Willkommen zum Erlebnisbericht der diesjährigen Ausgabe des Party.San Metal Open Air! Ich war wieder drei Tage lang vom 6.-8. August vor Ort, um dem extremen Metal zu huldigen und wurde auch diesmal nicht enttäuscht. Drei Tage volle Dröhnung abseits von Pfahlsitzen, Event-Touristen und LARP-Dörfen. Einfach nur Festival. Einfach nur geile Bands (und günstiges Bier). Einfach alles auf’s wesentliche reduziert. Aber lest selbst:

Kurz nach Abfahrt schon Stau in Dortmund, Umleitung durch die Pampa kurz vor’m Ziel und noch immer kein Einweggrill in Sicht… Definitiv keine guten Vorraussetzungen für ein gelungenes Festivalwochenende. Als Retter in der Not entpuppt sich jedoch einmal mehr der Edeka in Dünwald, bei dem ich noch eine Feuerstelle ergattern kann. Vita Cola darf natürlich bei einem Besuch im Osten auch nicht fehlen!

Endlich mit dem nötigsten ausgestattet, biege ich in die letzte Kurve ein und tanze vor lauter Vorfreude schon mit erhobenen Fäusten hinterm Steuer zum High Spirits-Gassenhauer Full Power (Liebe Fahranfänger: Sowas zu Hause bitte nicht nachmachen!). Der VIP/Presse-Check-In geht fix von statten und so finde ich mich doch noch recht pünktlich auf dem Zeltplatz wieder. Das Auto wird in Windeseile zur Schlafkoje umfunktioniert und die ersten Bekanntschaften mit den Nachbarn werden geschlossen. Mit den freundlichen Badenern von Powermetal.de wird auch schnell der erste Hähnchen(Siebenschwaben)spieß zum Vita Cola/Rum verdrückt, während im Hintergrund die Schweden-Deather Degial das diesjährige Party.San Metal Open Air  eröffnen.

Leider kommt es gleich danach schon zu einer kleinen Katastrophe: Das FOH-Mischpult schmiert ab! Wer sich jetzt fragt, was das ist: Hier laufen quasi alle Drähte zusammen, ohne das gibt’s nunmal keinen Sound von der Bühne aus ins Publikum. Ersatz muss her! Ein paar Minuten vergehen, daher überbrücke ich die Zeit mit einem Bier. Aber schon beim dritten Schluck ertönen auf einmal wieder liebreizende Klänge aus der PA… Schnell den Becher dem nächsten bekannten Gesicht in die Hand gedrückt und ab in den Fotograben!

morbus_chronMorbus Chron zelebrieren ihren progressiven Death Metal so energetisch, wie es sich für junge Schweden gehört. Dem Kenner fällt sofort auf, dass einer der beiden Axtschwinger stilsicher im Sortilège-Leibchen über die Saiten fegt, während der andere eine mit Gaffa-Tape umwickelte Klampfe sein eigen nennt. Klanglich (Für die Herren) wie optisch (Für die Damen) erste Güte. Schweden halt, ’nuff said!

Als nächstes stürmen die maskierten Muchachos von Midnight die Bühne und prügeln sich durch ihren Set, als gäbe es kein Morgen. „Black R’n’R“ der Extraklasse, der den Großteil des Publikums in seinen Bann ziehen kann. Netter Gag am Rande: Frontmann Athenar leitet den Titeltrack des Debut-Albums mit den Worten „Deutschland Royalty“ ein, was aufgrund seines geschmeidigen Ami-Akzents ziemlich kultig klingt. Wie es sich für ein echtes Midnight-Konzert gehört, brennt nach dem Schlussakkord noch der Bass, diesmal wird aber auf eine gründliche Zerhackstückelung verzichtet, was meinen Kollegen und mir dann doch übel aufstößt. Wir wollen mehr Bassgewalt auf Deutschlands Bühnen! Trotzdem zeigt der Auftritt, dass derzeit Midnight neben den High Spirits die Speerspitze im US-Underground bilden.

nuclear_assaultJetzt wird’s Zeit für alte Männer, weshalb sich meine beiden Begleiter auch schnell in Richtung Brutz & Brakel (Der Cocktail-Stand) verziehen. Ich freue mich derweil auf Nuclear Assault mit Thrash-Urgestein Danny Lilker am Viersaiter.
Die Amerikaner sind sichtlich gealtert, besonders Drummer Glenn Evans sieht aus, als würde der Cryptkeeper persönlich auf die Felle eindreschen. Das tut der Musik indes keinen Abbruch und so gibt es die totale Vollbedienung, die mit Granaten wie Butt F**k und Hang The Pope keine Wünsche offen lässt.

