Jedes Jahr steht ein Spiel im besonderen Hype-Fokus der Spieler. Mal abgesehen von Pokémon Go (zählt nur so halb, weil mobile) ist das im Jahre 2016 zweifelsohne No Man’s Sky. Die Spieleschmiede Hello Games, die sich bisher lediglich für das Zwischendurch-Game Joe Danger, das auf der gamescom 2014 (soweit ich mich entsinne) mit einer Zwei-Mann-Booth vertreten war, verantwortlich zeichnet, erlebt gerade die Zeit ihres Lebens.

Unter der dispositorischen Aufsicht von Sony ist No Man’s Sky, das von der spielenden Masse bereits seit gut zweieinhalb  Jahren erwartet wird nun endlich erschienen. Der Hype-Train rollt zwar noch, die PC-Version verpasst dem Käufer aber offensichtlich noch einige Dämpfer. Gut, dass ich die PS4-Fassung spielen durfte, den die läuft (abgesehen von einigen Abstürzen, was ich bisher eigentlich nur von LittleBigPlanet 3 kannte) relativ rund. Die Grafik ist zwar aufgrund der vergleichsweise schwachbrüstigen Leistung der PS4 gegenüber einem High-End-PC leicht ruckelig und detailarm, damit lässt sich aber leben, da auch hier – abgesehen von Hyperraumsprüngen in andere Galaxien – Ladezeiten quasi nonexistent sind.

So viele Planeten, so wenig Zeit!

Die Aufregungs- und Lernkurve zu Beginn des Spiels ist verdammt hoch. Ressourcen sammeln um das eigene Raumschiff zu reparieren und anschließend unbekannte Galaxien erkunden? Ein Traum wird wahr, zumal es insgesamt 18.446.744.073.709.551.616 (das ist die Anzahl binärer Werte, die eine 64-Bit-Variable annehmen kann, also das Maximum, das hier berechnet werden kann) Planeten sind, die es zu entdecken gibt. Würde man jeden Planeten nur eine Sekunde lange besuchen, wäre man 585 Milliarden Jahre beschäftigt. Das ist aber leider auch genau so lange, wie sich das Spiel nach den ersten paar Stunden anfühlt, bis man das Zentrum des Universums erreicht.

Denn genau das, was man in den ersten zwei Stunden gemacht hat, das macht man auch den Rest des Spiels über. Sammeln, auffüllen, erkunden, Warp-Kerne herstellen, neue Galaxie besuchen… Auf Dauer wird das wirklich langweilig, zumal die Planeten zum Großteil wirklich gleich aussehen, abgesehen von ihrer Farbe. Und das, was uns bei der Vorstellung auf der E3 2014 gezeigt wurde, ist No Man’s Sky auch nicht geworden.

So grau und öde das Wandern über unerforschte Planeten und das Springen durch ebenso unerforschte Galaxien ist, so viel Spaß macht es komischerweise auch. Zwar denkt man sich konstant „Wann ist das endlich vorbei?“, spielt dann aber grundsätzlich eine Stunde länger als ursprünglich geplant. Und wenn es nur ist, um endlich die unglaublich zeitfressenden Trophäen zu bewältigen und Platin einzuheimsen.

Inspiriert von den ganz Großen

Die Menüführung sieht aus, als hätte sich hier jemand ungeniert bei Bungies Destiny bedient, die Sprünge durch schwarze Löcher könnten direkt aus Stanley Kubriks 2001: Odyssee im Weltraum stammen, was aber beides nichts Schlechtes bedeutet. Im Gegenteil: Genau diese Visuals sind es, die diese Produkte aus der Masse herausstechen ließen und nun ihren Platz in No Man’s Sky finden.

Während ich hier teste, nehmen die Abstürze im Spiel zu. Nicht ein Tag vergeht, an dem No Man’s Sky nicht unter einer Fehlermeldung den Dienst quittiert. Mehrfach. Das ist unglaublich nervig und muss gerade auf der PS4, für die No Man’s Sky ja gemacht wurde, absolut unnötig und lässt mich mein „Ist-ja-gar-nicht-so-schlimm“ von vorhin wieder zurücknehmen. Nicht nur muss man das Spiel so dauernd neustarten, auch der Spielfortschritt seit dem letzten Speicherpunkt geht verloren. Die Schlaffunktion von No Man’s Sky (also die Möglichkeit des direkten Wiedereinstiegs ins Spiel nachdem die PS4 in den Ruhemodus versetzt wurde) funktioniert auch nur sporadisch ab und zu mal, weswegen jedem ambitionierten Weltraumforscher unbedingt ans Herz gelegt sei, vor dem Ausschalten der Konsole an einem Speicherpunkt vorbeizuschauen.

Macht euch die Taschen voll!

Das Ende des Spiels habe ich bisher noch nicht erreicht, dafür lasse ich mich zu leicht ablenken und von meiner (einzigen) Mission abbringen, das Zentrum des Universums zu erreichen. Die Mythen, die während der Erkundung versprochen werden, deuten auf etwas hin, das mit dem Ursprung der drei außerirdischen Völker, die mir konstant über den Weg laufen, zu tun hat.

Ich kann durchaus verstehen, warum man No Man’s Sky (das den bisher erfolgreichsten Steam-Start 2016 hinlegte) nicht leiden kann. Es ist sehr langsam, repetitiv, stürzt gerne mal ab und ist alles andere als spannend. Wer keine Survival-Spiele mit großem Crafting-Faktor mag, der ist hier definitiv an der falschen Adresse und auch ich finde, dass man das Konzept des Weltraumforschers anders hätte aufziehen können, als ständig alles mit seiner Bergbaukanone zu zerballern und sich den knappen Taschenplatz mit Ressourcen zuzumüllen. Dennoch ist No Man’s Sky als Experiment gelungen. Die unnötig vielen Planeten als Verkaufsargument zu nutzen war vielleicht nicht das Aussagekräftigste, ist aber definitiv einer der vielen Faktoren, die No Man’s Sky so besonders machen und vielleicht inspiriert das Spiel trotz der unerfüllten Erwartungen vieler Spieler den ein oder anderen Folgetitel, diese Konzept aufzugreifen, aufzubohren und zu verbessern.

Zwar kann ich mir No Man’s Sky als Playstation VR (erscheint im Oktober 2016)-Titel sehr gut vorstellen, im momentanen Zustand (niedrige Framerate, unnötige Kameraschwenks, hakelige Steuerung, häufige Crashes etc.) wäre dies aber ein Desaster. Lieber erstmal einen Haufen Patches nachschieben und das Spiel stabil laufen lassen. Dies wird aufgrund der niedrigen Systemleistung der PS4 (Hallo, PS Neo!) momentan aber auf keinen Fall möglich sein.

Ich nehme mal an, dass die Resonanz der Spieler den Kaufpreis des Titels relativ schnell sinken lassen wird. Wer also unschlüssig ist, ob No Man’s Sky etwas ist, was man mögen könnte, der sollte vorerst abwarten und lieber etwas später zuschlagen, wenn die Retail-Klitschen den Titel günstiger raushauen. Mir jedenfalls gefällt es (abgesehen von den technischen Problemen) sehr gut.

Yo-ho, Weltraumpiraten ham’s gut!

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No Man’s Sky was last modified: August 16th, 2016 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln.
Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.