Die Schweden zeigen mal wieder allen, wie es richtig gemacht wird. Der neue Coop-Kracher aus dem hohen Norden.

Mal ganz ehrlich: Geld kann man eigentlich nie genug haben. Ob das nun das fehlende Kleingeld für eine neue Waschmaschine oder ein etwas größerer Batzen für ein neues Auto oder gar ein eigenes Haus ist; Hier lautet die Devise „Mehr ist immer besser.

Doch wenn man nicht gerade reich geboren wurde oder zufälligerweise den Lottojackpot knackt, hat man kaum die Chance, sich kostenintensive Wunschträume zu erfüllen, oder? Falsch gedacht! Alles was man für den großen Reibach braucht sind drei Freunde, ein paar aufwendig gearbeitete Masken, blaue Gummihandschuhe und – nicht zu vergessen – einen Arsch voll Waffen. Klingt militant? Ist es auch, denn die Hoxton, Chains, Dallas und Wolf sind in Payday 2 zurück und brauchen Bares.

Moment… Payday 2? Was ist denn mit Teil 1?

Wir schreiben das Jahr 2011: Overkill bringt zusammen mit Sony Online den Titel Payday: The Heist auf den Spielemarkt. Ein reiner Downloadtitel, in dem es um eben jene Charaktere geht, die sich ein kleines Zubrot verdienen wollen. Einen konstanten Storystrang gibt es nicht wirklich; vielmehr erzählt jeder Coup, den die Kollegen drehen, eine eigene Geschichte.

2013-08-18_00008Payday 2 macht das seit August 2013 nicht anders; Keinerlei storytechnische Verbindung  zum Vorgänger trübt das Verständnis des Spiels. Der Spieler wählt eine Mission und bekommt alle notwendigen Infos kredenzt damit ohne Umschweife losgelegt werden kann. Das Repertoire der einzelnen Aufgaben rangiert zwischen dem üblichen Bankraub-Szenario bis hin zum Einbruch in die FBI-Zentrale um dort elektronisches Equipment zu entwenden.

Dabei kann der Spieler mit drei Kameraden spielen, was auch tunlichst so durchgeführt werden sollte, denn Payday 2 ist ein reiner Vier-Spieler-Coop-Titel. Zwar kann man auch im Singleplayer ordentlich abräumen, jedoch ist die KI, nicht nur auf Gegnerseite, zum Teil so strunzdumm, dass es wirklich keinen Spaß macht. Die computergesteuerten Mitspieler stehen gerne mal im Weg und Objectives werden aus Prinzip nicht erfüllt. Das heißt zum Beispiel wenn ich sechs Taschen voller Juwelen aus einem Juwelierladen zum Fluchtfahrzeug zu transportieren habe, dann muss ich als einzige menschliche Komponente tatsächlich sechs Mal zum Wagen laufen. Eine „perfekte“ Runde ist so also nicht möglich.

Perfekte Runde? Was ist das?

2013-08-18_00003Bevor man den „Angriff“ startet, hat man (in einigen Missionen) die Möglichkeit, sich den Schauplatz des Geschehens genauer zu begutachten. Der Witz an Payday 2 ist nämlich, dass die wenigen Szenarios – es gibt lediglich eine handvoll davon – per Zufall generiert werden. Die jeweilige Levelgeometrie bleibt dabei immer gleich (man soll sich ja nicht verirren), Faktoren wie die Position eines Safes oder die Anzahl der Sicherheitskräfte und deren Laufwege unterscheiden sich jedoch von Run zu Run.

Wenn man sich zur Genüge umgeschaut hat, kann man den „Heist“ starten, die Masken aufsetzen sowie von nun an die Waffen zücken und Spezialequipment wie Bohrer, Minen und Ammo-Packs verwenden. Wenn man geschickt vorgeht, Schalldämpfer benutzt, Sicherheitskameras ausschaltet und Passanten daran hindert, zu flüchten und die Polizei zu alarmieren, dann spricht man von einer „perfekten Runde“. Die Cops bleiben zuhause, die Beute kann ohne Probleme rausgetragen werden und das Szenario ist schnell abgeschlossen.

2013-08-18_00006Begeht man allerdings einen Fehler (und das passiert schneller als man denkt), dann bricht die Hölle los. Immer mehr und immer stärkere Polizeieinheiten stürmen das Gebäude und schießen auf alles, was sich bewegt. Das ist das Worst-Case-Szenario. Zwar kann man, wenn man in Polizeigewahrsam sitzt (das passiert, sobald die Lebensenergie auf Null sinkt) Geiseln eintauschen um den gefallenen Recken wieder aufs Schlachtfeld zu teleportieren, jedoch ist solch ein Ausgang oft sehr mühsam und endet darin, dass die Mission scheitert.

