Am dritten Tage auferstanden… Naja, ein bisschen tot hab ich mich nachts schon gefühlt. Inzwischen ist das Wetter wieder auf Touren gekommen und ich wälze mich schweißgebadet und noch in voller Montur aus meinem Nachtlager. Die eine oder andere Blessur scheine ich davongetragen zu haben, aber nach ’ner Aspirin mit Sprudel geht’s schon viel besser. An dieser Stelle nochmal Dank an meine Zeltnachbarn für die Wiederbelebung!

Das erste Mittagsmahl (Würstchen mit Toast, gereicht von meinem Lieblingsdrummer. Mehr kriege ich noch nicht runter…) wird auf dem Zeltplatz eingenommen, bevor es dann zu Iron Reagan geht. Die Amis aus Richmond zeichnen sich durch ihre furiose Bühnenpräsenz aus, die dem Hardcore/Thrash-Gebräu zusätzlichen Druck verleiht. Tony Foresta, der auch bei Municipal Waste in Mikro grölt, stachelt die Zuschauer ein ums andere Mal zu Cirlce Pits an und als besonderes Schmankerl findet sogar ein Cannibal Corpse-Cover seinen Weg in die Setlist. Iron Reagan sind definitiv eine Band, die man nicht nur als Waste-Fanboy im Auge behalten sollte!

svarttjernWeiter geht es mit Svarttjern, die ich seit der Behemoth-Tour vor zwei Jahren leider nicht mehr aktiv verfolgt habe. Ein großer Fehler, wie sich herausstellt, denn die Norweger schaffen es, zur Mittagszeit rasenden Black Metal in nordischer Tradition zu kredenzen, ohne dabei aufgesetzt oder peinlich zu wirken. Dreh- und Angelpunkt der Show ist Fronter HansFyrste (sic), der mit seinem abartigen Gekeife die Songs veredelt.

sulphuraeonWill man heuer über Death Metal made in Germany sprechen, kommt man an einer Band unter KEINEN Umständen vorbei: Sulphur Aeon! Härte, erhabene Melodien, hymnenhafte Arrangements… Lyrisch klischeefreie Auseinandersetzung mit Lovecraft’scher Thematik: Alles am Start! Die Cthulhu-Jünger verwandeln die Main Stage auch gleich in einen sintflutartigen Malstrom, zu dem sich herrlich bangen lässt. Einer der absoluten Höhepunkte des diesjährigen Festivals! Ehrensache, dass ich wenig später auf der Autogrammstunde am Deaf Forever-Stand vorbei schaue.

Die Suicidal Angels können mich nach dieser Machtdemonstration nicht mehr flashen, daher nutze ich die Zeit, um mich mit einem Gerstensaft auf den nächsten Act vorzubereiten: Memoriam.

memoriamDie Briten genießen schon seit der Bandgründung Kultstatus, haben sie doch keinen geringeren als Karl „Warmaster“ Willets himself, seines Zeichens Bolt Thrower-Frontmann, in ihren Reihen. Außerdem bedient Frank Healy von Benediction den Bass. Auch ich habe mir zuvor schon aus lauter Vorfreude in die Buxe gekackt, muss aber ernüchtert zugeben, dass die Show ein bisschen mau ausgefallen ist. Gut, bisher gibt es auch erst eine 7“ mit eigenem Material, von daher kann man bei dieser Supergroup getrost noch „Welpenschutz“ walten lassen.

Gleich im Anschluss betreten Nifelheim die Bühne. Für viele der anwesenden Fans scheinen die Schweden der heimliche Headliner des heutigen Tages zu sein und das völlig zu Recht: Eine wahre Lehrstunde in Sachen Black Thrash! Die Outfits der Jungs sind irgendwie so weit drüber, dass es schon wieder cool ist, dazu rumpelt und poltert es, dass es eine wahre Freude ist. Kultige Randnotiz: Die „Tourshirts“ am Merchandise-Stand weisen ganze vier Daten auf, die sich auch noch über mehrere Monate erstrecken… Eine Clubtour durchs europäische Festland darf ruhig mal wieder sein!

Den Oldschool-Doppelpass zwischen Grave und Immolation nutze ich, um eine letzte Runde über die Merch-Meile und den Zeltplatz zu drehen, bevor sich das Festival langsam dem Ende zu neigt.

taake„We may or may not be Taake. (Theatralische Pause) We may or may not be from Norway.“ So stellt Sänger Høst später im Set seine Band vor. Mir stellt sich jedoch zu Anfang die Frage: Werden oder werden sie nicht liefern? Nach der letzten Club-Tour war ich von der norwegischen Black Metal-Institution gelinde gesagt etwas enttäuscht und meine Erwartungen siedelten auf Grasnarbenniveau an. Doch es soll gänzlich anders kommen! Von der ersten Minute an agiert die Band arschtight, der Dödsjarl inszeniert sich gekonnt selbst, nuckelt ab und zu an einer Pulle Sekt und weiß, wann er das Feld seiner Instrumentalfraktion zu überlassen hat (Ok, vielleicht hat er zwischendurch auch noch was anderes zu erledigen…). Smasher wie Nordbundet oder Hordalands Doedskvad sprechen für sich. Spätestens wenn Høst seine Arme in Trademarkpose hinter dem Kopf verschränkt, kauft man dem Mann einfach alles ab.

sodomVorletzte Band des Festivals sind Sodom, die mit Decision Day ein neues Album im Gepäck haben. Denkste! Tom Angelripper lässt verlauten, dass man, abgesehen vom bereits seit zwei Jahren bekannten Sacred Warpath, noch keinen neuen Song spielen wird… Über Sinn und Unsinn kann man an dieser Stelle streiten, zumal ja schon der aktuellen Legacy-Ausgabe eine Vorab-Single beilag, aber auch ohne frisches Material macht der Gig Spaß. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den 80ern und den letzten Outputs. Die 90er streift man lediglich mit dem Evergreen The Saw Is The Law, große Überraschungen gibt es leider keine.

Noch während der Schlussakkord erklingt reihe ich mich mit meinem Kumpel schnell in die Warteschlange zur Autogrammstunde ein, die um Mitternacht stattfinden soll. Nach drei Tagen können wir zwar kaum noch stehen, halten uns aber trotzdem irgendwie auf den Beinen. Leider kommt es während der Wartezeit immer wieder zu unschönen Situationen, als sich Schaulustige in die (inzwischen beachtlich) lange Reihe drängeln wollen. Von wegen Szenezusammenhalt und so. Spastis bleiben Spastis, ob mit oder ohne Kutte… Leider verzögert sich alles um so mehr, da die Band ausgiebig mit jedem einzelnen Fan (wahlweise auch einfach nur volltrunkene Idioten) zu quatschen scheint. Als wir endlich an der Reihe sind, schaut Tom auch eher gelangweilt in die nächste Bierpulle und registriert nur am Rande, dass man vielleicht noch gerne ein Erinnerungsphoto machen würde. Naja…

Mit Autogrammkarte in der Hand genießen wir dann noch ein paar Songs von At The Gates, bevor die vergangenen Tage ihren Tribut zollen und ich mich wieder Richtung Zeltplatz auf mache.

Alles in allem wieder mal ein sehr gelungenes Party.San, dessen einziger Wermutstropfen die sterbefallbedingte Absage von Gates Of Ishtar war. Ansonsten alles top, die bisherigen Bestätigungen fürs nächste Jahr versprechen ebenfalls Großes!

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Nachbericht Party.San 2016, Tag 3 was last modified: September 12th, 2016 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.