Aus dem Kabelfernsehen ohne Umweg in die heimische Konsole: NCIS. Wir sagen euch, ob das Spiel zur Serie ähnlich viel Spaß macht wie die Serie selbst, oder man die Disc ruhigen Gewissens in die sorgsamen Hände der lokalen Abfallentsorgung geben kann.

Wenn ich anderweitig beschäftigt bin, muss für die Mordfallaufklärung halt das NCIS-Team herangezogen werden, das habe selbst ich schon im Durchschnitts-IQ-Fernsehen gesehen. Jeder Fan der Serie, der nicht damit zufrieden ist, beim Lösen der Fälle zuzuschauen, der wird Ubisoft dankbar vor die Füße fallen, denn „Das Spiel zur Serie“ gibt dem Spieler die Kontrolle über das NCIS-Team. Wir haben uns die Xbox-360-Fassung einmal genauer angeschaut.

NCIS, übernehmen Sie!

Disc rein, Spiel starten. Uns überrascht eine lieblos halbanimierte Cutscene, die nur vermuten lässt, worum es im ersten Fall geht. Der Aufwand-Nutzen-Faktor hier ist dermaßen gering, dass die Entwickler sich diese Szene eigentlich komplett hätten sparen können und dem Spieler direkt den Vorspann hätten präsentieren können. Jener ist übrigens dem der Serie nachempfunden und imitiert die Vorlage durch spielgrafisch nachgestellte Szenen. Bisher das absolute Highlight.

Jetzt darf man anfangen zu ermitteln, denn irgendjemand ist ermordet worden. Beim Anblick der Polygonhaufen, die hakelig durch kotzteppichartige Texturlevel geschoben werden wünschte ich, ich wäre der jenige gewesen. Wer winkt so etwas durch? Das sieht nicht nur scheiße aus – selbst unerfahrene Spieler fragen sich, wer denn da so fleißig Stöcke in virtuelle Hintern geschoben hat. Das Spiel mit Schärfe und Unschärfe wird dabei vor allem in den Cutscenes dermaßen auf die Spitze getrieben, dass zeitweise die gesamte Szene zu einem matschigen Etwas weichgezeichnet wird und man nur erahnen kann, wer da gerade über den Bildschirm zappelt. Ich kann mir den Chefdesigner vorstellen: „Nein, nein, hau ruhig noch was Weichzeichner drauf, so erkennt wenigstens niemand die kotzhässlichen Texturen.“

Knapp daneben ist auch vorbei…

Wenn man sich vom visuellen Schock erholt hat, geht’s auch schon mit der ersten Tatortuntersuchung los. Man läuft also gewohnt stockartig durch einen kargen Raum und muss per Analogstick den Mauszeiger auf pixelgroße Einschußlöcher bewegen, um anschließend Fotos davon zu schießen. Wer bitteschön ist für diese Steuerung verantwortlich? Mauszeiger auf der Xbox? Ich verstehe die Sinnhaftigkeit auf Wii oder PC, aber die Xbox-360-Steuerung ist die größte Usability-Tortur, die mir in all den Jahren als Terroristenjäger untergekommen ist.

Nachdem man fein alles fotografiert hat, gehen die Beweise ins Labor, wo man ähnlich stupide Fingerabdrücke vergleichen oder Riefenmuster in Kugeln aus der Datenbank ziehen muss. Hierzu muss man sich ständig wiederholende Vergleichsrätsel lösen, die selbst Vorschülern zu einfach sein dürften. Ich verstehe ja, dass man die Schwierigkeit für die Durchschnittshausfrau, die total auf NCIS steht, niedrig halten muss, aber das ist ein schlechter Witz.

Cheyenne ist nicht dumm, nur unterfordert!

So „rätselt“ man sich also durch die absolut lineare Story, indem man von Zeit zu Zeit „A“ drückt und über die Steuerung flucht. Wer das Spiel ohne Nervenzusammenbruch übersteht, hat innerhalb von ca. 6-7 Stunden seine 1000 Gamerpoints zusammen, denn wirkliche „Achievements“ gibt es in diesem Fall nicht. Keine Secrets, keine Zeitvorgaben, man bekommt sogar so viele Versuche, ein „Rätsel“ zu lösen, wie man eben braucht. Ohne Konsequenz. Außer Augenkrebs und hohem Blutdruck. Ein Fünfjähriger könnte den Großteil der Fälle lösen, wäre das nicht die vertrackte, und ich wiederhole mich an dieser Stelle, teilweise unmöglich zu kontrollierende Steuerung.

Wer die Serie regelmäßig schaut, wird allerdings einige Parallelen feststellen können. Sämtliche Charaktere tauchen auch im Spiel auf und bringen ihre Insider-Witze mit. Die englische Sprachausgabe serviert dem Spieler (meines Wissens) die Originalschauspieler in Stimmform, die allerdings etwas unmotiviert wirken.

FAZIT


NCIS – Das Spiel
zur Serie ist wirklich nur etwas für Hardcore-NCIS-Fans, die 50 Euro zu viel haben. Jeder, der nur „gerne mal die Serie guckt“, sollte die Finger davon lassen und einen großen Bogen um dieses Spiel, dessen Entwicklungskosten wohl das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner von Burkina-Faso nicht überschritten haben dürften, machen. Kloppmist aus der Videospielhölle, der höchstens dazu taugt, seinen Freunden einen Lacher abzuringen und anderen Spieleschmieden zu zeigen, wie es nicht geht. Hier wird die NCIS-Kuh wirklich schamlos gemolken, bis nichts mehr von ihr übrig ist. Lieber die Serie gucken und die Gesundheit schonen.

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Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.