Dabei fällt auf, dass Overkill versucht, die Schwierigkeit des Überlebens von einer großen Masse gegnerischer Einheiten abhängig zu machen. Zum Teil stürmen zehn oder mehr Einheiten auf einmal durch die Tür, ein anderes Mal steht man drei Spezialeinheiten mit Schild gegenüber. Das ermuntert den Spieler zwar, nicht in eine solche Situation zu geraten, knabbert allerdings auch heftig an der Motivation, nach einer Niederlage eine weitere Runde zu spielen, denn: Stirbt man, gibt es weder Erfahrungspunkte noch Geld.

„Left 4 Dead“ trift auf „Heat“ trifft auf „Gefährliche Brandung“

2013-08-18_00009Die ganze Sache mit den Masken kommt euch bekannt vor? Klar, kein Wunder. Offensichtlich hat das schwedische Entwicklerstudio Hollywood-Klassiker wie Heat (mit Pacino und DeNiro) und Gefährliche Brandung (Keanu Reeves und Patrick Swayze) zum Vorbild genommen um diesen Gangstertitel zu entwerfen. Hierbei fällt auf: Der Releasepreis liegt bei 30 Euro (PC) bis 39 Euro (Xbox 360 und PS3), also gute 20 Euro unter dem Preis anderer Titel. Heißt das also, dass das Spiel auch 20 Euro schlechter ist? Nope.

Zwar hat die PC-Version eine Woche nach Release immer noch mit Verbindungsproblemen zu kämpfen, dem sollte aber bald schon beigekommen sein. Immerhin arbeiten die Entwickler mit Hochdruck daran, etwaige Malusse auszubügeln. Allerdings sticht ein Punkt negativ ins Auge: Es findet beim Matchmaking weder ein serverseitiges Hosting statt, noch kann der Host von einem Spieler auf den anderen transferiert werden, was bedeutet, dass das Spiel als verloren gilt, sobald der Host das Spiel verlässt. Kein Geld, keine Erfahrungspunkte. Wie gehabt. „Gut“ ist das nicht, lässt sich aber sicherlich leicht beheben und wäre mein größter Wunsch an Overkill.

Das Ohr isst mit.

Im direkten Vergleich fällt auf, dass die Konsolenfassungen sehr mit der verwendeten Diesel 2.0-Engine zu kämpfen haben. Zwar wurde sehr darauf geachtet, dass die Framerate nicht einbricht, jedoch geschieht dies auf Kosten der ohnehin nicht herausragenden Optik. Matschige Texturen, Kantenglättung aus der Kantenglättungshölle und Shader mit reduzierter Qualität sehen mit zugekniffenen Augen gar nicht übel aus, aber darum geht’s ja gar nicht. Ich bin wahrlich kein Grafik-Fetischist, und bei Payday 2 hält sich alles im Rahmen des Erträglichen.

Besonders zu bemerken ist der phänomenale Soundtrack, der die Situationen treibend untermalt. Besonders die Stimmungswechsel, die sich der jeweiligen Situation innerhalb des Spiels anpassen sind atemberaubend gut und sind ein Grund, auf die Special Edition zurückzugreifen. Das Ganze stammt aus der Feder vom schwedischen Komponisten Simon Viklund, der bereits die Soundtracks zu Bionic Commando Rearmed und Street Fighter III 3rd Strike: Online Edition mit zu verantworten hat.

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Das Levelsystem ist gut durchdacht. Besonders gut gefällt mir, dass jeder Spieler die gleiche Anzahl an Geld und Erfahrungspunkten bekommt. Somit verkommt der Titel nicht zum Penisvergleich, bei dem jeder der erste an der Front sein muss/will und Kills stiehlt. Der Fokus bleibt ganz klar auf dem Teamwork, welches enorm wichtig ist, um die Szenarien unbeschadet abschließen zu können.

Für Geld und Erfahrungspunkte gibt es dann neue Skills und Waffen. Außerdem kann das Aushängeschild des Spiels, die Masken, erworben werden. Diese neuen Gesichtsbedeckungen sind zum Teil wirklich hübsch und können gegen einen relativ hohen Ingame-Geld-Obolus modifiziert und dem persönlichen Geschmack angepasst werden.

Fazit

Für Teamplayer ist Payday 2 ein absolutes Must-Have, allerdings sollte man seine Stammtruppe mitbringen, denn mittels sprachlicher Kommunikation fällt das Abschließen der Level wesentlich leichter, zudem erspart man sich den Frust mit dem plötzlichen Verschwinden des Hosts bei Unlust. Für knapp 90 Euro gibt es das sogenannte „Four-Pack“ bei Steam, also vier digitale Kopien des Spiels zum Preis von drei, was einen effektiven Preis von 22,50 Euro pro Nase macht. Dafür, dass man viele Stunden abwechslungsreichen Coop-Spaß bekommt, ist das ein echter Schnapper.

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Payday 2 was last modified: August 18th, 2013 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.