Kaum eine Lizenz hatte bis vor einer Weile in meinen Augen weniger Potenzial, jemals einen brauchbaren Titel hervorzubringen, als die von Pflanzen gegen Zombies. Dann, irgendwann als Electronic Arts mal wieder irgendwelche Spielergruppen verärgert hatte, gab es für enormst begrenzte Zeit Plants vs. Zombies: Garden Warfare (der erste Teil) umsonst für die PS4. „Umsonst?“, dachte ich, „Nehme ich mit!“ Und so kam es, dass ich die Garden Warfare-Serie für mich entdeckte.

Denn was PopCap als entwickelndes Studio sich 2014 da erlaubte, was beinahe schon etwas, was man als „tollkühn“ bezeichnen könnte. Die beliebte Lizenz, die ursprünglich als Freemium-Mobile-Game viele, viele Kinder um ihr Taschengeld brachte, sollte nun als ausgewachsener Shooter herhalten. Dass dies überraschenderweise unglaublich gut funktionierte zeigt, dass 1.) EA einen zweiten Teil des Spiels herausbrachte und 2.) dass ich darüber schreibe und noch nicht in herrenloses Fluchen verfallen bin. Denn was da mit Plants vs. Zombies: Garden Warfare 2 aus der PlayStation 4 auf meinen Fernseher purzelt ist – um es mit den Worten eines Neunjährigen zu sagen – supercool.

Kleinkrieg im Kleingarten

Nach einer viel zu lange dauernden Anmeldeprozedur bei den EA-Servern (bei jedem Spielstart), finde ich mich als Pflanze in einem Vorgarten wieder. Jemand erklärt mir, dass dies die Hauptbasis einer von zwei Parteien ist, die Krieg gegeneinander führen. Und zwar – ihr habt es fast schon vermutet – Pflanzen gegen Zombies. Dabei bilden die beiden gegenüberliegenden Basen die Stützpunkte und das Gebiet dazwischen die umkämpfte Zone, die keine der Parteien bislang für sich beanspruchen konnte.

Hier findet die Singleplayer-Kampagne statt. Davebot, der erste Questgeber, schickt mich quer durch das umkämpfte Gebiet um Aufträge zu erledigen, ab und an muss ich einen Horde-Modus spielen und irgendwann bin ich durch. Das ist alles nicht besonders aufregend, aber ich verdiene eine Menge Geld, das ich für wunderbare Dinge ausgeben kann. Doch dazu später mehr. Was den Reiz von PvZ:GW2 ausmacht, ist, auch die Gegenpartei, also die Zombies, spielen zu können. Also schnell die Seiten gewechselt… voilà! Ich bin ein Zombie. Auch hier werde ich auf Einzelspielermissionen geschickt, muss im Hordemodus spielen und verdiene ordentlich Asche.

Viel Liebe zum niedlichen Detail

Dabei habe ich stets die Auswahl aus einem bunten Pool an Charakteren. Insgesamt 14 Klassen, repräsentiert durch witzige Figuren, kann ich auswählen und im Spielverlauf auch optisch anpassen. Durch das oben erwähnte Geld kann ich an einem Automaten im Spiel Stickerpacks kaufen, die entweder schicke Hüte oder andere Accessoires für meine Charaktere beinhalten oder sogar seltene bis superseltene Unterklassen, die gegenüber den Standardcharakteren andere Attacken vorweisen können. Insgesamt über 100 dieser freispielbaren Klassen existieren hier, weswegen schnell noch mehr Farbe ins Spiel kommt, als sowieso schon.

Der Garten (respektive die Zombiebasis) dienen nicht nur als Startpunkt der Kampagne, sondern sind gleichzeitig auch Spielmenü. Wer die Funktionen des Spiels nutzen möchte, muss hier in persona navigieren und verschiedene Objekte aktivieren. Der Wechsel zu einem anderen Charakter geschieht in einer Umkleidekabine, das Multiplayerportal ist ein tatsächlich ein Portal, durch das man in die bunte Welt der Mehrspieleraction schreitet – Selbst die Statistiken werden physisch dargestellt. Es ist ein Traum.

