Essen, 16:28 Uhr im Keller eines Ladenlokals auf der Haupteinkaufsstraße: Ich sitze wie auf Kohlen und warte darauf, um Punkt halb fünf in mein Auto zu springen und das Gaspedal durchzudrücken. Mit entspannter Durchschnittsgeschwindigkeit von 155 Kmh geht’s dann gen Osten, um hoffentlich noch rechtzeitig Necros Christos sehen zu können. Einzig der Feierabendverkehr und ein paar kleine Baustellen halten mich ein wenig auf, doch am Ende der Fahrt verhallen gerade die letzten Töne des toten Christen während ich auf den Campingplatz rolle. Egal, später wird trotzdem noch ein Shirt gekauft (12 € sind ein mehr als fairer Preis!), aber erstmal wird mit zwei Kollegen von Powermetal.de angestoßen. Die Herren haben sogar eine Dose 5,0 mit dem Aufdruck „This one is for Lemmy!“ am Start, die stilecht in ein paar Sekunden geleert wird.

arcturusDann machen wir uns aber schleunigst auf, um Arcturus zu sehen. Die norwegische Supergroup um Hellhammer und ICS Vortex tischt einen Querschnitt durch ihr gesamtes Œuvre auf und entführt die Zuschauer in Sphären jenseits typischer Black Metal-Pfade. Manchem Pvristen mag das zu progressiv erscheinen (sogar von „Karnevalsveranstaltung“ war im Vorfeld die Rede), mir jedoch kommt die Melange aus klirrender Kälte, warmen Keyboard-Teppichen und den dezenten Violinen grade Recht, um nach der Hinfahrt auf Touren zu kommen. Mit To Thou Who Dwellest In The Night kommt sogar das erste Album zu seinen Ehren, auf dem seinerzeit noch Ulver’s Garm zu hören war. Doch ICS macht seine Sache außerordentlich gut und hat sichtlich Spaß an dem Auftritt. Grade bei den clean gesungenen Vocals, für die er sich früher auch bei Dimmu Borgir verantwortlich zeichnete, brilliert er und kommt aus dem grinsen nicht mehr heraus.

Nach dem Auftritt genehmige ich mir erst mal Pulled Pork am BBQ-Stand und begebe mich auf die Suche nach meinem Bandkollegen. Gemeinsam machen wir Halt am Deaf Forever-Stand und decken uns mit Heften und Patches ein, bevor es mit Mgła weitergeht. Der Auftritt der Polen überzeugt mich allerdings nicht so sehr. Die Hypetrommel wurde ja über die letzten Jahre immer wieder fleißig gerührt, aber warum grade diese Band als Hoffnungsträger des modernen Black Metal gelten soll, erschließt sich mir nach wie vor einfach nicht. Sicher, das Songmaterial ist solide, aber der ganze gekünstelt wirkende Mystizismus ist in diesem Fall irgendwie nicht mein Ding. Da bereite ich lieber schon mal mein Nachtlager im Auto vor, nur so für den Fall, dass ich nach Obituary dazu nicht mehr im Stande bin…

obituary

Gegen 22:50 Uhr betritt die Instrumentalfraktion der US-Death Metal-Legende die Bühne. Der Redneck Stomp als Einleitung macht klar, dass heute Abend keine Gefangenen gemacht werden. Zu Centuries Of Lies, dem Opener des letzten Albums Inked In Blood, entert auch John Tardy die Bühne und veredelt die groovigen Riffs mit seinen Trademark-Grunts, während Trevor Peres ein ums andere Mal beweist, dass man auch mit Strat-Body wunderbar Death Metal spielen kann. Irgendwie macht das an diesem Abend ’ne ganze Schippe mehr Bock als noch vor zwei Jahren, was vielleicht auch dem Platz im Billing geschuldet sein mag. Nach 2-3 Festivaltagen ist man einfach nicht mehr so aufnahmefähig wie am ersten Tag. Die Menge geht jedenfalls steil und ich persönlich freue mich am meisten darüber, dass gleich drei Songs von Cause Of Death ihren Weg in die Setlist finden. Mit dem Szene-Hit Slowly We Rot vom gleichnamigen Debütalbum verabschiedet sich der Floridafünfer nach einem energetischen Gig und ich genehmige mir ein weiteres Bier.

Langsam zollen jedoch der Arbeitstag und die Hinfahrt ihren Tribut, sodass der Tagesheadliner Paradise Lost mich nicht mehr ganz fesseln kann. Die ersten Songs gebe ich mir aus einiger Entfernung, bevor ein kurzer Ausflug auf den Campingplatz mit einem Abstecher im Partyzelt endet. An dieser Stelle nochmal ein großes Lob an die Brutz & Brakel-Barkeeper, die Jacky-Coke-Mischung bietet immer wieder absoluten Mehrwert für’s Geld!

Fazit: Gelungener Auftakt, auch wenn mir Highlights wie Tribulation oder eben Necros Christos dank nicht gewährtem Urlaub verwehrt blieben.

Photo-Credits: Dank an Oliver Janka (www.metalshots.de)

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Nachbericht Party.San 2016, Tag 1 was last modified: August 30th, 2016 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.