Es gibt ja wenige Spieleserien, die ich bereit seit über 20 Jahren spiele. Die Klassiker wie Final Fantasy, Zelda und Mario gehören genauso dazu, wie die Eishockey-Simulation von EA Sports. Auch in diesem Jahr beglücken uns die Jungs und Mädels wieder mit einem Ableger: NHL 16.

Als ich das Spiel erstmalig starte, bin ich erstaunt, wie viele verloren geglaubte Funktionen wieder Einzug ins Menü finden: Be A GM, Be A Pro, Hockey League – Allesamt vor einer Weile herausgekürzt und doch wiedergekehrt. Aber auch der HUT-Modus (Hockey Ultimate Team) darf – wie im Vorjahr – nicht fehlen.

Be A GM

Es ist ja fast schon unabdingbar, einer Simulation eine Simulation zu verpassen. Die FIFA-Serie zieht das eigentlich seit Jahren konsequent durch, und auch der Eishockey-Ableger bekommt wieder einen Manager-Modus spendiert. Aber irgendwie hinkt NHL hier der großen Fußballschwester hinterher. Alles wirkt irgendwie äußerst funktionsarm, wenn auch intuitiv bedienbar. Dafür sorgt die umfangreiche Anleitung, die der Spieler während des Managens erhält. Neue Spieler kaufen, die Moral des Kaders oben halten und die regelmäßig stattfindenden Matches überwachen. Grundsätzlich sind das die wichtigsten Funktionen, die den Möchtegern-Manager und sein Team über Wasser halten. Falls während der Match-Simulation etwas schief läuft, kann der Spieler an dieser Stelle selbst eingreifen und seine Spieler manuell zum Sieg führen. Mir persönlich hat das bereits das ein oder andere Mal den Allerwertesten gerettet und nach einem ziemlich mächtigen Rückstand doch noch den ersehnten Pokal eingebracht.

Be A Pro

Wer nicht ein komplettes Team managen will, der kann sich einen eigenen Spieler kreieren und ihn aufs Eis schicken. Dabei kann man gezielt an seinen Werten arbeiten und den Haudrauf dann auf seinem Weg zum Stanley Cup (oder was auch immer euer Ziel ist) begleiten. Die Spielerkreation an sich ist aber eine Sache, die mich fragend in Richtung Bildschirm schauen lässt. Der Komfort, den man von der FIFA-Serie gewohnt ist, fehlt hier völlig. Zwar durften die Sponsoren hier in die Vollen greifen und den Spieler mit allerhand Equipment beglücken (hier ist der Detailgrad unendlich hoch!), was den Spieler selbst angeht, herrscht hier allerdings noch Nachholbedarf. Lediglich einige vorgefertigte Gesichter und eine handvoll Augenfarben (sowie ein paar Bärte) stellen die optische Anpassung des Athleten dar. An eine wirkliche, individuelle Anpassung ist hier nicht zu denken. Auch die Rufnamen, die die Kommentatoren während des Matches ausrufen können, ist auf die realen Spieler, deren Lines bereits eingesprochen wurden, begrenzt. Wieso ist nicht mal ein „Joe“ vorhanden?

Hockey League

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand tatsächlich Freunde hat (nur Spaß!) oder Spaß daran hat, sich mit Fremden zusammen zu tun, für den hat EA Sports die Hockey League zurück ins Game gebracht. Für Fans des Modus ein wahrer Segen, denn hier wird die Teamfähigkeit auf die Probe gestellt. Wer mag, kann hier mit bis zu fünf Mitspielern aufs Eis ziehen, von denen jeder einen Athleten übernimmt. Neu dabei ist, dass nicht nur einzelne Positionen, sondern auch bestimmte Spielerklassen, wie z.B. Scharfschütze oder Spielmacher zur Auswahl stehen.Einen großen Unterschied macht dies allerdings nicht – Spaß macht der Multiplayer-Modus aber allemal.

