Overwatch ist eines der wenigen Spiele, die ich über Jahre hinweg konstant aktiv meine Konsole und meinen PC befeuern lasse. Ich würde mich sogar als relativ gut bezeichnen – Entsprechend weitreichend sind meine Kenntnisse die Charaktere, die Welt und die Spielmechaniken betreffend. Aber selbst ich muss mich ab und an weiterbilden, weswegen ich mich auf das Erscheinen des offiziellen Weltenführer für Overwatch sehr gefreut habe. Selbst ein alter Hase kann mit Sicherheit noch einige Tipps und Tricks aus erster Hand gebrauchen.

Das Cover ist wirklich hübsch gestaltet. Dezent eingesetzter UV-Schutzlack bringt die drei abgebildeten Helden (Tracer, Winston, Lucio) dezent zur Geltung und verleiht dem Buch eine wertige Haptik. Leider lässt mich die geringe Dicke des Buches (112 Seiten) schnell zweifeln, ob die Autorin Terra Winter hier tatsächlich tiefgreifende Informationen unterbringen konnte. Bereits der Schmutztitel, also quasi die erste Seite im Buch, ließ mich alle Hoffnung fahren lassen. Statt des Wortes „Weltenführer“ heißt es hier nämlich plötzlich „Handbuch“. Und leider ist es nicht einmal das.

So findet man im Inhaltsverzeichnis eine Kategorisierung nach Helden (und ihrer jeweiligen Klasse) und den jeweiligen Spielkarten. Dabei ist das Heldenroster bereits bei Release komplett veraltet. Statt der momentan im Spiel befindlichen 26 (27, wenn man Brigitte dazuzählt), findet man im Weltenführer lediglich 22 Beschreibungen der Overwatch-Riege. Dabei werden hier jedem Helden entweder zwei oder vier Seiten gewidmet, von denen aber grundsätzlich die Hälfte aus offiziellem Artwork besteht. Die andere Hälfte, die mit den Infos, ist derart knapp gehalten, dass man weder ausreichend Material zu den jeweiligen Fähigkeiten (die hier einzeln aufgeschlüsselt werden) noch zur Hintergrundgeschichte der Helden erhält. Letztere beschränken sich stets auf circa drei knappe Sätze.

Noch schlimmer ist das bei dem Teil, der namensgebend für dieses Buch sein sollte. Die Welten, die im Weltenführer beschrieben werden sind, genau wie die Heldenbeschreibungen, nicht vollständig (Ecopoint, Blizzard World und Horizon fehlen z.B. komplett). Dabei beschränkt sich der Umfang auf eine Doppelseite pro Welt und die Schriftgröße der Beschreibung wurde auf 14 Punkt (!) aufgeblasen, damit die drei Sätze, die hier kurz die Prämisse der Karte zusammenfassen, irgendwie formatfüllend wirken.

Das war’s. Ernsthaft. Eigentlich ist der Overwatch-Weltenführer, der hier mit dem Worten „umfangreicher Leitfaden“, „alle Hintergrundinformationen, die jeder Overwatch-Spieler […] kennen sollte“ oder „alles Wissenswerte über die beeindruckenden Schlachtfelder“ beworben wird, nicht mehr als ein Handbuch, das in etwas weniger aufgeblasener Manier vor 15 Jahren noch der Spieledisk beigefügt worden wäre. Sogar das Spiel selbst bietet dem Spieler fast mehr Informationen, als hier in dem 14 Euro teuren Buch, das sogar von Blizzard lizensiert ist, kredenzt werden. Sicher, es ist schön, die tollen Artworks in gedruckter Form zu sehen, aber auch hier bieten z.B. Artbooks (wie das aus der Overwatch-Colletor’s-Edition) weitaus mehr Informationen. Viel mehr.

Schade eigentlich, denn ich hatte mich schon wirklich auf den Weltenführer gefreut. Ich würde jedem Overwatch-Fan davon abraten, hier zuzugreifen. Ein mehr als geringer Informationsgehalt und eine große Menge an fehlenden Informationen bieten Fans und Spielern keinerlei Mehrwert. Kauft euch lieber die Comics oder ein anständiges Artbook.

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Overwatch Weltenführer was last modified: März 21st, 2018 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.