Auf zum zweiten Tag! Den beginne ich leider etwas lädiert in der prallen Mittagssonne (35°!!!), der vergangenen Nacht ihren Tribut zollend… Als ich mich in den Schatten meines Autos zu rollen versuche, schmeißt doch glatt der Idiot neben mir den Motor an, um seine Olle bei laufender Klimanlage zu betören! In solchen Momenten wünscht man sich einen Prius mit Elektromotor…

Zu der ganzen Tortur dröhnen die unsäglichen Cliteater im Hintergrund los, die mir mit ihrem Grindcore dermaßen auf den Sack gehen, dass ich mich wieder ins Auto verziehe. Leider verschlafe ich dann auch Vanhelgd, was mir dann schon eher leid tut.

Ungeachtet dessen schleppe ich mich dann um 13:30 doch noch auf den Platz, um Gehennah zu begutachten. Mit Pseudonymen wie Stringburner, Hellcop und Mr. Violence (der im übrigen ein schickes Violentor-Shirt trägt) kann eigentlich nichts schief gehen, aber nach drei oder vier Songs muss ich meinem Kreislauf doch noch ein wenig Ruhe gönnen. Eigentlich schade, denn der Rumpelsound der Schweden (gefühlt kommt jede zweite Band da her) macht ordentlich Laune.

Gegen 15:30 Uhr bin ich dann endlich wieder „among the living“ und ärgere mich, dass ich Aeternus verpennt habe. Von Soulburn kriege ich zwar noch was mit, aber zunächst muss ich am Deaf Forever-Stand die aktuelle Ausgabe kaufen. Ehrensache! Ein paar Patches für meinen Kumpel und mich dürfen auch nicht fehlen und so überbücke ich die Zeit bis 16:30 Uhr mit Fachsimpeleien mit Götz & Co..

desertedfearPünktlich zu Deserted Fear geht es dann wieder in den Graben. Vor zwei Jahren waren die Senkrechtstarter aus Thüringen noch im Zelt zu sehen, dieses Mal jedoch belegen sie völlig zu Recht einen der Plätze im oberen Mittelfeld auf der Hauptbühne. Erste Pyros werden schon verballert und Field Of Death beginnt natürlich stilecht mit Sirenen-Intro. Death Metal, wie er sein muss. Definitv eine Band, die es noch weit bringen wird!

ichloridPostmortem können dagegen leider nicht wirklich anstinken und so genehmige ich mir erst mal ein Radler, dass ich bei Ichorid im Zelt runterschlucke. Die Württemberger sorgen mit ihrem techisch angehauchten Death Metal für Stimmung und erweisen sich als gelungener Opener auf der Underground-Stage. Typischer Fall für „nach dem Festival mal genauer unter die Lupe nehmen“!

melecheshMittlerweile ist es 18:30 Uhr, von Abkühlung jedoch keine Spur. Dafür ist es jetzt Zeit für meine persönliche Lieblingsband des Festivals: Melechesh! Enlil Enraged heißt es im Opener des aktuellen Albums Enki, und ich kann euch sagen: Enlil war fucking angry! Der sumerische Metal, wie sie sich selbst beschreiben, passt perfekt zur immer noch gnadenlosen Hitze. Bis auf meinen Lieblingstrack werden Hits aneinander gereiht, die von einer respektablen Menge wohlwollen aufgenommen werden.

Agalloch sind im Anschluss nur ein laues Lüftchen. Ihr postrockgeschwängerter… Tja, was ist es eigentlich? Doom, Folk, Pagan, ein bisschen Black… Diese Mischung ist eher was für Clubshows oder Gigs bei Sonnenuntergang, zu denen dich deine Freundin zwingt. Offensichtlich wurde ihnen auch mal wieder untersagt, ein Lagerfeuer auf der Bühne zu entfachen. Ein paar Songs, die gefühlt eine Ewigkeit dauern, schaue ich mir an, bevor ich erstmal eine isotonische Erfrischung brauche.