In der Basis startet man auch die Coop-Missionen. Diese spielen sich wie eine Art Horde-Modus, in dem man einen bestimmten Ort bewacht und gleichzeitig bestimmte Missionen erfüllen muss, während Welle um Welle feindlicher Schergen in die Landschaft strömen. Das ist durch die verschiedenen Modifikatoren zwar abwechslungsreich, auf Dauer aber doch anstrengender, als es Spaß macht. Während der Rest des Spiels eher so dahinplätschert, ist der Schwierigkeitsgrad hier besonders hoch. Wer also eine wirkliche Herausforderung abseits von der eher linear schwieriger werdenden Kampagne sucht, ist hier wohl am besten bedient.

Witzigerweise enthält Plants vs. Zombies: Garden Warfare 2 auch einen Splitscreen-Modus, ganz wie damals™. So kann man dann Missionen gemeinsam erledigen und sich Kämpfe auf dem Schlachtfeld liefern. Das ist ob des großen Spaßes, den man dabei hat, dann noch nicht mal ärgerlich, wenn man von einem Mais-Maschinengewehr über den Haufen geballert wird.

Online: Schlechtes Balancing

Und was wäre ein Shooter ohne den üblichen Multiplayer-Modus. Dieser ist nicht – wie beispielsweise bei Tomb Raider – aufgesetzt, sondern, genau wie die Kampagne, einer der Hauptbestandteile des Spiels. Viele Modi, bis zu 24 Spieler pro Spiel, kombiniert mit den tollen Charakteren und dem gelungenen Gameplay eine der besten Mehrspieler-Funktionen, die ich jemals spielen durfte. Von Capture the Flag-artigen Runden, über Domination bis hin zum klassischen Team Deathmatch ist hier alles dabei, und so sollte eigentlich jeder Spieler schnell seinen bevorzugten Charakter und Spielmodus gefunden haben. Zum Zeitpunkt des Reviews schien der Tenor bezüglich der Spielfigur klar „Rosie!“ zu schreien. Die schwebende Rose ist nämlich derart einfach zu spielen, dass die Server voll waren mit der offensichtlich overpowerten Pflanze. Hier muss klar nachgebessert werden, denn die Pflanzen haben so einen unfairen Vorteil, was sich auch in meiner Win/lose-Statistik widerspiegelt.

Grafisch ist Plants vs. Zombies: Garden Warfare 2 wirklich am Anschlag. Fast konstant 60 Frames, knackige Farben, tolle Animationen, geniales Leveldesign (vielleicht manchmal etwas überdimensioniert), witzige Soundkulisse – Das Gesamtpaket ist stimmig und Mängel lassen sich kaum entdecken. Hier war die Qualitätssicherung mit Elan bei des Sache, die Entwickler durften sich vollends austoben und was rausgekommen ist, ist wirklich wieder überraschend gut geworden.

Selbst Ralf-Jürgen von Zockwork Orange ließ sich breitschlagen, den Titel zu kaufen. Das Ergebnis waren viele „Ach!“ und „Ohhh!“-Rufe über die Voice-Funktion der PS4, weil das Ding wirklich richtig niedlich ist. Auf seine eigene, verrückte Art und Weise. Einzig die sich ständig wiederholenden Musiktracks während des Spielens nerven auf Dauer etwas. Sie setzen sich im Ohr fest und wollen da so schnell auch nicht wieder raus. Das ist zwar Jammern auf wirklich sehr hohem Niveau, aber irgendwas zum meckern brauche ich immer. Ihr kennt mich ja.

Fazit vs. Zombies

Ich fasse das mal zusammen: Plants vs. Zombies: Garden Warfare 2 ist ein toller Casual-Shooter mit mittelspannender Kampagne und einsteigerfreundlichem Mehrspielermodus. Tolle Charaktere, die zwar etwas schlecht ausbalanciert sind, das aber durch ihre Niedlichkeit und das perfekte Zusammenspiel mit der enorm detailreichen Welt wieder ausgleichen. Vielleicht nicht unbedingt ein Spiel, das man sich zu Release für 60 Euro schießen muss, für 30 Geldeinheiten aber eine abso-absolute Kaufempfehlung. Auch für Kids geeignet, wobei man hier allerdings ein Auge auf den Online-Modus halten sollte, da hier „Open Mic“ herrscht.

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Plants vs. Zombies: Garden Warfare 2 was last modified: März 13th, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.