Der Ball titscht wieder! Während die Existenz vom EA-Basketball-Ableger NBA Live in Frage gestellt wird, stolziert 2K mit seiner Fassung des digitalen Ballspiels wieder an die Spitze. Was den Titel für Fans so großartig macht, sind die vielen Features, mit denen NBA 2K16 bis zum Bersten vollgepackt ist.

Beim ersten Start des Spiels bekomme ich den bekannten Charakter-Editor kredenzt, mit dem ich meinen eigenen Basketballspieler erstellen kann. Es ist fast gruselig, wie nah das Polygonmodell dem Aussehen eines echten Spielers kommt (Jaja, in 3 Jahren werde ich über diese Aussage lachen.), hätte ich eine Kamera an meine PlayStation 4 angeschlossen, könnte ich mich sogar scannen lassen. Das hat im letzten Jahr bei einigen Basketball-Enthusiasten nicht so recht geklappt, was zu einigen obskuren Kreationen geführt hat.

Aber grundsätzlich wäre genau diese Funktion die einzige (bisher), die mich tatsächlich zu einem Kauf der PS4-Kamera bewegen könnte. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass eine solche Peripherie, ob jetzt für Xbox oder PlayStation, in den meisten Fällen zu einem Staubfänger wird, der dann irgendwann in einem Karton im Keller verschwindet. Zu wenige Spiele erfordern diese Technologie, und die, die kommen, sind meist Kernschrott. Da hat auch das anfänglich aufgezwungene Kinect für die Xbox One nicht geändert.

Meinen demnach händisch meinem Äußeren angepassten Spieler schicke ich nun auf das Spielfeld, indem ich „My Career“ starte, also den Karrieremodus. Und ab hier fängt NBA 2K16 an, so richtig Punkte zu machen. Statt mich direkt ins erste Spiel zu schmeißen, kriege ich einen kleinen Realfilm gezeigt. Schauspieler sitzen auf einer Couch, vollständig in Mo-Cap-Anzügen inklusive Kameras gekleidet. Sie spielen eine Szene, aber nur so lange, bis einer der Akteuere seinen Einsatz verpasst. Grund genug für Spike Lee (Ja, genau der) persönlich vor die Kamera zu treten und den Menschen am Controller zu begrüßen. Denn alles, was zwischen den Basketballspielen im ersten Teil des My-Career-Modus so passiert, entstammt dem kreativen Hirn des Hollywood-Regisseurs. Das nenne ich mal ein Killer-Feature.

Der Hauptcharakter – mein Spieler – heißt Freq („Freak“ ausgesprochen) und stammt aus armen Verhältnissen. Gedacht ist der Charakter wohl als Afroamerikaner, denn während mein erstellter Spieler – mich als Vorbild habend – verständlicherweise dem kaukasischen Phänotypen am nächsten kommt, ist meine Spielfamilie gänzlich von dunkler Hautfarbe. Stört mich persönlich nicht, könnte man aber als Game-Design-Fauxpas kategorisieren, auch wenn das im Spiel selbst natürlich keinen Unterschied macht. Egal. Jedenfalls sieht das, was hier in den live berechneten Zwischensequenzen abläuft – eben Dank Motion- und Face-Capturing ziemlich fett aus. Lee erzählt hier die klassische Geschichte eines jungen Basketballspielers, der seinen Weg zum Profispieler meistert. Die Dialoge sind zwar saublöd und die deutsche Übersetzung (danke Originalsprache nur als Untertitel) noch blöder, und das Klischeedenken der Charaktere am allerblödesten, Eycandy ist das hier alles aber trotzdem.

Und dann geht es endlich los. Zuerst in High-School-Matches, später werden die Stadien immer größer. Leider fehlt hier ein Tutorial, man bekommt nicht mal eine überspringbare Anleitung. Auch das beiliegende Booklet, das eigentlich nur für Sicherheitshinweise und Notizen gedacht ist, gibt keinen Aufschluss darüber, wie man das Spiel eigentlich steuert. Und so dauert es bei mir wieder einige Spiele, bis ich den Dreh raushabe. Ich habe NBA 2K15 nie dermaßen exzessiv gespielt, als dass ich, zwischen all den FIFAs und NHLs dieser Welt, noch den Überblick gehabt hätte, welche Taste denn jetzt nochmal was tut.

Ist letztlich aber auch egal, denn das Ergebnis der Spiele ist für die lineare Story völlig uninteressant. Selbst wenn das gewählte Team ständig haushoch verliert, landen wir am Ende in einem NBA-Team. Von hier an läuft der Karrieremodus ab, wie man es vom Vorgängerspiel gewohnt ist. Spiele spielen, Sponsoren suchen, Beliebtheit erlangen. Kenne ich, mag ich. Auch viele andere Modi aus NBA 2K15 halten Einzug im diesjährigen Bestseller: MyGM, MyPark und MyLeague. Eine kleine Neuerung haben die Macher dann aber doch unterbringen können: 2K Pro-Am.

Im Pro-Am-Modus spielt man fünf gegen fünf Spieler in Online-Matches. Der selbst erstellte Spieler (siehe oben) ist dabei mit von der Partie. Im Mittelpunkt steht hier – neben den Spielen selbst – die Personalisierung von Trikots und Sporthallen, mitsamt eigenen Logos und Texten. 2K verspricht hier Spielspaß ohne Wartezeit. Durch die Instanzierung der Spielsessions mit jeweils vier Plätzen, tummeln sich insgesamt 40 Spieler auf dem heiligen Holz.

