Eines meiner Hobbies im echten Leben ist es ja, Menschen zu beleidigen. Das macht mir besonders großen Spaß, da ich einigermaßen gut darin bin. Umso schöner war es also für mich, als ich vom PS4-Release des Beleidigungssimulators „Oh… Sir!“ erfuhr. Noch erfreulicher war nur der Preis: 2,99 Euro ruft das polnische Entwicklerstudio Vile Monarch für den PSN-Download auf. Allerdings geht mit dem kleinen Preis auch ein geringer Umfang einher.

Grundsätzlich beschränkt sich „Oh… Sir!“ nämlich darauf, ein kurzes Argument zwischen zwei britischen Gentlemen (oder Ladies) abzubilden. Ähnlich wie bei einem Beat-Em-Up wie Mortal Kombat XL oder Street Fighter V, hat jeder der Mitspieler einen Lebensbalken, der beim Erreichen von Null den Verlust der Runde zur Folge hat. Schaden verursacht man dadurch, dass bestimmte Worte aus einer zufällig zusammengewürfelten Wortliste aneinanderreiht und somit eine Beleidigung formt. Das Ganze findet auf Englisch statt, wer der Sprache also nicht mächtig ist, sollte den Download wahrscheinlich meiden.

Dass diese Beleidigungen nicht immer besonders viel Sinn machen, sollte klar sein. So sitze ich auf der heimischen Couch und beleidige meinen Kontrahenten, der mir per Crossplay-Matchmaking zugeteilt wurde, mit den Worten „Your seat supports a homeless man’s socks!„. Er kontert mit „Your mother smells like you!„. Bindewörter können Satzbausteine aneinanderkoppeln und somit Bandwurmsätze zu Tage fördern, die noch weniger eine Beleidigung darstellen. „Your father supports your math teacher and looks like elderberries!„. Immer abwechselnd dürfen sich die Spieler aus dem gemeinsamen Wortpool und zwei geheimen Worten aus dem persönlichen, zufällig ausgelosten Fundus bedienen. Dadurch wird „Oh… Sir!“ mehr zu einem Glücksspiel, das den Gewinner oft danach ermittelt, wer zuerst ziehen darf und sich die guten Worte und die verbindenden Glieder sichern kann.

Allerdings haben die Entwickler noch eine weitere Mechanik verbaut. Je nach dem, welchen Charakter man wählt, bringt dieser gewisse Anfälligkeiten mit. So ist einer der Gentlemen äußert pikiert darüber, wenn man sein Äußeres ins Visier nimmt, ein anderer mag es nicht, mit der Realität konfrontiert zu werden. Diese Art von Beleidigungen und ständige Wiederholungen verursachen so zusätzlichen Schaden und können den Kontrahenten schnell zu Grabe kriechen lassen.

Dabei wird jeder Satz beim Beenden der Runde laut ausgesprochen. Zunächst wirkt dies wie ein absolutes Killerfeature, doch schon nach der zweiten Beleidigung merkt man, dass dies mehr als holprig klingt. Dadurch, dass keine Text-To-Speech-Mechanik, sondern echte Sprecher verwendet wurden, die nur einzelne Worte oder Satzfragmente eingesprochen haben, die dann aneinandergereiht werden, muss man schon oft weghören, um nicht gänzlich dem Wahnsinn zu verfallen.

Wer sich durch sogenannte „Tournaments“ spielt und mehrere Auseinandersetzungen in Folge gewinnt, kann neue Charaktere freischalten. Leider ist der Langzeitspaß bei „Oh… Sir!“ durch die ständigen Wiederholungen und ewig gleichen Satzbausteine nicht wirklich gegeben. Das Einzige, was mich das Spiel ein viertes und fünftes Mal starten ließ und mehr als zwei Runden in Folge spielen ließ, waren die PSN-Trophies. Diese fordern den Spieler dazu auf, berühmte Beleidigungen nachzustellen („Your mother was a hamster…“ zum Beispiel), wirklich verletzend oder gar obszön wird das Spiel an keiner Stelle. Zwar ist das unter dem britischen Gentlemen-Deckmantel in seiner eigenen Welt passend, meine Erwartungen wurden in puncto Wortrepertoire leider nicht erfüllt.

Fazit

Oh… Sir!“ ist ein nettes kleines Spiel, das seinen Kaufpreis von knapp drei Euro allemal wert ist. Langzeitspaß kommt hier durch die ständigen Wiederholungen leider nicht auf. Geübte Spieler haben hier einen klaren Vorteil, ein Couch-Duell gegen Neulinge ist also relativ gemein. Der Multiplayer funktioniert auch im Cross-Plattform-Matchmaking grandios, spannender wird das Spiel auf Dauer dadurch leider nicht.

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Oh… Sir! The Insult Simulator was last modified: Juni 6th, 2017 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.