Brachialst, chaotisch und in höchstem Maße verstörend – drei Attribute, die einen nur annähernd erfassen lassen, wie Pyrrhon aus New York auf ihrem Relapse-Debüt The Mother Of Virtues klingen.

Dem Insektenschwarm auf dem Cover gleich, fühlt sich jede einzelne Sekunde dieser Scheibe wie ein unbarmherziger Angriff auf Takt- und Harmonieverständnis gleichermaßen an. Songstrukturen werden hier, wenn überhaupt, lediglich zum 1. April mal kurz auf einem Schmierzettel notiert. Würde man die rabiaten Death Metal-Elemente außen vor lassen, könnte man sich die Band auch gut im Amphetamine Reptile-Roster vorstellen. Wer mit Bands wie Today Is The Day, Gorguts oder auch Mastodon (in ihren extremen Momenten) vertraut ist, sollte mit den Jungs hier aber kein Problem haben.
Die „Songs“ sind durchsetzt von kontrolliertem Band-Chaos und noisigen Solo-Attacken aller Protagonisten, dennoch gönnt man dem Hörer ab und an kurze Verschnaufpausen, wie etwa zu Beginn des zweiten Tracks White Flag, der mit einem düsteren Bass und atmosphärischen Postmetal-Collagen erst nach und nach Fahrt aufnimmt. Manches ist laut Angaben der Band ausgearbeitet, viele Parts sind aber auch bewusst im Studio improvisiert worden. Findet selbst raus, welche Stücke wie einzuordnen sind!

Erwähnenswert ist, dass die Band bei allem technischen Können nicht die Abwechslung aus den Augen verliert. So manch andere Gruppe würde sich hier in reiner Griffbrettakrobatik verlieren. Variation heißt die Devise, und so fließen die Songs mit viel Dynamik und Facettenreichtum zu einem interessanten Album zusammen. Doch das hat auch seinen Preis… Um es kurz zu machen: Musikalisch ist die Platte auf Dauer doch ziemlich anstrengend! Lyrisch gibt man sich nachdenklich bis sozialkritisch, perfide Hasstiraden, wie sie etwa Steve Austin gerne ausspuckt, sind hier fehl am Platz. Dafür wird munter geshoutet und gegrowlt, bis der Rachen zerreißt.

Was bleibt unterm Strich? Sicherlich bieten Pyrrhon mit ihrem neuen Longplayer eine beeindruckende Darbietung instrumentaler Selbstbeherrschung, aber für mehr als einen Tag mit „Aha“-Effekt reicht es dann doch nicht bei mir. Ich sag’s nochmal: Gut, aber zuweilen auch anstrengend! So ’ne typische Zielgruppenplatte, würde ich mal sagen. Jetzt hör ich erstmal Neurosis zum runterkommen…

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Pyrrhon – The Mother Of Virtues was last modified: April 2nd, 2014 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.