Willkommen zum letzten Teil des Rückblicks!

1 NocturnalDas koblenzer Überfallkommando Nocturnal eröffnet heute den munteren Reigen. Im Vergleich zu JIG-AI vom Vortag eine wesentlich gelungenere Wahl, wie ich finde. Frontfrau Tyrannizer lässt nicht nur optisch meine Knie erweichen, auch stimmlich lässt die Dame nichts anbrennen. Das Quartett zelebriert gediegenen Thrash mit deutscher Schlagseite und ordentlich Old School-Attitüde, der mich direkt das Haupt schütteln lässt. Allerdings sitzt mir noch die letzte Nacht in den Knochen, so dass ich Mumakil erst einmal vom Zeltplatz aus genieße (sprich: gar nicht!).

Nach einer kurzen Regenerationsphase gehts aber direkt wieder auf’s Gelände, da mittlerweile Ereb Altor mit ihren Drachenbooten anlegen. Bathory-Worship in extremis kann man nur sagen, aber es macht unglaublich Spaß, den Schweden zu zusehen. Später am Tag kann ich sogar eine aktuelle 7″ am Stand von Einheit-Produktionen ergattern.

Dann sind Protector an der Reihe. Ansagen der Marke „Es tut mir leid, aber wir spielen noch einen neuen Song“ sprechen für sich… Die 80er-Relikte räumen ordentlich ab und werden auch von den jüngeren Zuschauern gebührend gefeiert, was Sänger und Szene-Original Martin Missy sichtlich freut.

Imperium Dekadenz lasse ich zugunsten eines weiteren Party.San-Brötchens und einem Bier aus.

3 KampfarWas ich danach von den Norwegern Kampfar halten soll, weiß ich noch immer nicht so recht. Ihre Alben sind gespickt mit feinsten Viking Metal-Hymnen, aber live kommt das alles etwas aufgesetzt rüber. Frontmann Dolk passt mit seiner bizarren Vampiroptik nicht so Recht zum Rest der Band, da haben Ereb Altor heute schon deutlich mehr nordische Kälte versprüht. Nichts desto trotz scheint das ganze beim Publikum dennoch gut anzukommen und Dolk post die ganze Zeit über wie ein wilder.

Mit Malevolent Creation gibts nachmittags die erste von zwei US-Death Metal-Legenden des heutigen Tages. Eine solide Show, da ich mir allerdings noch ein paar Songs von Arroganz im Zelt reinziehen will, verlasse ich den Gig aber vorzeitig.

5 Aura NoirGegen 18:30 Uhr gehts dann weiter mit Aura Noir, die ihren Blackened Thrash ohne Kompromisse zelebrieren. Die illustere Truppe um Basser Apollyon, dem man seine Zeit als Immortal-Bassist bei jeder Pose ansieht, lässt nichts anbrennen und feuert eine Granate nach der anderen ab. Falls jemand rätselt, warum Gitarrist Agressor die ganze Zeit über auf einem Hocker sitzt: Der gute machte im Drogenrausch einen Abflug aus dem vierten Stock… Also immer schön aufpassen ;)

6 Grand MagusKommen wir nun zu meinem persönlichen Höhepunkt des gesamten Festivals: Grand Magus. Oder besser: GRAND FUCKIN‘ MAGUS! Die Schweden legen regelmäßig von Album zu Album nochmal eine Schippe drauf und sind live einfach die Macht schlechthin, egal zu welcher Tageszeit und an welchem Ort. Im Gepäck haben sie natürlich ihr neues Album, Triumph And Power, dass in allen einschlägigen Szenemagazinen Soundcheck-Siege einfahren konnte. Egal ob Black Metal-Maniac oder Kutte&Bier-Thrasher: Das Trio um Frontmann J.B. vereint sie alle. Einziger Minuspunkt des Auftritts: Kein Song vom großartigen letzten Longplayer The Hunt schafft es in die Setlist…