Hockey Ultimate Team

Auch wenn es um das „Ultimative Team“ geht, muss NHL nach oben schauen, um den Qualitätsstand von FIFA zu sehen. Während die Fußballer ihr Äquivalent schon längst zum Lieblingsmodus der Rasensportsimulation gewählt haben, hinken die Kufenkönige weit hinterher. Der HUT-Modus besteht essenziell daraus, wie bei TCGs, per Booster- und Starterpacks sowie per Ingame-Währungs-Marktplatzkäufen, ein Team zusammenzustellen und dieses möglichst effektiv zu spielen. Hier zählen aber alleine die Werte der einzelnen Spieler, während im FUT-Ableger auch die Chemie der Fußballer untereinander in das Gesamtergebnis einfließt. Das macht auf dem Eis leider weitaus weniger Spaß, was schade ist – denn das Potenzial ist ja vorhanden!

Lizenzen, Kommentatoren, Gameplay

Wenn es um Lizenzen geht, ist EA immer ganz vorne mit dabei. Auch dieses Jahr konnten sich die Amerikaner so ziemlich alles sichern, was auf und neben dem Eis so rumläuft. Viele Ligen sind dabei, unter anderem natürlich auch erneut die DEL, die Deutsche Eishockey-Liga. Leider wird hier etwas mit der Liebe zum Detail gegeizt. Während alle NHL-Teams beispielsweise schöne, freigestellte Logos haben, wird das Logo der Piguine, Haie oder der Eisbären einfach auf einen visuellen Untersetzer gepatscht und gut ist. Auch die Kommentatoren, die ansonsten einen fantastischen Job machen, wissen bei internationalen Matches oft nicht, was sie sagen sollen, weil dieser Sektor offenbar etwas stiefmütterlich behandelt wurde. Ein NHL-Match allerdings bringt die Stadionatmosphäre voll auf den Punkt und vermittelt ein Gefühl der Authentizität. Leider reißen mich die grafischen Patzer immer wieder aus der Konzentration. Zwar besteht das Publikum nicht mehr aus zweidimensionalen Pappaufstellern, sondern aus echten 3D-Modellen, leider wurden den Fans zu wenige unterschiedliche Bewegungsabläufe spendiert, was in merkwürdigen, sich wiederholenden Mustern endet, die die Immersion zerstören. Auch die gutgemeinte Trikot-Physik lässt die voll gepanzerten Eishockeystars oft aussehen wie schwabbelige Puddingberge. Zu wenig Gewicht haben die Trikots, die zu oft im nichtexistenten Wind flattern – Das sieht zum Teil echt lächerlich aus. Ansonsten kann NHL 16 aber grafisch voll überzeugen: Fliegender Eisstaub, tolle Action und eine hervorragende Physik.

Bei der Steuerung denken die Macher seit jeher an die Fans der Reihe, die – wie ich – die Teile schon seit Jahren spielen. Ich persönlich bin seit 1994 mit dabei und habe die Änderungen in der Steuerung seinerzeit miterlebt. Die übliche Drei-Button-Konfiguration wurde mit Erscheinen der Dual-Stick-Controller auf eben diese umgemünzt und das Game durch unzählige Funktionen erweitert. Sämtliche Aktionen laden fortan auf den Schultertriggern, die in Verbindung mit den Analogsticks eine präzisere Kontrolle ermöglichten. Wer darauf nicht klarkommt oder lieber einen Hybrid aus diesen beiden Steuerungsarten favorisiert, der kann (wieder) zwischen diesen drei Controllerkonfigurationen wählen. Echter Fanservice, der oft nicht ausreichend gewürdigt wird.

Alleine vom Umfang her hat NHL 16 im Vergleich zum Vorgänger die Nase ganz weit vorne. Die verloren geglaubten Spielmodi kehren zurück, das Gameplay ist fantastisch… – Einzig der Vergleich zum EA-Fußballableger FIFA lässt NHL 16 etwas blass aussehen. Aber wer weiß? Vielleicht schaut sich das Entwicklerteam ja das ein oder andere ab und überrascht uns nächstes Jahr erneut mit tollen Features. Die rar gesäten deutschen Eishockeyfans dürfen dieses Jahr ruhig wieder zugreifen, falls sie 2014 (VÖ: NHL 15) aufgrund fehlender Spielmodi den Gang zum Spielemarkt vermieden haben. NHL 16 ist für Xbox One und PS4 erhältlich. Die Legacy-Edition gibt es auch für die Last-Gen-Konsolen PS3 und Xbox 360.

Auch interessant

NHL 16 was last modified: September 18th, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.