In Gefliden lebend, in denen Waldbrände eine absolute Seltenheit sind, und die Heldenverehrung von Polizisten und Feuerwehrleuten eine befremdliche Vorstellung ist, blickt man als gemeiner Deutscher eher skeptisch auf die Intention des neuesten Disney-Streifens Planes 2 – Immer im Einsatz.

Das Sequel zum Spin-Off des Pixar-Originals Cars (das klingt mehr als abstrus) verschafft dem ehemaligen Rennflieger und ehe-ehemaligen Sprühflieger Dusty Crophopper eine neue Berufung: Löschflieger in einem Nationalpark. Fast könnte man hier eine berufliche Karriere prognostizieren, auf die ein Benjamin Blümchen neidisch wäre, abhängig davon, wie viele Fortsetzungen Disney noch im Ärmel hat.

Doch abseits aller Intentionen und dünnen Backgroundstories verwundert am meisten der Fakt, dass Planes 2 tatsächlich bundesweit in größeren Lichtspielhäuser aufgeführt wird, entgegen der Tradion, fast sämtliche zweite Teile erfolgreicher Disney-Streifen als Direct-to-DVD-Release zu zelebrieren.

PLANES: FIRE & RESCUEAuf seiner Mission, ein zertifizierter Löschflieger zu werden, durchlebt Dusty selbstverständlich einige Abenteuer, eine Handvoll Fortschritts-Montagen und physische Demontagen, ganz so, wie man es vom Vorgänger gewohnt ist. Dabei variiert das Pacing des Films zu sehr, als dass man nicht die ungewöhnliche Stille und die starren Kamerafahrten bemerken würde, die die Nicht-Action-Sequenzen definieren. Das fiel beim Vorgänger bereits negativ auf, fast bekommt man den Eindruck, als hätten hier verschiedene Menschen den Regiehammer geschwungen, denn die Szenen, in denen es zur Sache geht sind ziemlich beeindruckend. Auch die Computereffekte wissen hier zu überzeugen: Feuer, Wasser, Explosionen, kein Vergleich zum sonstigen Plastik-Look des Films, der an das Kika-Programm an einem Mittwochmorgen erinnert.

PLANES: FIRE & RESCUEWie auch in Teil Eins, werden hier wieder große Namen aufgefahren, die den Charakteren ihre Stimme leihen dürfen. Und das leider nicht nur in Nebenrollen, die gerade mal einen Satz aus dem Off beisteuern dürfen. Neben Kai Ebel (Leute, ehrlich!), wurde Schauspieler Henning Baum (Der letzte Bulle), eine der Hauptfiguren zu sprechen. Und wie erwartet ist es schrecklich. Schrecklich-schrecklich! Jeder normale Mensch hört doch, dass der Kerl nicht dafür geeignet ist. Der mag zwar ein erträglicher Schauspieler sein, aber als Synchronsprecher, besonders im direkten Vergleich zu alten Synchronhasen. Nur, weil die Masche in den USA funktioniert und „große“ Namen die Zuschauer ins Kino locken, muss das hierzulande weder Publikumsmagnet noch Qualitätsgarant darstellen.

PLANES: FIRE & RESCUEDer Score ist unauffällig gut, lediglich könnte man meinen, als hätte sich Komponist Mark Mancina fleißig bei den Kollegen Elfman und Williams bedient. Bekannte Melodievariationen, die an das Batman– und sogar das Superman-Theme erinnern, plätschern hier imposant inszeniert durch die Lautsprecher in die Ohren des Publikums. Allerdings zeigt Mancina, der auch bereits für Planes 1 die musikalische Untermalung zaubern durfte, erneut Schwächen in der akustischen Bereicherung von Szenen, die nicht direkt extreme Emotionen transportieren. Zu zurückhaltend agiert der Maestro hier und lässt die Musik lieber weg, als mit übertriebenen Lautstärken, die er offensichtlich bevorzugt, die Atmosphäre zu versauen und die Kontraste des Gesamtwerkes verwischen zu lassen. Ob das der richtige Weg ist, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Trotz allem hat der Film großen Spaß gemacht. Sobald man sich darauf einlässt, keinen Over-The-Top-Film wie Cars zu erwarten, sondern einen seichten Film, der seinem Ruf als franchisemelkende Forsetzung gerecht wird, kann man sich zurücklehnen und sein Popcorn ohne Reue genießen. Ich hätte weniger erwartet. Den 3D-Murks kann man sich übrigens sparen, denn obwohl Planes 2 ein reiner CGI-Film ist, ist der dreidimensionale Effekt hier gleich null. Zumindest im Lichtspielhaus meiner Wahl.

Planes 2 – Immer im Einsatz startet ab 14. August 2014 im Kino.

 

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Planes 2 – Immer im Einsatz was last modified: Juli 28th, 2014 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.