Zwei junge Snobs aus einem amerikanischen Vorort werden in Ihrem Haus von einem Dämon heimgesucht und versuchen dem bösen Geist, mit einer Videokamera auf die Schliche zu kommen. Schrecklich spannend oder schrecklich scheiße?

Seit „Blair Witch Project“ ist es ja anscheinend in Mode, Filme in You-Tube-Manier für schreckhafte Teenies aufzuwärmen, damit im Kino mal so richtig schön nervig rumgekreischt werden kann. Leute, die schwer atmend mit einer Digitalkamera in der Hand durch die Gegend vor etwas weglaufen, was der Zuschauer nicht sehen kann. So gewinnt man gleich doppelt: Zum einen spielt man mit den Urängsten des gelangweilten Kinobesuchers, zum anderen spart man eine Menge Kohle an Spezialeffekten. Perfekt.

„Paranormal Activity“ macht’s nicht anders: Der Streifen hat lächerliche 15.000 Dollar gekostet und insgesamt über 100 Millionen (!) eingespielt. Das macht einen Gewinn von … naja… unglaublich viel Asche! Kleingeister der Unterschicht und minderjährige Adrenalinjunkies haben den Produzenten anscheinend einen großen Teil Taschengeld und/oder Arbeitslosengeld in den Rachen gestopft, bis es hinten wieder rauskam. Dabei ist der Film von vorne bis hinten schrecklich langweilig, eintönig und schlecht geschauspielert. Für mich eher ein Beziehungsdrama als ein ernstzunehmender Horrorfilm.

Die Story ist aus dem Gruselfilmhandbuch für Anfänger geklaut: Eine junge Frau wird seit ihrem achten Lebensjahr von einem Dämon heimgesucht. Der war aber immer eher harmlos: Am Bett rumstehen und im Zimmer rumlaufen. Das Mädchen ist jetzt erwachsen und wohnt mit ihrem Freund in einem dekadent großen Haus inkl. Großbildfernseher, Pool und zwei Gästezimmern. Dabei ist sie noch Studentin. Er ist Broker oder sowas (wahrscheinlich vertickt er Drogen an die Nutten am Hauptbahnhof) und kauft, nachdem der Dämon nach jahrelanger Pause wieder aufgetaucht zu sein scheint, eine Videokamera, um dem paranormalen Phänomen auf die Pelle zu rücken. Der Dämon findet das aber gar nicht so lustig und legt sich Nacht für Nacht mehr ins Zeug, dem Pärchen die sprichwörtliche Hölle heiß zu machen.

Klingt eigentlich nach nem soliden Gruselfilm, wäre der Gruselfaktor nicht gleich Null. Den Großteil der Zeit sehen wir dem Pärchen beim Streiten oder beim Schlafen zu. Dafür, dass die Videokamera die beiden einen Monat beim Pennen filmt, sehen wir erstaunlich wenig Titten. Nämlich gar keine. Ich bin aber auch spontan unsicher, ob ich die Moppen von der Alten mit dem Doppelkinn so gerne gesehen hätte. Man sieht schon genug Cellulite. Noch eine Sache, die man nicht sieht: Den Dämon. Man hört ihn fröhlich grunzen und durch’s Haus stampfen, aber nicht eine Sekunde lang einen noch so mickrigen Computereffekt oder Mann im Eidechsenkostüm. Gar nichts. Zwar bewegt er immer wieder Dinge im Haus, doch hat das auf mich eher den Pumuckl-Effekt, und der war vor 20 Jahren schon scheiße.

Am Ende sieht man dann nochmal kurz Blut in schwarz weiß und der Film ist schlagartig vorbei. Lieblos hingerotztes Ende, nichtmal 90 Minuten gewollte Spannung. Was war da los? Hat man zu lange das streitende Pärchen gefilmt und hatte keine Zeit mehr für echtes Storywriting? Oder hat man sich gedacht, dass die Leute den Scheiß eh fressen, weil heutzutage niemand mehr Wert auf einen schönen Gruselfilm legt sondern sich lieber anguckt, wie ein Kerl seine Kamera durch’s Haus schleppt? Kann ich auch selber machen – wahrscheinlich sogar spannender, wenn ich mich selbst beim Kacken filme. Da kommt wenigstens was Hübsches bei raus.

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Paranormal Activity was last modified: Juli 27th, 2011 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.