Dabei sieht NBA 2K16 unglaublich zucker (Schnauze, das ist ein Adjektiv!) aus. Die völlig neue Physik-Engine und die natürlich wirkenden Spielerbewegungen, gepaart mit den hochauflösenden Texturen bieten ein Feuerwerk, an dem sich meine Augäpfel lachend erfreuen würden – könnten sie denn lachen. Also übernehme ich das, indem ich debil grinsend vor dem Fernseher sitze und mein digitales Ebenbild dabei beobachte, wie es schwitzend Sport treibt. Das kommt so im echten Leben nicht vor. Ein Hoch auf die moderne Technik!

Und da ein tolles Bild nur mit tollem Sound ein einheitliches Ganzes ergibt, stimmt hier natürlich – wie gewohnt – auch alles. Abgesehen von den Rufen, die aus dem Publikum kommen. Die sind lächerlich. Aber ansonsten: Das Quietschen der Schuhe, der Jubel der Masse, und natürlich der Soundtrack. Über 50 Songs in verschiedenen Playlists, zusammengestellt von DJ Mustard, DJ Khaled und DJ Premier, die allesamt bekannte Musikproduzenten sind, unter Anderem für Iggy Azalea, T-Pain, Snoop Dogg, Nas und M.O.P.. Die vollständige Liste habe ich mal an das Ende des Reviews gesetzt.

Selbst, obwohl es eine Alternative gibt, gibt es wohl keine Alternative zu NBA 2K16. Das klingt irgendwie, als wäre ich für den Kram hier fürstlich entlohnt worden, bin ich aber nicht. Leider. Trotzdem: Basketballfans kaufen sich das Ding eh, wer noch einer werden will und keine Angst vor einer etwas komplizierten Steuerung hat, der holt sich das Teil im Schlussverkauf. Oder holt erstmal den letztjährigen Ableger nach, auch wenn NBA 2K15 bei weitem nicht so zucker (ha!) aussah wie der Neuzugang. Aber gerade der Unterschied zwischen Last-Gen- und Next-Gen-Fassung ist atemberaubend. Großartiges Teil.

 

DJ Premier Playlist   

  • Individueller Track: Papoose Prod. Von DJ Premier, „Hold the City Down“
  • Gang Starr (feat. NYGz, H. Stax), „Same Team, No Games“
  • Nas, „Made You Look“
  • Living Colour, „Cult of Personality“
  • Jeru The Damaja, „You Can’t Stop The Prophet“
  • Individueller Track (Instrumental): DJ Premier, „Bum Bum Bum“
  • Ramones, „Blitzrieg Bop“
  • NYGz, „Policy“
  • DJ Premier & Bumpy Knuckles, „More Levels“
  • PRhyme, „U Looz“

DJ Khaled Playlist      

  • Individueller Track: DJ Khaled (feat. Ace Hood, Vado, Kent Jones), „365“
  • DJ Khaled (feat. Akon, T.I., Rick Ross, Fat Joe, Baby, Lil‘ Wayne), „We Takin‘ Over“
  • Ace Hood, „Hustle Hard“
  • Rick Ross (feat. T Pain), „The Boss“
  • Jay Z, „Where I’m From“
  • Individueller Track (Instrumental): DJ Khaled, „Black Rims“
  • Wiz Khalifa, „We Dem Boyz“
  • Ace Hood (feat. Future & Rick Ross), „Bugatti“
  • Nas, „Represent“
  • DJ Khaled (feat. T-Pain, Ludacris, Snoop Dogg, Rick Ross), „All I Do Is Win“

DJ Mustard Playlist

  • Individueller Track: DJ Mustard (feat. RJ), „You Don’t Want It“
  • J Cole, „Rise and Shine“
  • Fergie, „L.A. Love (la la)“
  • Imagine Dragons, „I’m So Sorry“
  • M.I.A., „Y.A.L.A.“
  • Individueller Track (Instrumental): DJ Mustard, „Ball at Night“
  • MGK, „Till I Die“ (Cavs Version)
  • Drake, „0 To 100“
  • Iamsu!, „I Love My Squad“
  • Santigold, „Disparate Youth“

2K Classics Mixtape   

  • Gnarls Barkley, „Going On“
  • Friendly Fires, „Skeleton Boy“
  • LCD Soundsystem, „Time to Get Away“
  • Santigold (feat. Spank Rock), „Shove It“
  • OneRepublic, „Everyone Loves Me“
  • RJD2, „Clean Living“
  • ZION I, „Ride“
  • The Flaming Lips, „The W.A.N.D. (The Will Always Negates Defeat)“
  • Hogni, „Bow Down (To No Man)“
  • The Chicharones, „Little By Little“

Around The World      

  • Rael, „Vejo Depois“
  • Calvin Harris (feat. John Newman), „Blame“
  • Zedd (feat. Selena Gomez), „I Want You To Know“
  • Emicida & FeFe, „Bonjour“
  • Ana Tijoux, „Vengo“
  • Major Lazer (feat. MO & DJ Snake), „Lean On“
  • Club Dogo (feat. Arisa), „Fragili“
  • AM444, „Lies“ (Jay. Soul Truth Remix)
  • Bag Raiders, „Shooting Stars“
  • Dynamic Duo & DJ Premier, „Aeao“

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NBA 2K16 was last modified: Oktober 16th, 2015 by Joe Uessem

Besonderes Kennzeichen: Enorme Bauchmuskeln. Mag Ballerspiele, Actionfilme und lange Spaziergänge am Strand. Zu seinen Hobbies zählen Stricken und Pferdebilder sammeln. Sein Lieblingsvideospielheld ist der Lange von Tetris.