Nach dem Auftritt ist es Zeit für eine Erfrischung und beim Rundgang auf dem Gelände sieht man schon Nergal vom heutigen Headliner Behemoth mitsamt Jutebeutel gemächlich durch die Gegend schlendern.

ruins_of_beverastWeiter geht’s mit zwei heimischen Bands, die in ihrem jeweiligen Genre eine Intensität erreichen, die ihres Gleichen sucht. Als Erstes spielen Secrets Of The Moon, bei denen ich mir allerdings eine kurze Knipspause gönne. Besonders die Midtempo-Parts drücken wie Sau, beim Track Lucifer Speaks kann man schon fast von den Bolt Thrower des Black Metal sprechen. Dunkelheit, Trauer und morbide Bildgewalt in musikalischer Perfektion! Die ersten Pyros werden auch schon verballert und man fragt sich gegen Ende des Auftritts, ob Ruins Of Beverast da noch was draufsetzen können. Die Antwort: JA! Es geht! Sänger/Gitarrist Meilenwald ist, wie üblich, die meiste Zeit nur schemenhaft durch die Nebelwand auszumachen, wodurch die monumentalen Riffs noch gespenstischer wirken. Viel mehr muss hier eigentlich nicht gesagt werden. Ruins sind einfach eine MACHT! Besonders in Kombination mit SOTM unmittelbar davor ein absolutes Highlight des gesamten Festivals!

primordialPrimordial müssen sich danach schon anstrengen, um den Level zu halten. Das gelingt Frontmann und Szenekoryphäe Alan Averill jedoch glänzend. Die irischen Pagan Metal-Veteranen bieten einen unterhaltsamen Gig, dessen Schwerpunkt vor allem auf den letzten Werken liegt, lassen es sich aber nicht nehmen, Gods To The Godless an dritter Stelle zu zelebrieren. Mit der Show werden Primordial ihrem Status als vorletzte Band des heutigen Tages durchaus gerecht. Wer weiß, ob in zwei Jahren nicht sogar einer der drei Headliner-Slots winkt…

behemothDer Donnerstag neigt sich mittlerweile dem Ende zu, doch leider schleicht sich noch ein kleiner Dämpfer in Form eines überlangen Soundchecks für Behemoth ein. Durch den Pultwechsel am Mittag verschoben sich die Spielzeiten eh schon nach hinten, aber eigentlich hielt sich alles noch im Rahmen. Das hat auf anderen Festivals schon für viel mehr Wirbel gesorgt. Der Drum-Check ist dann allerdings etwas zu viel des Guten. Das denken sich auch eine Menge anderer Besucher, so dass der erste Headliner nicht ganz so viele Leute ziehen kann wie sonst. Die polnischen Shootingstars lassen sich dadurch aber nicht beirren und ziehen ihre Show radikal durch. Extreme Metal auf höchstem Niveau, der auch visuell einiges zu bieten hat. Wie schon auf der vergangenen Tour eröffnet Blow Your Trumpets, Gabriel vom aktuellen Album den Auftritt, der bis zur letzten Note von O Father O Satan O Sun! mit Hits gespickt ist (Decade Ov Therion, Ov Fire And The Void etc.) und vor Pyros und anderem brennbaren Strauchwerk nur so strotzt. Viele Black Metal-Bands rühmen sich ja mit einem satanischen Image, aber Behemoth zeigen mit ihrer Messe Noir allen, wo der Deibel den Most holt. Die Show zieht mich dermaßen in den Bann, dass ich vor lauter bangen nicht mal mitkriege, dass Nergal über ein Kabel stolpert. Wirklich schade, dass der Soundcheck die Vorfreude ordentlich gedrückt hat.

Bevor es danach zurück auf die Luftmatratze geht, wird natürlich noch das Partyzelt unsicher gemacht. Alles in allem ein sehr gelungener erster Festivalauftakt!

Lest hier alles zu Tag 2!

Und für die ganz schnellen: Tag 3!

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Nachbericht Party.San 2015, Tag 1 was last modified: August 13th, 2015 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.