzdem kann Gore Verbinski (der im übrigen auch für die ersten drei „Fluch der Karibik“-Streifen verantwortlich ist) hier voll überzeugen. Die Story ist interessant erzählt, teilweise ziemlich abgedreht und erstaunlicherweise durchweg lustig. Meist fällt der „Ich piss mich ein vor Lachen“-Quotient innerhalb der ersten 15 Minuten eines Film rapide ab, aber hier wurden die Gags gut gestreut und halten die Balance zwischen Spannung und Spaß bemerkenswert gut. Sicher handelt es sich hierbei meist um den amerikanischen Holzhammer-Slapstick, doch als erfahrener Kinobesucher weiß man ja , dass man sein Hirn mittlerweile beim Eintritt ins Lichtspielhaus gegen eine 3D-Brille tauscht.

Ja, und – hört, hört – selbst Johnny Depp kann überzeugen. Vielleicht liegt es daran, dass die Animationen (darunter fallen auch die Gesichtsanimationen und Mimik) so perfekt sind, dass man fast vergisst, dass ein völlig emotionsloser Mensch die Rolle spricht. Ist aber auch egal. Respekt, Herr Depp. An Rangos Seite tauchen unter anderem noch der Leguan „Beans“ (gesprochen von Isla Fisher (Hat auch mal in irgendnem Film mitgespielt, den ich gesehen habe. Kein Plan. Unwichtige Person.) und „Jake“, die riesige, böse Klapperschlange (Bill Nighy, kennt man u.a. aus „Underworld“), die eine Art Maschinengewehr als Klapperschlangenklapperschwanz besitzt, auf. Ja, wirklich: Ein Maschinengewehrschwanz. Ist bisher nichtmal die Pornoindustrie drauf gekommen, so dämlich ist das. Aber die Hämorrhoidenwitze machen das schon wieder wett.

Mitproduziert hat das Spektakel übrigens Graham King, der sich interessanterweise durch eine fast durchweg gute Wahl an Projekten auszeichnet: Traffic, Gangs of New York, Departed und Blood Diamond stehen in seinem Portfolio. Scheint ein großer Leo-Fan zu sein. Hans Zimmer (wer ihn nicht kennt: unbedingt googlen!) hat den Soundtrack geschustert. Nicht gerade sein bestes Werk (ich glaube ja, dass der die Songs zwischen Abseilen und Abwischen geschrieben hat), aber als Untermalung akzeptabel.

Die BluRay-Version verspricht übrigens bestes Bild in Full-HD und einen zuckersüßen Ton, der durch die Heimkinoboxen rieselt wie Karamellbonbons auf einem Kindergeburtstag. Absolut sehenswert!

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Rango was last modified: Oktober 1st, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.