Kaum eine Serie ist so schwer zugänglich und gleichzeitig so beliebt wie One Piece. Das liegt zum einen an den äußerst gewöhnungsbedürftigen Charakteren; Ein Piratenclown, eine Dame, die quasi nur aus Brüsten besteht, ein Skelett mit einem riesigen Afro, ein Mann mit Metallnase und drei Kinnen… Ganz schön verrückt. Aber auch die Story ist nicht das, was man im Allgemeinen als „leicht verdaubar“ bezeichnen würde. Fast 76* Manga und um die 450* Episoden des Anime machen Späteinsteigern das Leben schwer. Dennoch wird der Protagonist Monkey D. Ruffy, seines Zeichens Pirat und Gummimensch, regelmäßig als einer der beliebtesten Charaktere in die Lesercharts japanischer Fachzeitschriften gewählt.

Grund genug für die Macher, dem Franchise ein drittes Warriors-Spiel zu verpassen, dass den Namen One Piece Pirate Warriors 3 bekommen hat. Ist nicht sonderlich kreativ, aber immerhin passend. Wie alle Spiele der Dachmarke (wie beispielsweise Dynasty Warriors, Samurai Warriors oder Hyrule Warriors) prägt ein entscheidendes Gameplayelement den Spielverlauf: Das verprügeln vieler Gegner. Und wenn ich sage „viele“, dann meine ich das auch so. Im Schnitt erlegt der Spieler hier pro Runde circa 3000 bis 4000 Schergen mittels Faustschlägen, Schwerthieben oder Steinschleudern, abhängig vom Charakter, den man wählt. Laufe ich beispielsweise mit Ruffy durch die großen Levels, lasse ich Gum-Gum-Kanonen, -Bomben und Bazookas auf meine Gegner los. Der Authentizitätsgrad ist hier unglaublich hoch, sämtliche Attacken sind in ihrer hier dargestellten Form auch im Anime wiederzufinden.

Aufgrund der Art des Spiels leidet die Originalgeschichte leider sehr. Grundsätzlich spielt man den gesamten bisherigen Werdegang der Strohhutbande nach, allerdings in einer stark rudimentalisierten Version. Was nicht in eingeblendete Dialoge während des Spiels passt, wird in Zwischensequenzen gepackt, die man in der getesteten PS4-Version zwar mühelos überspringen kann, die aber jedes Mal die Meldung ausgeben, dass diese Sequenz geblockt ist und dadurch nicht aufgezeichnet werden darf. Bei drei Teilsequenzen hintereinander bekommt der Spieler also sechs Meldungen am oberen linken Bildschirmrand angezeigt (jeweils beim Betreten und Verlassen der geblockten Szene). Totaler Unfug. Ich kann sowieso in den seltensten Fällen nachvollziehen, warum man überhaupt Szenen blocken muss. Klar, bei Spielen, die in der Endsequenz den Major Spoiler raushauen und verraten, wer der Mörder ist. Solche Situationen erschließen sich mir. Aber jedweden Story-Fortschritt, der außerhalb des Gameplays stattfindet potenziell vor der Öffentlichkeit verbergen? Nervig und unnötig.

Das Spiel selbst lässt sich aber hervorragend steuern und beherrschen. Wer das komplizierte Levelsystem durchschaut, dem stehen die Tore offen, um in den etwas kragen Spielwelten tausende generische, namenlose Handlager zu verprügeln. Denn durch den Prozess des Auflevelns gewinnt die Spielfigur genügend Stärke, um selbst auf hohem Schwierigkeitsgrad mühelos ein ziemliches Chaos anzurichten. Dabei haben „Normals“ während der grafisch aufwendigen Schlachten zusätzlich einiges an geschriebenem Wort zu lesen, denn die Sprachausgabe ist vollständig auf Japanisch. Das ist zwar für deutsche Fans schade, ist aber rein vom inländischen Produktionsbudget nicht anders machbar. Lokalisation verschlingt Unmengen an Geld, wobei der Großteil für professionelle Sprecher draufgeht. Und gerade Anime-Fans sind äußerst sensibel, wenn es um den Stimmcast ihrer Lieblingsserie geht, was ja erst kürzlich wieder unter Beweis gestellt wurde. Demnach dürfte die Entscheidung, diesen Faktor des dritten Installments der Reihe im original zu belassen, eine No-Brainer-Entscheidung gewesen sein.

Frohlocken können die Fans auch bei der Auswahl der spielbaren Charaktere. Nicht nur die gesamte Strohhutbande, sondern auch viele feindliche Piraten- und Marinesoldaten-Hauptfiguren können in den ca. 10-15 Stunden Kampagne Prügel auf der Grand Line verteilen. Der Wiederspielwert der einzelnen Level ist durch unterschiedlich anspruchsvolle Levelziele zur Komplettierung auf 100% relativ hoch, die durch Verbesserung der Charaktere im Spielverlauf wesentlich einfacher zu erreichen sind. Den Stufenaufstieg erfährt aber immer nur der Charakter, der auch gerade gespielt wird. Wer also Sekundärfiguren hochstufen möchte, kann gesammeltes Geld investieren, um diese maximal dem Level der hochstufigsten Figur anzugleichen. Das ist ein faires System und spart dem Spieler Unmengen an Zeit. Manch anderer Publisher hätte für solch einen Service wohl Echtgeld verlangt.

Es macht irre viel Spaß, hunderte Gegner mit einem einzigen Schlag meterweit durch die Luft zu schleudern und K.O. zu schlagen. Alleine dafür lohnt sich Pirate Warriors 3 schon. Echte Fans kommen sowieso um keine Publikation aus dem One-Piece-Universum herum, weswegen das jüngste Schätzchen aus der Welt der Piraten wohl Pflichtprogramm für alle Anhänger der Strohhutbande sein sollte. Kann man kaufen.

*Schätzwerte

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One Piece Pirate Warriors 3 was last modified: August 30th, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.