Eine Underdog-Story hoch über der Welt von „Cars“. Lohnt sich der Gang ins Kino?

Was Disney anfasst hat in der Regel Hand und Fuß. Cars, die Geschichte eines Rennautos, das herausfindet, worauf es im Leben wirklich ankommt, war ein so großer Erfolg, dass Disney nicht nur eine Fortsetzung, sondern auch ein Spin-Off hinterherschieben konnten. Planes (Kinostart: 29. August 2013) greift die klassische Geschichte des Underdogs auf, der seine wahren Fähigkeiten erkennen muss um schlussendlich als Sieger dazustehen. Ein Klassiker.

PLANESDusty ist ein Agrarflugzeug, das den Propeller gestrichen voll davon hat, tagein, tagaus das Feld mit stinkendem Dünger zu besprühen. Sein Traum ist es, beim legendären „Wings around the Globe„-Wettbewerb teilzunehmen, einem Rennen um die ganze Welt, mit einer mörderisch schnellen Konkurrenz. Doch Dusty hat ein kleines Problem: Höhenangst. Zwar besteht er das Qualifying zum Rennen knapp, ist nun aber selbstverständlich der absolute Außenseiter. Ein Agrarflugzeug hat bei „den Großen“ nun mal nichts verloren. Klingt nach Rocky? Cool Runnings? Karate Kid? Ja, ja und ja.

Gut, über die klassische Erzählweise lässt sich streiten. Planes erfindet das Storytelling nicht neu, und auch die Witzdichte ist zu missachten, dennoch kommt häufiger ein Gänsehautfeeling auf, als man es erwarten würde. Dies erreichen die Macher durch haarsträubende Flugeinlagen und beeindruckende Kameraführung. Der obligatorische Bösewicht Ripslinger, absoluter Favorit des Rennens, und seine archetypischen Zwillingsschergen sind nicht so böse, wie ich es mir gewünscht hätte. Abgesehen von zwei oder drei Sabotageaktionen konzentriert sich die Erzählung vielmehr darauf, zu zeigen, was man erreichen kann wenn man Mut, Können und Freunde hat. Der altgewohnte Disney-Auftrag also.

Planes_ALL_6641Planes bringt den bekannten Monomythos ohne Umschweife auf die große Leinwand, alle Elemente, die man von solch einer Geschichte erwarten würde, wurden sehr eindeutig und herausstechend verbaut, so dass man quasi, ohne den Film gesehen zu haben, bereits weiß, wie dieser endet. Klar: Verfolgungsjagden und waghalsige Actionszenen sind vorhanden, sehr oft plätschert die Story allerdings nur leise vor sich hin. „Leise“ sogar sprichwörtlich, denn an vielen Stellen fehlt merklich die musikalische Unterlegung und wir alle wissen: Wenn man die Musik bemerkt oder eben bemerkt, dass diese fehlt, dann läuft etwas schief. Ich will nicht sagen, dass diese Stellen schlecht gemacht sind; Vielmehr hätte man etwas mehr rausholen können. Einzig der „Showdown“ stieß mir im Kino etwas übel auf. Viel zu kurz war der dramatische Höhepunkt, viel zu schnell wurde die Moral am Ende abgehandelt. Auch die Charakterentwicklung des Protagonisten hätte wesentlich prägnanter sein können. Als Laie bemerkt man kaum, was in Dusty vor sich geht, es scheint, als bliebe dieser den gesamten Film über der draufgängerische Jungspund, der sich lediglich ein paar Fähigkeiten aneignet.

Planes_ALL_6642Vermisst habe ich ebenfalls eindeutigere Referenzen zu den Cars-Mutterfilmen. Zwar taucht der ein oder andere Charakter auf, den man vielleicht schon aus dem Vorbild kennt, allerdings sind diese so unbedeutend, dass man es auch gleich hätte lassen können. Und wo wir grade beim Thema sind: Wieso ist es eigentlich üblich, „berühmte“ Personen als Synchronsprecher zu verpflichten? Das stört mich jedes Mal immens. Kai Ebel? Manuel Neuer? Welche Berechtigung haben diese Menschen, abgesehen von ihrer Popularität (abgesehen von Kai Ebel, den kann keiner leiden), hier mitzuwirken? 80% der B-Profis, die den Nebendarstellern mit wenig Text (zum Glück) ihre Stimme leihen kann nicht mal anständig geradeaus reden. Das irritiert und lenkt vom Film ab. Und Olli Kalkhofe in allen Ehren, aber seit der in jedem Film mitmacht, kann ich den auch nicht mehr hören.

Aber zurück zum Film: Muss man den in 3D sehen? Nein. Nicht wirklich. Besonders in Planes ist der dreidimensionale Effekt derart sparsam eingesetzt (im direkten Vergleich zum 3D-Klassiker Avatar oder gar Die Schlümpfe), dass man sich das zusätzliche Eintrittsgeld für eine 3D-Vorstellung sparen kann. Zwar verleiht diese Technik dem Streifen eine gewissen räumliche Tiefe, die Abstriche in puncto Bildqualität, die man dafür in Kauf nehmen muss, überwiegen in diesem Fall jedoch leider dem Erlebnis der Dreidimensionalität. Dieses Medium wurde leider nicht ausgereizt und ist daher zu vernachlässigen.

Dennoch, bei aller Kritik: Geht ins Kino und guckt den Film. Besonders Kinder werden ihre helle Freude an dem Film haben und auch ich war positiv überrascht. Kein Überfilm, keine Witzkanone – aber trotzdem eine nette Geschichte mit Gänsehautmomenten.

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Planes was last modified: August 12th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.