Mit Napalm Death entert ein weiteres Urgestein die Bühne, dass einfach nicht tot zu kriegen ist. auch wenn mittlerweile kein Gründungsmitglied mehr an Bord ist, wissen die vier Herren immer noch, wie Grindcore richtig geht. Vor allem Sänger (oder besser: Grunzer) Barney Greenway hat das Publikum von der ersten Minute an im Griff:  „Freunde und natürlich Freundinnen auch: Wir sind Napalm Death aus Birmingham!“ lautet die Begrüßung, die mit sympatischem britischen Akzent vorgetragen wird. Die Meute dankt es ihm dann auch mit Circle Pits am laufenden Band.

Um 21:20 leiten die zwei Eidgenossen von Bölzer dann den Abriss der Tent Stage ein. Auch diese Band fällt definitv in die Kategorie „Geheimtipp“ und lockt immer mehr Zuschauer unters Dach. Mit ihrer eigenwilligen Interpretation von Death, Black und Sludge Metal erzeugen sie eine bklemmende Atmosphäre, die ich in dieser Intensität selten erlebt habe. Erinnerungen an mein erstes Planks-Konzert werden wach…

Nach dieser unglaublichen Darbietung wanke ich wieder in Richtung Hauptbühne zurück und bekomme grade noch mit, wie Katatonia als Abschiedsgag das Hauptriff des Entombed-Klassikers Damn Deal Done anzocken. Damit geben sie eine wesentlich bessere Figur ab als das zur Mogelpackung verkommene Original am Donnerstag!

Nach kurzer Zeit werden dann die „Obi! Obi!“-Rufe immer lauter. Das kann nur eins bedeuten: Obituary sind nicht weit. Inzwischen ist das mein drittes mal dieses Jahr, aber der US-Death Metal des Fünfers aus Tampa, Florida, verliert einfach nichts von seiner Anziehungskraft. Das Grunt-König John Tardy zunächst etwas im Mix untergeht, fällt da auch nicht weiter ins Gewicht. Wie schon zuvor haben die Jungs wieder zwei neue Songs im Gepäck, die allerdings nicht ganz mit den Klassikern mithalten können.

7 KreatorDer Headliner des diesjährigen Party.San heißt Kreator. Hier bedarf es wohl kaum großer Worte. Wer den Livestream vom W:O:A gesehen hat, weiß, was ich meine. Die Ruhrpott-Thrasher bieten nicht nur ein imposantes Bühnenbild, sondern lassen sich auch bei der Setlist nicht lumpen. Mit zwei Tracks vom aktuellen album Phantom Antichrist geht’s los, aber Publikumslieblinge wie Phobia oder Riot Of Violence dürfen natürlich auch nicht fehlen. Und spätestens wenn Mille zum Abschluss die Flag Of Hate schwenkt, ist klar, warum Kreator nach all den Jahren zu Recht zur Speespitze des extremen Metal weltweit zählen!

So geht ein rundum gelungenes Party.San 2014 zu Ende. Alles in Allem eine super Organisation und wer bei dem Line-Up noch über den Ticketpreis meckert, soll am besten gleich daheim bleiben!

Wir freuen uns schon jetzt auf 2015!

Held des Tages: Der Typ, der bei Aura Noir so heftig gefeiert hat, dass er die komplette Kreator-Show vom Zeltplatz aus „genießt“.

Zu Tag 1 geht’s hier: Party.San Episode I: Die dunkle Köstrizerbedrohung
Zu Tag 2 hier: Party.San Episode II: Angriff des Ebbelwoi

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Nachbericht Party.San 2014 Episode III: Die Rache des Mille Petrozza was last modified: Oktober 8th, 2014 by Yorck Segatz

Videospiele sind ihm nicht hart genug, daher bemalt er in seiner Freizeit Warhammer-Männlein und hört währenddessen Death Metal. Lange Spaziergänge am Strand macht er nur mit, wenn er anschließend mit seiner He-Man-Figur spielen darf. Ansonsten ist er stubenrein und kann gut stillsitzen.