Als nächstes stehen Asphyx auf dem Plan. Unsere westlichen Nachbarn legen mit ihrem Klompjes-Death einen soliden Auftritt hin, der für meine Begriffe aber zu viel altes Material bietet. Grade The Rack gehört für mich zu den absolut überbewerteten Alben der 90er, von dem gleich drei Songs ihren Weg in auf die Set-List finden. So warte ich dann vergeblich auf den Eisenbahnmörser, zu finden auf dem 2009er Comeback Death… The Brutal Way, von dem lediglich der Titeltrack gezockt wird.

Da mit Hellish Crossfire eine der heimischen Thrash-Kapellen der Stunde ansteht, verlasse ich die Hauptbühne rechtzeitig Richtung Tent Stage. Hier geht es dann old schööl as fuck zu. Das Quartett aus Nürnberg brennt ein Riffkreuzfeuer ab, dass die Hütte in Flammen aufzugehen droht. Dem kommt natürlich auch die Clubatmosphäre zu Gute. Fäuste werden gen Himmel

bloodbathGlücklicherweise fangen Bloodbath mit etwas Verspätung an, so dass ich vom theatralischen Auftritt nichts verpasse. „We’re Bloodbath from Sweden… And Yorkshire“ lässt ein blutüberströmter Nik Holmes in seiner charmanten englischen Art verlauten und stellt einmal mehr unter Beweis, dass er die richtige Wahl für den Mikro-Posten ist. Drei Tracks vom letztjährigen Werk Grand Morbid Funeral finden den Weg in die Setlist. Schwedentod, wie er klassischer nicht sein kann!

ensiferumGegen 23:00 Uhr öffnen sich dann die Pforten zur Twilight Tavern. Der heutige Co-Headliner Ensiferum zählt sicherlich zu den kontroversesten Bands des Festivals. Die verrückten Finnen sind ja eher auf Partymetal ausgelegt und wirken zwischen Bloodbath und Cannibal Corpse ein bisschen deplatziert. Entsprechend fällt dann auch der Altersdurchschnitt im Publikum aus, ganz so voll wie zuvor ist es nicht. Blickfang auf der Bühne ist natürlich Keyboarderin Emmi, die grazil vor sich hin bangt, während ihre Jungs einige Kilometer abspulen und sichtlich Spaß am Gig haben. Glücklicherweise gibts auch keinen Soundmatsch, denn Basser Sami Hinkka setzt ein ums andere mal zu Ausflügen in die oberen Register an, dass selbst gestanden Gitarristen die Kinnlade runter fällt. Ziemlich unterhaltsam, aber langsam machen sich die andauernde Hitze und die Müdigkeit bemerkbar. Man wird eben alt…

cannibalcorpseHeadliner sind heute Cannibal Corpse. Neben Death und Morbid Angel wohl die einflussreichste Band überhaupt im gesamten Death Metal-Sektor. Leider kommt es zu einem Déjà-vu, da sich der Drum-Check ähnlich lange wie am Vorabend bei Behemoth in die Länge zieht. Aber nun zur eigentlichen „Show“: Der Sound ist mehr als erhaben, aber wer die Band schon auf einer Club-Tour erlebt hat, weiß: Hier herrscht Minimalismus pur! Statisches Licht, ein Aktionsradius von der Breite einer Marshall-Box bei der Saitenfraktion und Stiernacken George „Corpsegrinder“ Fisher propellert, das man meint, er würde gleich abheben. Mir klingen die Songs auf Dauer aber doch zu eintönig, so dass ich mich nach der Hälfte des Sets in die hinteren Reihen begebe.

Die Metaldisco lasse ich dann heute Abend auch aus, schliesslich muss ich noch Ressourcen für Tag 3 sparen!

Hier geht’s zum ersten Teil.

 

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Nachbericht Party.San 2015, Tag 2 was last modified: August 24th, 2015 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.